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Potsdam So schwer war es, die „Potsdamer Stange“ zu brauen
Lokales Potsdam So schwer war es, die „Potsdamer Stange“ zu brauen
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00:21 16.01.2019
Werbetafel für die Potsdamer Stange. Quelle: Promo
Potsdam

Zu Beginn des Jahres 1969 verkündete Heinrich Lorenz, damaliger Werkleiter des VEB Brauereikombinats Potsdam, voller Stolz, dass das Potsdamer Getränkeangebot um eine Spezialität erweitert werde – die „Potsdamer Stange“. Es sei, so sagte er, „... der sozialistischen Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Technischen Direktors, Kollegen Wächter, gelungen, aus dem sehr geringen Informationsmaterial früherer Jahre die „Potsdamer Stange“ neu zu entwickeln.

Etwa ein Jahr lang hatte die „Sozialistische Arbeitsgemeinschaft“, wie es damals im DDR-Jargon hieß, an der Rezeptur getüftelt, bevor im Dezember 1968 die „Potsdamer Stange“ „...mit einem zustimmenden Prost!“ aus der Taufe gehoben werden konnte. Die Brauer meinten, das im Kriege verlorengegangene Rezept gefunden zu haben.

Die eigentlichen Väter der „Potsdamer Stange“ sind die Brauer W. Adelung und A. Hoffmann. Sie hatten ihr Handwerk in Bayern erlernt und übernahmen 1829 die im 18. Jahrhundert gegründete Königsbrauerei, die sich in der heutigen Speicherstadt befand. Adelung und Hoffmann hatten in den Brauhausberg hinein Keller anlegen lassen, um dort die für das Brauen des untergärigen Bieres nötige niedrige Temperatur zu sichern. Diese Keller sind teilweise noch heute vorhanden.

Stark schäumendes Bitterbier

Ihr Bier, die „Potsdamer Stange“, wird beschrieben „...als alkoholreiches, in der Flasche weiter gärendes, stark schäumendes Bitterbier“. Sein erfrischendes Geheimnis bestand in einer fein ausgewogenen Mischung aus Lagerbier und Kräusen, also Jungbier. Der Name leitete sich her aus dem Glas, in dem das Bier serviert wurde – es war nahezu 30 Zentimeter hoch und hatte einen Durchmesser von etwa sieben Zentimetern, also eine Stange!

Die Tradition von Adelung und Hoffmann setzte später die Kindl-Brauerei in der Alten Brauerei am Leipziger Dreieck fort – dort wurde die „Potsdamer Stange“ bis in die 1930er-Jahre produziert. Aber auch die kleinen Brauereien wie Senst in der Waisen- (heute Dortustraße), Seibert in der Pasteurstraße und Lamm, Am Kanal, stellten das Stangenbier her. Jede Brauerei braute nach eigener Rezeptur, von denen nicht eine genauer überliefert ist.

Am 10. Februar 1969 erlebte die „Potsdamer Stange“ ihre Gaststättenpremiere im „Atlas“ in der Heinrich-Rau-Allee (heute Am Kanal), seinerzeit ein modernes Restaurant mit gehobenem Niveau. Bereits am ersten Tag wurden 200 Halbliterflaschen ausgeschenkt.

Biertulpe „Potsdamer Stange“ vom Getränke- Kombinat Potsdam. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Nicht ganz einfach“, berichteten Zeitzeugen, „war es, den hohen Kohlensäuregehalt zu zügeln.“ Auch durfte der durch die Flaschengärung entstandene Bodensatz nicht in das Glas des Gastes! Um dieses „Zügeln“ und das „Bremsen des Bodensatzes“ zu beherrschen, wurde eigens ein Lehrgang in der Potsdamer Brauerei zum fachgerechten Ausschank des Bieres durchgeführt. An ihm nahmen Kellner des „Atlas“, der Gaststätte des Kulturhauses „Hans Marchwitza“, das sich im Alten Rathaus befand, und der Babelsberger „Zillestube“ teil.

Auch „Stange-Gläser“ standen für die Gäste bereit. Sie zeigten unter der Aufschrift „Potsdamer Stange“ das Emblem des Potsdamer Brauereikombinats - als Souvenir gab es diese auch mit Goldrand. Am 12. Februar bedauerte die „Märkische Volksstimme“, dass „leider bereits vier Gläser entwendet“ worden waren.

Lehrgang zum Zapfen

Nicht nur zu einem einfachen Durstlöscher brachte es die „Stange“ – als die Oberbürgermeisterin Potsdams, Brunhilde Hanke, am 8. Juli 1969 den Grundstein für die künftige Schwimmhalle am Brauhausberg legte, avancierte das Getränk zum Protokollbier, die rund 250 Gäste durften „mit der traditionellen „Potsdamer Stange“ anstoßen.

Doch der „Potsdamer Stange“ war in Potsdam kein langes Leben beschieden. Bereits zwei Jahre nach dem Braubeginn wurde die Produktion eingestellt. Vor allem die in Folge der Flaschengärung entstandenen – nicht zu beherrschenden – „Schaumprobleme“ führten zu dieser Entscheidung.

Nicht anders erging es der Kindl-Brauerei in Westberlin. 1977 wagte auch sie das „Potsdamer-Stange-Experiment“, um es nach vier Jahren wieder aufzugeben. Der Grund: „Schaumprobleme“.

Werbetafel für die „Potsdamer Stange“ (Datum unbekannt) Quelle: Promo

Heute ist es die auf dem Territorium Potsdams gelegene Braumanufaktur Forsthaus Templin, die die „Potsdamer Stange“ wieder zu beachtlichem Leben erweckt hat. Die Frage aber, ob ihr Geschmack dem der „Potsdamer Stange“ von Adelung und Hoffmann entspricht, muss unbeantwortet bleiben.

Von Kurt Baller

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