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Potsdam Gerit Kling macht’s möglich: Geldsegen für Sansibar
Lokales Potsdam Gerit Kling macht’s möglich: Geldsegen für Sansibar
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21:07 07.11.2017
Gerit Kling mit Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und der Stadtverordnetenvorsitzenden Birgit Müller (Linke). Mika aus der Bruno-H.-Bürgel-Schule hatte sich extra schick gemacht für seinen Vortrag über die Partnerschule, die Mwanakwerekwe `H Primary School. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam/Sansibar-Town

Blau ist die Farbe der Hoffnung, Blau ist auch eine der Farben der Nationalflagge von Tansania – insofern war der Ort für den Termin am Dienstagnachmittag im Rathaus perfekt gewählt: Der altehrwürdige Blaue Salon bot einen eleganten Rahmen, als die Potsdamer Schauspielerin und Regisseurin Gerit Kling einen Spendenscheck mit 20 000 Euro an Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller (Linke) überreichte.

Das Geld stammt aus Mitteln der Wohltätigkeitsveranstaltung „GRK Golf Charity Masters“ in Leipzig, an der die Schauspielerin im August teilgenommen hatte. Die Spende wird mehreren Projekten in Potsdams neuer tansanischer Partnerstadt Sansibar-Town zugute kommen – unter anderem der Mwanakwerekwe `H Primary School, der Partnerschule der Babelsberger Bruno-H.-Bürgel-Schule, und der Mwembeladu Secondary School.

Drangvolle Enge herrscht in den Räumen der Mwanakwerekwe `H Primary School. Quelle: Ildiko Röd

Doch das soll nur der Anfang sein, wie Kling betonte: Auch künftig will sie sich um Hilfe für die Insel bemühen, die sie auf ihrer Hochzeitsreise im November 2016 zusammen mit ihrem Mann Wolfram Becker kennengelernt hat. „Wir sind überwältigt von dem Engagement, das Gerit Kling der Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Sansibar entgegenbringt“, sagte Jakobs: „Wir freuen uns sehr darüber, dass die Partnerschaft nun eine neue Botschafterin gewonnen hat. Es ist fantastisch zu sehen, wie viel Herzblut in die Pflege der Beziehungen zwischen den beiden Städten gesteckt wird.“

Mika aus der Klasse 5B hielt einen tollen Vortrag über die Partnerschule auf Sansibar. Hier zeigt er einen Brief, den ein Kind aus Sansibar geschickt hat. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nicht nur Herzblut, sondern auch Herzklopfen – vor Nervosität – gab es bei der Scheckübergabe: Und zwar bei Mika (10), der die Klasse 5B der Bruno-H.-Bürgel-Schule besucht und im Umweltteam von Lehrerin Michaela Jüngling mitmacht. Er hatte einen Vortrag über die Partnerschule auf Sansibar vorbereitet. Dafür ließ er ausnahmsweise sogar das Fußballtraining sausen. Anschaulich schilderte er die drangvolle Enge in der Mwanakwerekwe `H Primary School – „60 Schüler sind in einer Klasse.“ – und die besonderen Herausforderungen in den Spezialklassen mit Kindern, die eine Hör- oder Sprechbehinderung haben. Sie alle lernen unter schwierigsten Bedingungen, oft ohne die notwendigsten Materialien.

Ziemlich dunkel und desolat – so sieht es in Sansibars Schulen aus. Quelle: Ildiko Röd

Tatsache ist: Keine der anderen Potsdamer Städtepartnerschaften ist so auf helfende Hände angewiesen wie die mit der sansibarischen Inselhauptstadt. „Besonders ist mir die Umweltverschmutzung aufgefallen“, erzählte Gerit Kling über die Erlebnisse auf ihrer Reise im vergangenen Jahr. In den Häusern gibt es kaum Toilettenspülungen, gekocht wird im einfachsten Ambiente und Hygiene ist vielfach ein Fremdwort. Oft wird der Müll einfach kurzerhand in die Seen geworfen. „Da waschen die Frauen dann ihre Wäsche in diesem völlig versifften Wasser und die Kinder gehen baden.“ Vor allem soll es darum gehen, durch Bildung einen Denkanstoß zu geben – ein anderes Problembewusstsein zu schaffen.

Im Schulhof wird mit Wandmalereien Werbung fürs Händewaschen gemacht. Quelle: Ildiko Röd

Schon früher hat sich die Schauspielerin sozial engagiert, unter anderem für krebskranke Kinder in einem Berliner Krankenhaus. Mit dem Engagement an ihrem Wohnort Potsdam tritt die Schauspielerin, die demnächst mit dem Erfolgstheaterstück „Frau Müller muss weg“ auf Tournee geht, auch in die Fußstapfen ihres Vaters Ulrich Kling. Der ehemalige Leiter Studio- und Atelierbetrieb im Studio Babelsberg macht viel ehrenamtlich, unter anderem hatte er zehn Jahre lang den Vorsitz der Freunde und Förderer des Filmmuseums Potsdam inne. Ulrich Kling begleitete seine Tochter am Dienstag. Stolz verfolgte er die Scheckübergabe, zu der auch viele Akteure der neuen Städtepartnerschaft gekommen waren.

Gerit Kling kam mit ihrem Vater Ulrich Kling, dem ehemaligen Leiter Studio- und Atelierbetrieb im Studio Babelsberg. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wie viel man mit der 20 000-Euro-Spende im bitterarmen Sansibar erreichen kann, machte Kilian Kindelberger von der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft (BBAG) deutlich: Nicht nur die Schulen sollen profitieren, etwa mit neuen Wassertanks, auch die sansibarische Frauenfußballmannschaft – die Soccer Queens – könnten möglicherweise ihr heiß ersehntes Umkleidegebäude neben dem Sportplatz bekommen. Manchmal sind die Wünsche auch andere, als man eigentlich glaubt, erläuterte Jakobs: Nicht unbedingt Tische und Bänke werden in den Schulen gebraucht – dafür aber Teppiche: „Damit die Kinder nicht auf dem nackten Beton sitzen müssen.“ Für Gerit Kling ist klar: Sie wird wieder nach Sansibar reisen, sobald es ihr Berufsstress zulässt, und auch die Schulen besuchen – noch ein Zeichen, wie ernst sie ihre Rolle als Botschafterin nimmt.

Freundeskreis engagiert sich für Partnerschaft

Die Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Sansibar wurde in diesem Jahr offiziell besiegelt. Im Juli reisten Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und die Stadtverordnetenvorsitzende Birgit Müller (Linke) mit einer Delegation in die tansanische Stadt, um dort den Städtepartnerschaftsvertrag zu unterzeichnen. Schwerpunkte sind neben der Schulpartnerschaft unter anderem die Themen Klima, Unesco-Welterbe, Berufsbildung und Film.

Für die Ausgestaltung der Beziehungen zwischen den beiden Städten engagiert sich der Freundeskreis Potsdam-Sansibar. Weitere Informationen gibt es unter www.potsdam.de/sansibar oder www.sansibar-potsdam.de.

Eine Ausstellung über Potsdams jüngste Partnerstadt Sansibar-Town ist noch bis 17. November im Rathaus im Flur zwischen Bürgerservice und Standesamt zu sehen. Unter anderem geht es um die Klimapartnerschaft zwischen den Städten und die neue Partnerschaften zwischen der Bürgervertretung Drewitz und dem Komitee des Kikwajuni-Viertels in Sansibar, das nach Vorbild der DDR-Plattenbauten errichtet wurde.

Von Ildiko Röd

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