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Geschafft: sieben Tage Tee statt Teewurst

Ostern geht die Fastenzeit zu Ende. Einige haben den inneren Schweinehund besiegt und sogar ein bisschen abgespeckt Geschafft: sieben Tage Tee statt Teewurst

Tee, Saft, Gemüsebrühe, Wasser. Wasser, Gemüsebrühe, Saft, Tee. Wie öde!!! Das fällt auf im Kreise der lieben Kollegen oder in Gesellschaft. „Da steht man sofort unter besonderer Beobachtung“, sagt Hannelore lachend.

Und dass, obgleich sie schon vier Tage keine feste Nahrung zu sich nimmt und Brot, Wurst, Käse, Fleisch, Fisch, Nudeln, Schokolade und Alkohol aller Art links liegen lässt. Insgesamt eine Woche übt die 61-Jährige Enthaltsamkeit. Sieben mal so lange dauert die Fastenzeit, die Aschermittwoch begann, in der christlichen Tradition an Jesus’ 40 Tage in der Wüste erinnert und Ostern zu Ende geht.

Sieben Tage Tee statt Teewurst. Und dieses Einerlei soll die Stimmung heben und neue Kräfte freisetzen? „Auf jeden Fall, ich fühle mich viel besser“, sagt Hannelore. Seit gut zehn Jahren fastet sie regelmäßig – freiwillig und prophylaktisch. Sie ist wie alle Teilnehmerinnen der von Heilpraktikerin Gyburg Kost-ka angeleiteten Gruppe guter Dinge, fühlt sich wohl in ihrer Haut. Trotzdem wollen sie unter sich bleiben, ihren Namen nicht in der Zeitung lesen.

Gestern zur Halbzeit treffen sich die Frauen im Friedrich-Rheinsch-Haus des Vereins Soziale Stadt am Schlaatz, um die Arte-Dokumentation „Fasten und Heilen“ anzuschauen. Diesen Zusammenhang erforschen seit Jahrzehnten Wissenschaftler in Deutschland, Russland und den USA. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Fasten als alternative Heilmethode die Schulmedizin unterstützen und selbst in der Krebstherapie eingesetzt werden kann. Glücklicherweise ist keine der Frauen von einer lebensbedrohlichen Krankheit betroffen, doch wie sagte schon der englische Philosoph Francis Bacon: Wissen ist Macht. Und das gibt es in dem Kurs mit Gyburg Kostka noch dazu – neben Glaubertrunk, Darmentleerung und speziellen Tees für den Frühjahrsputz von Körper und Seele.

Für Katharina ist es eine Premiere und ihr ist die Freude anzumerken, den inneren Schweinehund besiegt zu haben. „Ich habe schon oft in meiner Apotheke Flyer gesehen, auf denen das Fasten-Komplettpaket angeboten wurde. Diesmal wollte ich’s wissen“, erzählt die 41-Jährige. Nun verzichtet sie zum ersten Mal ganz bewusst und sagt: „Nein, schwer fällt es mir nicht. Im Gegenteil. Ich werde heute Abend für meine Familie sogar einen Käsekuchen backen. Mir geht es gut. Ich habe keine Magenschmerzen oder so etwas, ich gehe ganz normal arbeiten.“

Irina indes freut sich darüber, dass sie schon zwei Kilogramm abgenommen hat. „Ein angenehmer Nebeneffekt“, findet die 49-Jährige. Dabei hat sie es nicht darauf angelegt. „Das ist immer die erste Frage: Wieso willst du denn abnehmen?“, berichtet Hannelore. Nein, das haben die drei Damen wirklich nicht nötig. Für Irina ist vor allem der erste Tag schwierig gewesen, sagt die aus Russland stammende Blondine: „Da habe ich gezittert, weil mir so kalt war.“ Sie habe Gyburg Kostka angerufen, die für Fragen der Fastenden rund um die Uhr erreichbar ist. Abwarten und heißen Tee trinken, lautete ihr Rat. „Jetzt ist alles gut“, sagt Irina. Das bestätigt auch das Blutdruckmessgerät. Es zeigt für das Trio Idealwerte um 120 zu 80 an.

Für den morgigen Donnerstag sind die Frauen zum Fatenbrechen verabredet. In fröhlicher Runde soll das Finale gefeiert werden. Das wird kein opulentes Mahl, denn der Körper braucht nach dieser Grundreinigung, die den Energiestoffwechsel in Schwung bringt, vier Aufbautage. Jede wird eine Kleinigkeit mitbringen, auf die sie Appetit hat. „Ganz sicher keine Äpfel“, sagt Katharina. „Ich habe eine Mango bereit gelegt, da freue ich mich schon die ganze Zeit drauf!“ (Von Carola Hein)

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