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Potsdam Gefährliches Holzschutzmittel entdeckt
Lokales Potsdam Gefährliches Holzschutzmittel entdeckt
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00:39 24.07.2015
Auch bei der Sanierung des Helmholtz-Gymnasiums wurden DDT-Belastungen festgestellt. Quelle: Gartenschläger
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Bornim

Belastungen mit dem gefährlichen Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) hat der Kommunale Immobilien Service (Kis) im Dachbereich der Turnhalle Bornim festgestellt. Dies bestätigt auf Nachfrage Stadtsprecher Markus Klier. Die Belastungen im Holzschutzmittel hat der Kis bei Überprüfungen nach Übernahme des Gebäudes festgestellt.

„Es ist aus Vorsichtsgründen erforderlich, den Turnhallenbetrieb vorerst einzustellen“, sagt der stellvertretenden Werkleiter des Kis, Hansjörg Wapenhans. Zur Untersuchung einer möglichen Schadstoffbelastung will der Kis ein Gutachten in Auftrag geben. Er erwartet die Ergebnisse in drei Wochen. Erst danach kann über den weiteren Betrieb der Turnhalle abschließend entschieden werden, sagt Stadtsprecher Markus Klier. Bisher könnten keine Angaben zur Konzentration des Pflanzenschutzmittels DDT und zu möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gemacht werden.

Der Kis hat die Alte Schule Bornim nach einem entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 1. Juli 2015 von der Awo übernommen. Geplant ist die Errichtung eines neuen Schulstandortes für September 2015, bei dem auch Teile des bisherigen Gebäudes genutzt werden sollen. Die pünktliche Eröffnung des Schulbetriebes in der Modulschule sowie im alten Schulgebäude ist aus Sicht der Stadt Potsdam nicht in Gefahr.

Betroffen von der Schließung der Turnhalle sind Sportvereine in Bornim. Die SG Bornim mit allein 240 Mitgliedern nutzt die Halle vorwiegend von Oktober bis April. Karin Brandt vom Vorstand der SG sieht nach der Hiobsbotschaft von der Schließung gegenwärtig keinen Grund zur Panik. Für das regelmäßige Frauenturnen oder andere Kurse dürfte die Schließung der Turnhalle doch erhebliche Beeinträchtigungen bedeuten.

Eine „erhöhte Konzentration“ des Insektizids DDT war erst Ende Mai bei der Sanierung des Altbaus des Helmholtz-Gymnasiums in Potsdam festgestellt worden. Der Kis koordiniert die Erweiterung im Auftrag der Stadt Potsdam.

Die chemische Substanz DDT wurde früher unter anderem als Holzschutzmittel verwendet. Beim Menschen kann sie nervliche Wirkungen wie Zungentaubheit, Schwindel, Zuckungen der Gesichtsmuskulatur bis hin zu Krampfanfällen und Lähmungen auslösen.

DDT ist seit 1972 in der Bundes­republik gesetzlich verboten. Zu DDR-Zeiten wurden die Dachstühle vieler Gebäude massiv mit dem DDT-haltigen Holz­schutz­mittel „Hylotox 59“ behandelt. Ob Sanierungs­maßnahmen notwendig sind, hängt laut Stiftung Warentest einer­seits von der Höhe der Belastung und anderer­seits von der beabsichtigten Nutzung der Räumlich­keiten ab. Werden beispiels­weise Holz­schutz­mittel­rück­stände auf einem nicht ausgebauten, gut belüfteten Dachboden gefunden, durch dessen Fugen und Ritzen ständiger Luft­austausch gewähr­leistet ist, sind möglicherweise keine Sanierungs­maßnahmen erforderlich. Leider ist auch heute – Jahr­zehnte nach der ersten Anwendung – nicht völlig klar, wie die Mittel auf den menschlichen Körper wirken und welche Wechselbeziehungen mit anderen Substanzen dabei eine Rolle spielen können. Einfluss haben zum Beispiel Art und Dauer der Einwirkung sowie individuelle Gegebenheiten. Häufig treten erst Jahre später Symptome auf, die jedoch nicht sofort mit der Verwendung eines Holz­schutz­mittels in Verbindung gebracht werden.

Von Regine Greiner

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