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Garnisonkirchen-Gegner starten hoffnungsvoll

13.500 Unterzeichner werden benötigt Garnisonkirchen-Gegner starten hoffnungsvoll

Das Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau der 1968 abgerissenen Garnisonkirche in Potsdam ist gestartet. Innerhalb eines Jahres will die Bürgerinitiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" 13.500 Unterschriften sammeln. Bei der Auftaktveranstaltung am Donnerstag kamen die ersten Unterzeichner zusammen.

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„Für Frieden braucht man keine Soldatenkirche“, sagt Bettina Franke (links). Marcus Große meint das auch.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die Bürgerinitiative gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche kann mit dem Auftakt ihres Bürgerbegehrens zufrieden sein. Der Vortragssaal des Kutschstalls war am Donnerstagabend rappelvoll, alle Altersgruppen waren zu sichten und es kamen auch gleich gut 100 erste Unterschriften gegen das Projekt zusammen.

Gefragt waren Potsdamer ab 16 Jahre, ob die Stadt alle rechtlich möglichen Schritte unternehmen solle, um auf die Auflösung der Stiftung Garnisonskirche hinzuwirken. Eine Rekonstruktion der 1735 vollendeten Barockkirche soll unbedingt verhindert werden. Gebaut worden war sie für die Angehörigen des Hofstaats von Friedrich Wilhelm I. und der Garnison. 13 500 Stimmen gegen den Wiederaufbau will die Bürgerinitiative bis zum 1. Mai einsammeln.

Einer, der schon Donnerstagabend unterschrieben hat, ist der 67-jährige Horst Nörenberg. Er lebt schon seit 25 Jahren in Potsdam. „Die Garnisonkirche ist die Wiege des faschistischen Deutschlands“, sagt er. „Es gibt andere Dinge, für die wir das Geld brauchen.“ Er meint Kitas, Freizeitangebote für Jugendliche und Gesundheitseinrichtungen.

Der 33 Jahre alte „Freiland“-Mitarbeiter Achim Trautvetter kann sich nicht vorstellen, noch länger in Potsdam zu leben, sollte die Garnisonkirche tatsächlich gebaut werden. „Sie ist ein Symbol für den Faschismus und aller Verbrechen, die daraus gefolgt sind.“ Schon in ihren Ursprüngen habe sie den großpreußischen Militarismus repräsentiert.

In der Potsdamer Innenstadt haben die Garnisonkirchen-Gegner Unterschriften gesammelt.

Quelle: Hajo von Coelln

Die Argumente der Moderatoren an diesem Abend sind ähnlich, wenn auch nicht ganz so radikal. Der Berliner Journalist Anselm Weidner verhöhnt den früheren Bischof Wolfgang Huber, der die Gründung der Stiftung Garnisonkirche begleitete, weil von der Kirche ein „Zeichen für den Geist des Friedens“ ausgehe. „Ich habe Huber ja immer wenig geglaubt.“ Aber diese Äußerung 2011 im Nikolaisaal sei zu viel gewesen.
Katja Zschipke nimmt vor allem Anstoß am Finanzgebaren der Stiftung. „Die Finanzierung ist unsicher und vollkommen intransparent“, sagt sie. Statt Geld privater Spender flössen immer mehr Steuermittel. So etwa die vom Bund zugesagten zwölf Millionen Euro.

Der mit der Organisation des Bürgerbegehrens befasste Student Simon Wohlfahrt weiß als Nachwuchswissenschaftler, wie schwer Förderanträge durchzusetzen sind. Die Stiftung aber komme durch Klüngeleien an Geld. Die Bürgerinitiative verstehe sich als demokratische Gegenbewegung, die für eine zivilgesellschaftliche Stadtgestaltung kämpfe.

Schon von heute an, dem 81. Jahrestag des sogenannten Tages von Potsdam, will die Bürgerinitiative einen Stand mit den Unterschriftenlisten in der Brandenburger Straße, Ecke Lindenstraße aufstellen. Die Potsdamerinnen und Potsdamer sollen dort täglich zwischen 10 und 18 Uhr gegen die Garnisonkirche unterschreiben.

Von Rüdiger Braun

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Bei einer MAZ-Online-Umfrage haben schon rund 1800 Potsdamer abgestimmt, rund 80 Prozent von ihnen sind für die Auflöung der Stiftung, nur 20 Prozent wollen den Wiederaufbau der Garnisonkirche vorbehaltlos unterstützen. Abstimmen kann man weiterhin unter www.maz-online.de/stiftunggarnisonkirche

Die Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ fordert die Auflösung der Stiftung. Auf den Unterschriftenbögen werden die Potsdamer gefragt: "Sind Sie dafür, dass die Stadt Potsdam alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten nutzt, um auf die Auflösung der ’Stiftung Garnisonkirche Potsdam’ hinzuwirken?

Nachdem es juristische Probleme mit der ursprünglichen Fragestellung gab, ist das Ziel nun die Auflösung der Stiftung.

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Die Fragestellung der Garnisonkirchen-Gegner zum Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau ist laut Stadtverwaltung unzulässig, da der angestrebte Austritt der Stadt aus dem Kuratorium der Garnisonkirchen-Stiftung nicht möglich ist. Die Bürgerinitiative hat aber schon eine neue Frage parat.

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