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Potsdam Garnisonkirche: Warnung vor „Millionengrab“
Lokales Potsdam Garnisonkirche: Warnung vor „Millionengrab“
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14:42 04.04.2016
Das historische Schiff der Garnisonkirche. Quelle: Archiv
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Innenstadt

Für die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche (FWG) ist es eine Zäsur: Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Sonnabend verabschiedete sie sich durch eine Satzungsänderung von dem Bekenntnis zum kompletten, originalgetreuen Wiederaufbau der Kirche an der Breiten Straße. Bislang hieß es: „Der Vereinszweck wird vorrangig verwirklicht durch die Förderung des historisch getreuen und vollständigen Wiederaufbaus sowie durch die Förderung der Erhaltung und der Nutzung der Garnisonkirche in enger Abstimmung mit der Stiftung Garnisonkirche.“ Nun entfällt der Passus „des historisch getreuen und vollständigen“ Wiederaufbaus.

Die Änderung wurde mit großer Mehrheit beschlossen: Von 130 anwesenden Vereinsmitgliedern stimmten 118 zu; es gab vier Enthaltungen. Dennoch dürfte der Jubel nicht einhellig gewesen sein. Burkhard Franck, der Vorgänger des jetzigen Vereinschefs Matthias Dombert, sei erst gar nicht erschienen, hieß es. Franck hatte sich stets kritisch über die Abkehr vom originalgetreuen Aufbau geäußert.

Historische Ansicht des Garnisonkirchturms. Er soll in originaler Form wiedererrichtet werden. Die Baugenehmigung dafür gibt es. Quelle: Archiv

„Mit dem heutigen Beschluss sind die Satzungen von Stiftung und Fördergesellschaft synchronisiert worden“, sagte Dombert nach der Sitzung. Die Satzungsänderung der FWG gilt als eine der Voraussetzungen für die Gewährung eines zinsfreien 3,25-Millionen-Kredits durch die Landeskirche, die kein historisch originalgetreues Kirchenschiff will – als Ausdruck des Bruchs mit der Tradition. Nächstes Wochenende wird die Landessynode über das Darlehen abstimmen. Wie berichtet, wäre der Kredit aber an eine Bedingung geknüpft: Bis Dezember 2016 müsste es die Garnisonkirchenstiftung schaffen, selbst 2,8 Millionen Euro einzuwerben. Davor würde die Landeskirche nur mit 250 000 Euro ins Risiko gehen.

Franz Steinfest war jahrelang als Baucontroller tätig. Quelle: Privat/ Ulrich Wessollek

Unterdessen meldet ein Finanz-Fachmann Zweifel an den Kostenberechnungen für den Turmbau an. „Das wird ein Millionengrab“, warnt Franz Steinfest, der jahrelang für eine Immobilien-Tochtergesellschaft einer großen Bank in Frankfurt am Main als Baucontroller tätig war und unter anderem in Potsdam den Bau der Wilhelmgalerie am Platz der Einheit betreute. Heute lebt er in der Berliner Vorstadt.

Die von der Stiftung schon vor Jahren veranschlagten 40,3 Millionen Euro für den Turm seien längst überholt, so Steinfest: „Ausgehend von einer jährlichen Preissteigerung von fünf Prozent bei diesem sehr speziellen Bauwerk mit viel Handarbeit liegt die Summe meines Erachtens mittlerweile bis zur Fertigstellung im Jahr 2019 bei 50 Millionen Euro.“

Wie berichtet, sind für den Bau auf Seiten des Bundes bis zu zwölf Millionen Euro vorgesehen, sofern die Gesamtfinanzierung gesichert ist. Die Stiftung möchte die Kosten auf 26,1 Millionen senken, indem sie vorerst auf Glockenturm und Fassadenschmuck verzichtet. Ob diese Variante die Bedingungen für eine Bundesförderung erfüllt, wird im Haus der Kulturstaatsministerin geprüft. Wann das Ergebnis vorliegt, sei nicht absehbar, hieß es auf Anfrage.

Von Ildiko Röd

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