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Geheimtreffen in der Kirche von St. Nikolai

Potsdam Geheimtreffen in der Kirche von St. Nikolai

Am Sonntag findet das 20. Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit statt – die Nikolaikirche war in der Wendezeit Ort eines Top-Gesprächs von Diplomaten. Über dies und viel mehr sprach die MAZ mit Festkonzert-Organisator Harald Geywitz.

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Harald Geywitz hat das Festkonzert organisiert.

Quelle: Köster

Innenstadt. Harald Geywitz ist der Vorsitzende des Vereins „Musik an St. Nikolai“. Auch in diesem Jahr hat er das Festkonzert organisiert, bei dem Werke von Haydn und Händel auf dem Programm stehen.

Das Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit feiert am Sonntag ein Jubiläum: Es findet zum 20. Mal statt. Wie entstand die Idee dazu?

Harald Geywitz : Der Initiator war Nikolaikantor Björn O. Wiede. Er hatte die Idee, mit einem richtig schönen Konzert und einer bewegenden Rede eines besonderen Festredners den Tag der Einheit zu feiern. Wir müssen uns in die Zeit zurückversetzen: Da gab es noch große Gegensätze zwischen Ost und West, zwischen „Ossis“ und „Wessis“. Potsdam wurde im „Spiegel“ als Jammer-Hauptstadt des Ostens beschrieben. Dagegen sollte ein Signal gesetzt werden: Wir wollen diese Einheit feiern!

Neulich hat mir eine ursprünglich aus Westdeutschland stammende Dame erzählt, dass sie kürzlich in einem Potsdamer Supermarkt als „Wessi“ beschimpft worden sei. Gibt es also mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Einheit immer noch diese Gräben in der Stadt?

Geywitz : Gräben sehe ich nicht. Ich glaube aber, dass es Prägungen gibt, die mit der Familiengeschichte zu tun haben. Manchmal werden aus diesen Prägungen dann Vorurteile. Aber ich sehe nicht, dass das die Stadtgesellschaft entzweit. Ich sehe eine andere Scheidelinie. In den 90er Jahren wurde viel über Innenstadtentwicklung geredet. Heute werden die Debatten genauso vehement geführt wie damals.

Worauf führen Sie das zurück?

Geywitz : Es gab einen großen Bevölkerungszuwachs seit den 90ern. Diese Neu-Potsdamer wollen auch mitreden, und das ist ihr gutes Recht. Deshalb müssen wir immer wieder neue Räume gründen, um das zu diskutieren. Unser Festkonzert kann so ein Raum sein; allerdings nicht während der Musik, sondern sehr gerne danach.

Festredner wird diesmal Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sein. Über was wird er sprechen?

Geywitz : Im weitesten Sinne natürlich über die Einheit. Wie er das Thema individuell ausgestaltet, weiß ich nicht.

Welche Festredner haben Sie besonders beeindruckt?

Geywitz : Zum einen der mittlerweile leider verstorbene polnische Intellektuelle Wladislaw Bartoszewski, der Überlebender des KZ Auschwitz war und später Außenminister Polens. Beeindruckt hat mich auch die Rede von Christian Führer, der zur Wendezeit Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche. war.

Inwieweit spielte die Potsdamer Nikolaikirche damals eine Rolle?

Geywitz : Zum Adventssingen der Potsdamer Chöre im Dezember 1989 war Bundespräsident Richard von Weizsäcker eingeladen. Er kam mit DDR-Ministerpräsident Hans Modrow. Danach gab es in der Unterkirche ein Treffen mit einem hochrangigen Vertreter des US-Außenministeriums. Dieses Gespräch, an dem auch der spätere Ministerpräsident Manfred Stolpe beteiligt war, diente zur Vorbereitung der „2 plus 4“-Gespräche im Vorfeld der Wiedervereinigung.

Am Sonntag werden sich die Gäste ein bisschen wie auf einer Baustelle fühlen, weil unter der Empore derzeit ein Gerüst steht. Wozu dient es?

Geywitz : Es handelt sich um vorbereitende Arbeiten zum Aufbau der Nikolaiorgel. Momentan wird die Empore ertüchtigt, damit wir das Instrument 2017 aufbauen können.

Das Festkonzert beginnt am Sonntag um 19 Uhr. Auf dem Programm steht u. a. Haydns „Nelson-Messe“.

Von Ildiko Röd

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