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Potsdam Die Angst, den Kopf zu verlieren
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07:40 03.01.2018
Katrin Walter-Walsh ist die Leiterin der Neuropsychologie am Evangelischen Zentrum für Altersmedizin in der Weinbergstraße. Die Ärztin bittet jeden Donnerstag zur Gedächtnissprechstunde. Quelle: Bernd Gartenschläger
Jägervorstadt

Die Angst schleicht sich immer mit durch die Tür zu dem kleinen Zimmer mit dem großartigen Blick auf die Friedenskirche. Der erste Besucher, der sich hier zur Gedächtnissprechstunde angemeldet hatte, war gerade erst eingetreten, als er auch schon wieder türmte. „Panisch, kein Gespräch“ notierte Katrin Walter-Walsh nach diesem denkwürdigen Einstand. Beinahe zwei Jahre sind seitdem vergangen. Geflüchtet ist zwar niemand mehr, die Angst aber, sitzt hier jedes Mal mit am Tisch, wenn die promovierte Psychologin Menschen empfängt, die sich um ihr nachlassendes Gedächtnis sorgen – die Angst davor haben, dement zu werden.

Wenn das Gedächtnis nachlässt, sind die meisten verunsichert

Der eine findet die passenden Wörter nicht mehr so leicht wie früher, der andere verlegt nun öfter den Schlüssel, vergisst, wo im Parkhaus das Auto steht oder was das Thema beim letzten Kaffeekränzchen war, wiederholt sich öfter, verläuft sich mal kurz... „Die meisten Menschen sind verunsichert, wenn das Gedächtnis nachlässt“, sagt Katrin Walter-Walsh: „Meine Gäste wollen eine Antwort, sie wollen Gewissheit, was mit ihnen passiert.“

Katrin Walter-Walsh (40) leitet die Neuropsychologie am Evangelischen Zentrum für Altersmedizin in der Weinbergstraße. Dort bietet sie seit Februar 2016 jeden Donnerstag eine kostenlose Gedächtnissprechstunde an, in der sich Betroffene und Angehörige zum Thema Demenz informieren und ihre Fragen stellen können. Vor allem Frauen nutzen die Gelegenheit. „Sie kümmern sich einfach mehr um ihre Gesundheit als Männer“, so Katrin Walter-Walsh. Die meisten Männer, die sich bei ihr vorstellen, kommen daher in Begleitung der Gattin, der Tochter oder Schwiegertochter.

Die Häufigkeit von Demenz nimmt mit dem Lebensalter deutlich zu

In Deutschland sind laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft etwa 1,6 Millionen Menschen von einer Demenz betroffen – die meisten sind 85 Jahre und älter. „Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen nimmt mit dem Lebensalter deutlich zu“, sagt Katrin Walter-Walsh. In der Altersgruppe ab 70 ist demnach jeder Hundertste betroffen, ab 80 jeder Siebte, bei den über 90-Jährigen jeder Dritte. In Einzelfällen erkranken aber auch weitaus jüngere Menschen.

„Gedächtnisstörungen müssen nicht zwangsläufig auf eine Demenz hinweisen, sie können auch andere Ursachen haben“, sagt Katrin Walter-Walsh. So spielen Leber, Niere und Schilddrüse eine entscheidende Rolle, die Hormone, der Elektrolythaushalt und Medikamente. In ihrer Sprechstunde nimmt Katrin Walter-Walsh eine erste Spur auf. Sie lässt sich die Beschwerden ihrer Besucher schildern und bespricht mit ihnen, wie weiter zu verfahren ist – erhärtet sich der Demenz-Verdacht, bietet sie eine Abklärung in der Tagesklinik an. „Danach steht fest, ob jemand wirklich Demenz hat und die Behandlung kann, falls gewünscht, beginnen.“ Ein Vorteil sei, dass das Evangelische Zentrum für Altersmedizin mit der Klinik für Neurologie am St. Josefs-Krankenhaus, mit den ambulanten Neurologen im Nervenzentrum am Otto-Braun-Platz und mit diversen Psychiatern im „Demenznetz“ verbunden ist.

Einen Schutz gibt’s nicht, aber Faktoren, die das Risiko mindern können

„Die wenigsten lehnen eine Behandlung ab“, so Katrin Walter-Walsh. „Man kann Lebenszufriedenheit erfahren, auch wenn man eine leichte oder beginnende Demenz hat. Das heißt noch lange nicht, dass man den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen und die Wand angucken muss.“ Die Frage danach, ob und wie man einer Demenz vorbeugen kann, ist in der Gedächtnissprechstunde eine der häufigsten. Einen Schutz gibt es laut Katrin Walter-Walsh zwar – noch – nicht: „Aber es gibt durchaus einige Faktoren, die das Risiko verringern können.“ Sie empfiehlt eine Kombination aus geistiger und körperlicher Aktivität, etwa Rad zu fahren, spazieren zu gehen, sich mit Freunden zu treffen, mit den Enkeln zu spielen, ab und zu eine Ausstellung zu besuchen, einen Kurs an der Volkshochschule zu belegen – kurzum am Leben teilzunehmen. „Man kann mit seinem Lebensstil sehr viel erreichen“, sagt Katrin Walter-Walsh. Auch ein austarierter Schlaf – nicht zu viel und nicht zu wenig – gehöre dazu, zudem eine gesunde, am besten mediterran angehauchte Ernährung. Ein regelmäßiger Check-up beim Hausarzt empfehle sich ebenfalls. „Der Kopf steckt nun mal auf dem Körper drauf“, sagt Katrin Walter-Walsh. „Das, was in unserem Körper passiert, hat auch Auswirkungen auf unsere geistigen Fähigkeiten.“

Das Evangelische Zentrum für Altersmedizin

Das Evangelische Zentrum für Altersmedizin umfasst ein geriatrisches Fachkrankenhaus mit Tagesklinik, ein Seniorenzentrum, eine Kurzzeitpflege, die Beratungsstelle „Rund ums Alter“ sowie ein ausführliches Lehrangebot für alle in der Geriatrie tätigen Berufsgruppen.

Mit 120 Betten im Krankenhaus und in der Tagesklinik sowie 111 Plätzen im Bürgerstift am Heiligen See zählt das EZA zu den größten Kompetenzzentren für Altersmedizin im Land Brandenburg.

Krankenhaus, Tagesklinik und Beratungsstelle befinden sich zu Füßen des Winzerbergs, Weinbergstraße 18-19. Die Kurzzeitpflege ist in der Gutenbergstraße 100-102 zu finden, das Bürgerstift in der Ludwig-Richter-Straße 6-7.

Gegründet wurde das Bürgerstift 1877. Prinz Wilhelm (später Kaiser Wilhelm II.) eröffnete es 1882. Es überstand beide Weltkriege ohne größere Schäden. 1961 wurde es in Volkseigentum überführt, was 1979 u.a. durch das Engagement Manfred Stolpes rückgängig gemacht wurde.

Die kostenlose Gedächtnissprechstunde am EZA findet jeden Donnerstag von 16 bis 17 Uhr statt. Eine Anmeldung unter 0331/2777116 ist erbeten. nf

Von Nadine Fabian

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