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Potsdam Geisterstunde in Sanssouci
Lokales Potsdam Geisterstunde in Sanssouci
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16:04 14.03.2018
Pferdewagen mit dem Sarkophag Friedrichs II. am 17. August 1991 an der Auffahrt zum Schloss Sanssouci. Quelle: Michael Hübner
Potsdam-Sanssouci


Zehntausende kamen am 17. August 1991 zur Heimkehr der Sarkophage Friedrichs II. und seines Vaters Friedrich Wilhelms I. in den Schlosspark Sanssouci. In der Erzählung „Gäste in Sanssouci“ von Sigrid Grabner wird das Spektakel, das über Wochen die Zeitungen füllte, zur Geisterstunde. Mehr als 200 Jahre nach deren Ableben lässt sie den Preußen Friedrich II. (1712-1786) und die Habsburgerin Maria Theresia (1717-1780) aufeinander treffen, die sich zu Lebzeiten nie begegnet sind.

„Sie machte Frieden – Maria Theresia und andere Erzählungen“ ist der Titel des eben erschienenen Buches, das Friedrichs erbitterter Gegenspielerin gewidmet ist und einen Nachruf des Dichters Matthias Claudius zitiert: „Sie machte Frieden! Das ist mein Gedicht, War ihres Volkes Lust und ihres Volkes Segen Und ging getrost und voller Zuversicht Dem Tod als ihrem Freund entgegen. Ein Welteroberer kann das nicht.“

Die Potsdamer Schriftstellerin Sigrid Grabner. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nicht Friedrich, sondern Maria Theresia interessierte die Potsdamer Autorin. Ursprünglich wollte sie eine Biografie schreiben, ähnlich wie über Papst Gregor den Großen in „Im Auge des Sturms“, wie in „Christine: Rebellin auf Schwedens Thron“ oder in „Mahatma Gandhi – Politiker, Pilger und Prophet“. Doch dazu „ist es nie gekommen“. Geblieben ist von dem Projekt gleichsam als Vorstudie ein Essay, der den Erzählband mit der Feststellung eröffnet: „Sie hätten ein schönes Paar abgeben und ein Reich des Friedens in Mitteleuropa begründen können: die 1717 geborene Maria Theresia und der fünf Jahre ältere Kronprinz Friedrich.“

„Mich hat diese Gegnerschaft zwischen Maria Theresia und dem ,Alten Fritz’ beschäftigt“, sagt die 76-Jährige, „ihre Grundauffassungen von Macht, ihre konträren Biografien, diese ständige Gegnerschaft zwischen Habsburgern und Preußen. Und das personifiziert in dieser Frau, die doch so respektabel war, und dem Mann, die im Schlesischen Krieg aufeinandertrafen, die sich gehasst haben. Das hat mich fasziniert.“

Aufgebahrter Sarkophag im Ehrenhof von Sanssouci. Quelle: Michael Hübner

Die Eingebung zur Erzählung von der Geisterstunde hatte Grabner erst lange nach der Beisetzung: „Am 17. August 1991 war ich unter den Leuten, die im Ehrenhof am Sarg vorbei flaniert sind. Ich wollte es mir ansehen, es war ein schöner Tag. Und dann gehe ich zurück zum Voltaireweg, und da kommt mir ein Herr entgegen im schwarzen Anzug, in der rechten Hand eine langstielige weiße Rose, sieht mich an und ich denke: Mensch, das ist der ,Alte Fritz’! Diese scharfen Gesichtszüge, diese fast stechend blauen Augen, die große Nase.“

Jahre später las sie das Tagebuch von Henri de Catt (1725-1795), dem Privatsekretär und Vorleser des Preußenkönigs. „Und da ist mir diese Begegnung wieder eingefallen.“ Henri de Catt ist der Protagonist der Erzählung, der, auch er ein Untoter, mitten hineingerät in die Feierlichkeiten, vorbei an dem Mann mit der weißen Rose, bis er schließlich in der Bibliothek des Weinbergschlösschens auf den König trifft, der ihn mit den Worten empfängt: „Was sagen sie zu dem Theater dort draußen, mein Freund?“

„Gäste in Sanssouci“ sei ihre erste Geistererzählung, sagt die Autorin, einfach„weil es sich nicht anders fassen ließ“. Die illustre Gesellschaft auf der Terrasse sei „rein fiktional“. Doch die historische Basis sei gründlich recherchiert und die Dialoge der Monarchen zumeist authentisch: „Wenn etwas ungewohnt klingt, sind es Originalzitate. Auch die ,Hure’, die ,Schlampe’ und der ,böse Mann von Berlin’.“

Die lange Reise der Königssärge

Die Särge Friedrichs II. und seines Vaters Friedrich Wilhelm standen bis 1943 in der Garnisonkirche und ab 1953 in der Burg Hohenzollern in Hechingen (Baden-Württemberg).

Am 17. August 1991 wurden die Sarkophage mit der Bahn zum Potsdamer Kaiserbahnhof überführt und von dort mit Pferdewagen in den Schlosspark Sanssouci gebracht.

Friedrich II. wurde seinem Testament gemäß um Mitternacht „mit kleinstem Gefolge“ – mit Prinz Louis Ferdinand von Preußen und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) als Zeugen – in der Gruft vor Sanssouci bestattet.

Der Sarg Friedrich Wilhelms steht im Kaiser-Friedrich-Mausoleum, das 1888/90 an der Nordseite der Friedenskirche für Friedrich III. (1831-1888) errichtet wurde.

Sigrid Grabners „Sie machte FriedenMaria Theresia und andere Erzählungen“ erschien im Fe-Medienverlag Kißlegg und kostet 9,95 Euro. ISBN: 978-86357-201-3.

Von Volker Oelschläger

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