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Garnisonkirche zwischen Spaltung und Versöhnung

TV-Doku über Wiederaufbauprojekt Garnisonkirche zwischen Spaltung und Versöhnung

Je näher der geplante Baustart für den Garnisonkirchturm im Oktober kommt, desto stärker wird die bundesweite Aufmerksamkeit: Ein Film auf 3sat beleuchtet die verschiedenen Seiten im Konflikt um das Wiederaufbauprojekt – Sendetermin ist heute um 19.30 Uhr. Einschalten lohnt sich allein wegen der spannenden Vogelperspektiven auf die Innenstadt.

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Werbeplakat für den Wiederaufbau der Garnisonkirche.

Quelle: dpa

Innenstadt. Je näher der geplante Baustart für den Garnisonkirchturm im Oktober kommt, desto stärker wird die bundesweite Aufmerksamkeit für das Thema. Der Sender 3sat zeigt am Sonnabend um 19.30 Uhr die halbstündige Dokumentation „Der Turmbau zu Potsdam – Die Garnisonkirche zwischen Spaltung und Versöhnung“ von La-Na Grosse. Zu Wort kommen Befürworter des Vorhabens ebenso wie die Kritiker.

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Obwohl die meisten der Meinungen für Potsdamer nach jahrelanger Debatte wohlbekannt und deshalb nur noch mäßig spannend sind, lohnt es doch einzuschalten. Zum einen ist die „Vogelperspektive“ Außenstehender auf die hitzige Diskussion immer von Interesse. Zum anderen nimmt die Kamera auch ganz real oft die Vogelperspektive ein und verhilft so zu spannenden Ein- und Ausblicken. Faszinierend etwa, wenn Kulturmanagerin Anja Engel vom Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum aufs Dach des DDR-Baus in 18 Metern Höhe klettert und die Relationen zum künftigen Kirchturm zeigt, der 88 Meter hoch wird. „Wir blicken dann auf den Seitenflügel des Turms.“ Engels Plädoyer: Auch die Kreativwirtschaft braucht ihren Platz im öffentlichen Raum – am besten im Herzen der Stadt, nicht am Rand.

Ohne Signale der Stadt kann es nicht weitergehen

Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Garnisonkirchenstiftung, demonstriert wieder-um, wie nah sich Turm und Rechenzentrum einmal – räumlich – stehen werden: „Wand an Wand.“ Allerdings nur zeitlich begrenzt, wie er betont. „Es ist nur ein temporärer Zustand. Wir haben eine Baugenehmigung, da gibt es dieses Gebäude (das Rechenzentrum, d. Red.) nicht mehr.“ Unter Verweis auf den bis August 2018 laufenden Mietvertrag für die Künstler sagt Eschenburg: „Wir denken, dass wir in den nächsten Monaten Signale von der Stadt bekommen, wie es weitergeht – hiermit kann es so nicht weitergehen.“ Dabei deutet er auf das Rechenzentrum. Um die stadtarchitektonische Notwendigkeit des Turms zu unterstreichen, stellt sich Alt-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) dann sogar aufs Mercure-Dach: „Das ist eine eklatante Fehlstelle“, weist er in Richtung des ehemaligen Kirchenstandorts.

Ein Blick auf den kriegszerstörten Garnisonkirchturm

Ein Blick auf den kriegszerstörten Garnisonkirchturm.

Quelle: Archiv

Der Film gibt auch den widerstreitenden Deutungen des Wiederaufbauprojekts Raum. TV-Moderator Günther Jauch, der 1,5 Millionen Euro für die Aussichtsplattform des Turms gespendet hat, findet es „immer problematisch, wenn man Denkmäler für alle Zeiten beseitigen kann, indem man sie sprengt und einfach alles weghaut. Wenn Sie das hier als Brache lassen – wo nichts ist, da kann man auch nichts vermitteln und erklären“, sagt Jauch über den Turm, der 1968 auf Geheiß von Walter Ulbricht gesprengt wurde. Ganz anderer Meinung ist Hildegard Rugenstein von der Französisch-Reformierten Gemeinde: „Dieses Argument, wir müssen zeigen, was da 1968 mit der Sprengung passiert ist, finde ich im Zusammenhang mit Versöhnung sehr fragwürdig. Das klingt nach Rachearchitektur, nach Vergeltungsarchitektur“ sagt die Kritikerin. Für die Pastorin symbolisiert der Wiederaufbau der Kirche eine Solidarisierung mit den NS-Tätern. Hitler und Hindenburg reichten sich hier 1933 am sogenannten „Tag von Potsdam“ die Hände.

Initiative will Gentrifizierung der Stadtmitte verhindern

André Tomczak von der Initiative „Potsdamer Mitte neu denken“ und seine Mitstreiter wollen wiederum die Gentrifizierung der Stadtmitte verhindern. Sie wünschen sich, dass auch die jüngere Geschichte ihren Stellenwert in Potsdam behält.„Es geht hier doch vor allem um die Frage: Wem gehört die Stadt?“ sagt Tomczak am Rande einer Stadtführung, die er leitet. Ein junger Mann sekundiert: „Der Alte Markt kommt mir mittlerweile so steril vor.“ Natürlich begegnet man in dem Film auch den vertrauten Gesichtern der BI „Mitteschön“. Sprecherin Barbara Kuster freut sich auf die künftige kleinteilige Architektur am Alten Markt, denn: „Die Außenwände der Häuser sind die Innenwände unserer öffentlichen Räume.“

Von Ildiko Röd

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