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Potsdam Gelassen, angstfrei: die Stimmung am Tag danach
Lokales Potsdam Gelassen, angstfrei: die Stimmung am Tag danach
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21:00 02.12.2017
Auch am Sonnabend haben zahlreiche Besucher mit Glühwein angestoßen. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Nach dem Schrecken durch den Bombenalarm am Freitag und großen Absperrungen beim Weihnachtsmarkt „Blauer Lichterglanz“ auf der Brandenburger Straße haben die Weihnachtsmärkte in Potsdam an diesem Samstag wieder normal geöffnet. Der Betrieb sei planmäßig gestartet, teilte die Stadt mit. Allerdings hätten Polizei und Ordnungsamt ihre Präsenz auf den insgesamt drei Weihnachtsmärkten der Stadt erhöht.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat sich am Mittag an der Brandenburger Straße – der Haupteinkaufsstraße in der Innenstadt – einen Eindruck vor Ort gemacht.

Einen Tag nach dem Bombenalarm am Freitag hat Potsdams Oberbürgermeister den Weihnachtsmarkt besucht. Dabei traf er auch mit den Mitarbeitern der Apotheke zusammen, in der das Paket gefunden wurde.

Die Stadt dankte den Anwohnern, die am Freitagabend sehr besonnen und geduldig auf die stundenlangen Absperrungen reagiert hätten. Jakobs lobte das besonnene Verhalten aller – insbesondere auch der Mitarbeiter der „Königin-Luise-Apotheke“. Kurzfristig habe das Team überlegt, ob man unter dem Eindruck der Ereignisse die Apotheke am Sonnabend überhaupt aufsperren sollen, berichtete Jakobs den Journalisten nach einem kurzen Gespräch mit dem Apotheker, bei dem die Presse draußen bleiben musste.

Journalisten vor der Apotheke. Quelle: Ildiko Röd

Allerdings hätten es sich die Mitarbeiter dann anders überlegt: Gerade jetzt sei es wichtig, Normalität an den Tag zu legen. „Das ist eine klasse Haltung“, lobte Jakobs. Zudem habe der Inhaber den Mitarbeitern psychologische Hilfe angeboten, berichtete der Oberbürgermeister.

In der Apotheke selbst waren Journalistenfragen ausdrücklich unerwünscht und wurden kurzangebunden abgewimmelt. Dies machte man sogar mit mehreren angeklebten Zetteln am Eingang deutlich.

Gleich mit mehreren Zetteln wurden Journalisten darauf hingewiesen, dass Fragen unerwünscht sind . Quelle: Ildiko Röd

Weihnachtsmarkt-Veranstalter Peter Klemm rief zur Besonnenheit auf. Zwar sei man geschockt von den Ereignissen am Freitag, aber müsse nun zur Normalität zurückkehren, sagte Klemm am Samstagmittag gegenüber der MAZ. Den ersten Eindrücken zufolge seien keine Besucherrückgänge zu beobachten, so Klemm.

Buchhändler Carsten Wist hat seine Buchhandlung direkt gegenüber der Apotheke, an der am Freitagabend das verdächtige Päckchen aufgetaucht ist. Sein Geschäft lag im Sperrkreis. Gegenüber der MAZ erzählte er, dass er gerade noch seine Theaterkarten für die Mammut-Inszenierung von Hugos „Les Misérables“ von Frank Castorf in der Berliner Volksbühne holen durfte, dann aber den Sperrkreis verlassen musste. Er habe auch das Paket gesehen, „aus dem etwas Helles herausragte“, so Wist. „Angst habe ich keine, sonst könnte ich gar nicht mehr aufstehen“, so der Buchhändler am Samstag. Quelle: Ildiko Röd
Antje Wist, die Frau von Buchhändler Carsten Wist, war gerade im Laden, als die Polizei das Gebiet an der Ecke Dortustraße/ Brandenburgerstraße räumte. Auch sie musste den Laden verlassen. Sie sei einfach losgegangen – ohne Geld, Schlüssel und Hund, der noch in der Wohnung oberhalb des Ladens war. Sie dachte, in einer halben Stunde könne man zurück. Als sich dies als Irrtum herausstellte, erklärte sie einem Polizisten ihre Situation. Sie durfte kurz zurück, um sich eine Jacke, Geld, Schlüssel und den Hund zu holen. Zurück in die Wohnung konnte sie erst gegen 23.30 Uhr. Quelle: Ildiko Röd
Trotz des Bombenalarms am Freitag ließen sich Annett Gernat (links) und Eva-Maria Hauke nicht davon abhalten, am Samstagvormittag auf die Brandenburger Straße zum Weihnachtsmarkt zu kommen. Ihr Motto: „Gerade jetzt muss man gehen, wir lassen uns nicht abschrecken“.  Quelle: Ildiko Röd
Oliver Dzaack, ist der Inhaber des Obst- und Gemüsestands an der Dortustraße, Ecke Brandenburger Straße. Eine ziemlich schlaflose Nacht liegt hinter ihm. Gegenüber der MAZ sagt er, dass er sich während der Absperrung „ein klares Update über die Situation“ durch die Polizei gewünscht hätte. Er saß sechs Stunden im Café Collage. Auch seine sechs Mitarbeiter mussten bis 21 Uhr warten. Quelle: Ildiko Röd

Kurz nach der Eröffnung am Samstagvormittag war der Weihnachtsmarkt schon wieder gut gefüllt. Gegenüber der MAZ berichteten viele Besucher, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollten. Bedroht fühlte sich kaum einer.

„Ich mache mir keine Sorgen. Es war klar, dass wir heute auf den Weihnachtsmarkt gehen und eine Runde drehen werden“, sagte Christian Gries (30) aus Fahrland. Der Außendienstmitarbeiter war mit seiner Frau und seinem kleinen Kind schon kurz nach der Eröffnung des Marktes unterwegs. Quelle: Ildiko Röd

Auch die Geschäftsleute blieben gelassen. Manfred Gerdes, Vorsitzender der AG Innenstadt, bedankte sich am Sonnabend brieflich bei den Händlern für ihr besonnenes Handeln.

Die Menschen strömten trotz des gestrigen Schreckens auf die Brandenburger Straße. Quelle: Ildiko Röd

Dass der Weihnachtsmarkt ganz normal weiterläuft, sei „genau das richtige Zeichen an diejenigen, die versuchen, unsere Lebensfreude und unsere Lebensform anzugreifen“, sagte Gerdes zur MAZ.

Franziska Gerdes führt den Luisa-Cerano-Store in der Jägerstraße. Auch sie war überrascht, wie viele Menschen bereits am Samstagmittag auf den Markt strömten. „Es ist gut, dass die Leute sich nicht einschüchtern lassen“, sagte Gerdes. Quelle: Röd

Die Polizeipräsenz war unübersehbar. Dies wird auch so bleiben, „so lange es die Sicherheitslage erfordert“, erklärte Jakobs während des Rundgangs über die Brandenburger Straße.

Bis zu 30 zusätzliche Polizisten sind auf der Brandenburgerstraße von nun an im Einsatz. Quelle: Friedrich Bungert

Hintergrund

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Von MAZonline

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