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Potsdam Gemischtes Doppel in Geschlecht und Werk
Lokales Potsdam Gemischtes Doppel in Geschlecht und Werk
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00:20 27.06.2018
Ruhnke-Ausstellung Bildern und Skulpturen von Pomona Zipser und Joachim Böttcher Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Als gemischtes Doppel bezeichnet man im Sport ein Zweierteam aus Mann und Frau. Die beiden Künstler Pomona Zipser und Joachim Böttcher, die am Samstagabend ihre Ausstellung in der gutbesuchten Galerie Ruhnke in der Charlottenstraße eröffneten, könnte man aber noch in anderer Hinsicht als gemischtes Doppel bezeichnen, denn beide arbeiten sowohl plastisch als auch flächig. Insofern traf der Begriff „umfassende Allansichtigkeit“ der Eröffnungsrednerin Birgit Möckel auch in einem erweiterten Sinne auf diese beiden so unterschiedlichen Künstler zu.

Spannende Kontraste zu betrachten

Zu sehen gibt es in dieser spannend arrangierten Ausstellung nicht nur jede Menge berührender Einzelkunstwerke aus den Bereichen Skulptur, Malerei und Zeichnung, sondern an den räumlichen Schnittstellen dieser Ausstellung hochinteressante Kontrastkonstellationen der Werke von Pomona Zipser und Joachim Böttcher. Im Bildhauerischen ist dieser Kontrast am stärksten.

Die 1958 in Rumänien geborene Zipser studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und Bildhauerei an der HdK in Berlin, wo sie auch Meisterschülerin von Lothar Fischer war. Ihre fragilen Arbeiten eröffnen den Rundgang im Erdgeschoss. Eine „Rote Schaukel“ genannte große Skulptur sekundiert von zwei kleineren Objekten und einer Tuschezeichnung auf einem grobfaserigen frei hängenden großen Papierbogen geben diesem ersten Raum eine fast sakrale Anmutung.

Altes Holz als Ausgangsmaterial

Zipsers Arbeiten betören durch eine spröde Grazilität und ihre Vorsicht heischende hölzerne Zerbrechlichkeit. Alte Balken, Latten und Bauhölzer dienen ihr oft als Ausgangsmaterial. Diese bindet sie mit Stricken und Draht oder klammert sie mit Metall. Anschließend verschwistert sie diese Materialien mit Farblasuren zu einem gemeinsamen Kolorit. In der Potsdamer Ausstellung ist das häufig ein rostig-rötlicher Ton, es gibt aber auch kalkweiße und fast schwarze Objekte. Allen gemein aber ist ihre rätselbeladene Gesprächigkeit, die an den Klang uralter Mythen und Sagen erinnert.

Schwere Bronzen als Gegenstück

Das Pendant zu dieser grazilen Feinstrukturierung sind die massigen blockhaften Bronzeskulpturen und erdschweren Malereien des 1946 im thüringischen Oberdorla geborenen Böttcher. Auch er bedient sich einer archaisch wirkenden Formensprache, die allerdings alles andere als fragil ist. Den großen Raum im Anschluss an Zipsers zarte Stabobjekte dominiert eine „Der Schritt“ genannte Bronzeskulptur Böttchers, der man ihr Gewicht ansieht. Zusammengestauchte Teile eines menschlichen Torsos drücken auf einen schneeweißen Sockel und konterkarieren mit ihrer offensichtlichen Mühsal den so heroisch klingenden Titel.

Keine Deutung nötig bei der Malerei

Noch verklausulierter kommen Böttchers gemalte Bildthemen daher. „Atzboden“ heißt eine in erdigem Grün und stumpfen Weiß flächig am Betrachter vorbei strömende Riesenleinwand. Erst auf dem zweiten Blick erfasst das Auge zwei menschliche Konturen die wie in eine Felswand geritzt wirken. Das Bild aber braucht auch gar keine Deutungsebene, denn es ist, was es ist und das ist Malerei in ihrer ursprünglichsten Form. Solche Ursprünglichkeit kombiniert mit einer inzwischen selten gewordenen, erfrischend uneitlen Kreativität aber sind das Markenzeichen dieser gemischten Doppelausstellung, die noch bis zum 22. Juli dieses Jahres in ihrer ganzen Vielgestaltigkeit zu entdecken ist.

Von Lothar Krone

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