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Potsdam Geheimnisse der Orchidee gelüftet
Lokales Potsdam Geheimnisse der Orchidee gelüftet
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00:28 18.03.2018
Ivonne Bartsch ist die leitende Gärtnerin in der Potsdamer Biosphäre. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Bornstedter Feld

Dass die Orchideen einst ihren Siegeszug in Europa antraten, hat – der Überlieferung nach – weniger mit ihrer Schönheit als mit ihren Qualitäten als Stoßdämpfer zu tun. Um den Transport von Kisten aus fernen Tropen-Ländern etwas sicherer zu machen, nutzte man nämlich die Orchideen-Knollen als Füllmaterial, um eventuelle Erschütterungen abzufedern.

Biosphäre-Gärtnerin Ivonne Bartsch gibt diese kleine, feine Anekdote gern zum Besten, wenn sie mit einer Besuchergruppe in paradiesischer Orchideenpracht lustwandelt: „Bevor es Styropor gab“, erzählt sie, „nahm man Orchideenknollen, um die Zwischenräume in Transportkisten ,auszupolstern’. Irgendwann merkte man dann, dass dieses Füllmaterial auch richtig tolle Blüten hervorbringt“.

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Vom 14. Februar bis 25. März 2018 verwandelt sich die Biosphäre Potsdam in ein leuchtendes Meer aus Blüten. Zu sehen sind mehr als 1000 Orchideenpflanzen in 200 Farbnuancen. Umsonst gibt es außerdem Tipps vom Blüten-Profi.

Noch bis 25. März prunkt das Dschungelparadies mit einem leuchtenden Meer aus Blüten. Bereits am Eingang wird man im Foyer von zwei riesigen Schmetterlingen begrüßt – der größere ist zwei mal 1,70 Meter groß, sie bestehen aus 500 Blüten der Vanda-Orchidee, die in kleinen Glasröhrchen stecken.

Lila und rosa leuchten die beiden Blickfänger in Schmetterlingsgestalt, die zum begehrten Hintergrund für Fotomotive avanciert sind.

1000 Orchideen, 30 Gattungen, 100 Sorten

Drinnen in der Halle herrscht atemberaubende Vielfalt: tausend Orchideen-Pflanzen – 30 Gattungen und hundert Sorten, die über die ganze Halle verteilt sind. Dadurch ergibt sich eine sehr spezielle Atmosphäre; der Reiz wird durch die frei fliegenden Vögel in der Halle zusätzlich erhöht. Von der Phalaenopsis gibt es sehr viele Hybride.

Zwischen 150 und 200 Farbnuancen kann man bestaunen. Ein weiterer Hingucker ist die blaue Vanda mit ihren zentimeterlangen Luftwurzeln. In der Natur wächst die Vanda meist auf Bäumen und zieht sich die Nährstoffe über die Wurzeln aus der Luft.

Tipp vom Profi: „Pflanzen brauchen eben auch eine Ruhephase“

Gut zu wissen: Orchideen ohne Blüte muss man nicht gleich aufs Blumengrab werfen. „Viele Orchideen stagnieren erst mal. Pflanzen brauchen eben auch eine Ruhephase. Ein gutes Rezept ist dann, sie erst mal kalt zu stellen – ideal wäre eine Temperatur zwischen 13 und 15 Grad“, rät die Gärtnerin.

Generell vertragen Orchideen die pralle Sonne überhaupt nicht. Ein schattiges Plätzchen ist ihnen viel lieber. Ein ideales Ausweichquartier ist der Keller — vorausgesetzt, er hat ein Fenster, denn im Düsteren sollten Orchideen nicht stehen. Aber an einem eher schattigen, kühlen Plätzchen fährt die Orchidee ihren Verbrauch zurück und kriegt dadurch wieder mehr Power.

Biosphäre ändert ihre Permamentausstellung

Vom 14. Februar bis 25. März 2018 verwandelt und verwandelte sich die Biosphäre in ein leuchtendes Meer aus Blüten.

In den Ferien bot die Biosphäre zusätzlich zum Dschungelerlebnis ein besonders vielseitiges Programm für die Ferienabenteuer an.

Noch in diesem Frühjahr soll die Neuinszenierung der Permanentausstellung für die Besucher eröffnet werden.

Mit Hilfe der interaktiven Ausstellungselemente erfahren die Besucher auf anschauliche Weise, warum die tropischen Regenwälder mit ihrer einzigartigen Tier-und Pflanzenwelt so bedeutungsvoll für den Menschen sind.

Besondere Veranstaltungenwie ein Wein- und Grillfest, ein tropischer Tanzabend am 21. Juli und weitere Opernabende im Dezember („Hänsel & Gretel“) im Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester „Collegium musicum“ oder Taschenlampenabenteuer im Winter sind wieder in Planung.

Das alles passiert, obgleich die Zukunft der Tropenhalle im Bornstedter Feld und ihre Nutzung noch umstritten sind.

Deshalb sind Orchideen heute so günstig

Früher waren Orchideen teuer gehandelte Kostbarkeiten – mittlerweile kann man sie sich aus dem Supermarktregal zum Schleuderpreis von 3,99 Euro holen.

Der Grund für den Preisverfall liegt in den neuen Züchtungsmethoden. Beim Züchter dauert es auch heute noch acht Jahre, bis eine Orchidee erstmals blüht. Aber im Labor hat man spezielle Nährböden in Petrischalen entwickelt – eine Art Turbomotor für die Entwicklung. Dadurch können viel größere Bestände aufgebaut werden.

„Auf diese Weise blüht die Pflanze erstmals nach zwei bis drei Jahren“, erläutert Ivonne Bartsch. Sie persönlich hat sich mittlerweile beruflich abgewöhnt, länger als in Jahresschritten zu denken – das bringt der Job in der Biosphäre mit sich.

Im November gab es in der Potsdamer Biosphäre bereits eine Ausstellung mit dem Titel Catteya-Die Königin der Orchideen". Quelle: Bernd Gartenschläger

Momentan ist nur klar, dass die Tropenhalle bis Jahresende geöffnet bleiben wird – was danach kommt, steht in den Sternen. Ivonne Bartsch will dennoch nicht jammern; sie wirkt wie eine tatkräftige Frau ohne Hang zu Drama oder Sentimentalitäten.

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Schließung der Biosphäre

Wenn aber die Sprache auf die im Raum stehenden Schließung kommt, sind ihr die Emotionen durchaus anzumerken. Immerhin: Seit 2003 ist sie mit an Bord; da ist die Verbundenheit groß. Was Ivonne Bartsch und ihre Kollegen – 45 Festangestellte arbeiten in der Tropenhalle – am meisten bewegt, ist die fehlende Planungssicherheit.

Wie lange die Biosphäre in Potsdam geöffnet sein wird, ist unklar. Quelle: Friedrich Bungert

„Es wäre schön, wenn man jetzt zum Beispiel schon Werbung für die nächste Orchideenausstellung 2019 machen könnte“, sagt sie etwas wehmütig. Aber wer weiß, was heute in zwölf Monaten sein wird? „Man kann immer nur bis morgen denken, nicht bis übermorgen.“

Trotz der Unwägbarkeiten legt man im Bornstedter Dschungel nicht die Hände in den Schoß. Derzeit werden sogar noch die angejahrten Informationshütten erneuert, die im Tropenlook unter Palmen stehen und mit Wissenswertem über entlegene Weltgegenden aufwarten.

„Orchidee“ kommt aus dem Griechischen und heißt Hoden

Unangefochtene Königin im Biosphären-Reich ist derzeit aber natürlich die Orchidee. Anekdoten rund um die Blütenschönheit gibt es zuhauf. So stammt der Name der Orchidee aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „Hoden“, was auf die hodenförmigen Wurzelknollen der Pflanze zurückzuführen ist.

Theophrastus von Lesbos, der vermutlich von 372 bis 289 vor Christus lebte, beschrieb in seinem Buch „Historia plantarum“ („Geschichte der Pflanzen“) die Orchidee als Pflanze mit eben zwei hodenförmigen Knollen und verhalf ihr so zu ihrem Namen „Orchis“.

Profis geben Tipps zur Pflege der Orchideen

Besonders bewegt die Besucher die Frage der Orchideen-Pflege: Meist geht’s darum, ob man eine verblühte Orchidee zurückschneiden soll. Die Antwort lautet: So lange der Stiel grün ist, besteht noch die Chance, dass sich oben neue Blüten bilden. Wenn der Stiel schon zurückgetrocknet ist, kann man bis zum Anschlag zurückschneiden. Sollte der Stiel unten noch ein bisschen grün sein, gilt die Faustregel: Abschneiden am dritten „Auge”, wie die kleinen Verdickungen am Stiel genannt werden.

Preisfrage bei der Orchideenpflege: Wie viel oder wenig sollte man die Orchideen gießen? Für Ivonne Bartsch ist ganz klar: „In diesem Fall gilt: weniger ist mehr!“ Wobei eine Orchidee ohnehin nicht gegossen, sondern getaucht werden sollte. Dafür muss man die Pflanze in einen Eimer stellen — so lange, bis es aufhört zu blubbern. Denn das bedeutet, dass die Pflanze komplett durchtränkt ist.

Von Ildiko Röd

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