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Geschichtsstunde im Einkaufstempel

Ausstellung zur Weimarer Republik in Potsdam Geschichtsstunde im Einkaufstempel

Die audiovisuelle Wanderausstellung „Die Weimarer Republik. Deutschlands erste Demokratie“ ist im Potsdamer Stern-Center noch bis zum 20. August zu sehen. Es ist die zehnte Station der Schau aus Weimar, die Bekanntes und Neues vereint und durchaus Rückschlüsse auf die Gegenwart provoziert.

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„Was soll hier ein Glockenturm?“

Geschichte hautnah erleben: Svenja (17) tippt auf ein Bild von der Internationalen Büro-Ausstellung 1931 in Berlin.

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Am Stern. Vier bunte Kino-Würfel laden seit Mittwoch im Stern-Center zu einer kurzweiligen Begegnung mit deutscher Geschichte ein. „Die Weimarer Republik. Deutschlands erste Demokratie“, so der Titel der Wanderausstellung, lebt von Filmausschnitten, Fotos und audiovisuellen Interviews. „Wichtig ist uns zu zeigen, wie Demokratie vor 100 Jahren entstand – und leider auch gescheitert ist“, sagt Center-Manager Ralph Teuber. Er hörte von der großen Resonanz, die das Geschichtsprojekt in der Einkaufspassage des Leipziger Hauptbahnhofs hervorgerufen hatte, und holte die Ausstellung nach Potsdam. Es ist bereits die zehnte Station der Schau, die vom Bundesjustizministerium finanziell gefördert wird.

Die Jahre von 1919 bis 1933 waren zweifelsfrei turbulent. Macht der Arbeiter- und Soldatenräte, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Vertrag von Versailles, Kapp-Putsch, Nationalversammlung, Inflation, Hitler-Putsch, Friedrich Ebert, Paul von Hindenburg, Goldene Zwanziger, Schwarzer Freitag, Weltwirtschaftskrise, Notverordnungen – Namen und Begriffe, die jeder schon mal gehört hat. Doch wie passte das alles zusammen? Warum scheiterte die Weimarer Republik? Und gibt es Parallelen zur Gegenwart?

Grandiose Errungenschaften der Weimarer Republik

„Wir wollen die grandiosen Errungenschaften der Weimarer Republik zeigen und uns mit ihrem Scheitern beschäftigen“, bekräftigt Stephan Zänker, Geschäftsführer des Weimarer Republik e.V. Für den 42-jährigen Historiker aus Erfurt gehört „die erstmalige Verankerung von Grundrechten wie Freiheit und Partizipation in der Verfassung“ zu den größten Errungenschaften jener Zeit. Frauen durften nun wählen. Auch wurde der Acht-Stunden-Arbeitstag eingeführt. Die Menschen hatten plötzlich viel Zeit. Der Sport erlebte einen ungeahnten Aufschwung. Sechs-Tage-Rennen oder Boxkämpfe bestimmten die Schlagzeilen der unzähligen Zeitungen.

Kunst, Kultur, Theater, Literatur, Film – in den Goldenen Zwanzigern zählte Berlin zu den angesagtesten Orten der Welt. Moderne Zeiten, die Welt im Technikfieber: Deutsche Forscher und Denker waren ganz vorn dabei, erhielten von 1919 bis 1933 sage und schreibe 17 Nobelpreise. In Berlin gab es 500 000 Telefonanschlüsse, das war die größte Telefondichte weltweit.

Nach den Goldenen Zwanzigern folgte der Kater

Doch nach der ausschweifenden Party folgte der Kater. Die Weltwirtschaftskrise 1929 brachte die politisch höchst instabile Republik an den Abgrund. In 14 Jahren gab es 20 Kabinettswechsel. Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut führten zur politischen Radikalisierung vieler Menschen. Die Politik wurde auf die Straße getragen, Standpunkte mit Schlägertrupps untermauert. Die Gegner der Republik gewannen die Oberhand. Hitler schwebte mit dem Flugzeug vom Himmel. All das ist in den vier Würfeln anschaulich dargestellt. „Es kann schnell gehen mit dem Ende einer Demokratie“, sagt Zeithistoriker Norbert Frei von der Uni Jena in einer Videosequenz.

Parallelen zur Gegenwart? „Vergleiche lohnen sich“, meint Stephan Zänker. „Nur sollte man sich hüten, platte Schlüsse zu ziehen.“ Die Verhältnisse, in denen die meisten Menschen damals lebten seien mit jetzt kaum vergleichbar, sagt der Historiker. „In schlechten Zeiten wird es wichtig, wer an der Spitze des Staates steht. Hindenburg war ein erklärter Gegner der Weimarer Republik. Mit seiner Wahl zum Reichspräsidenten 1925 wurde der Grundstein für das Ende gelegt. Letztlich brachte er Hitler an die Macht“, so Zänker

„In der Weimarer Republik war die Justiz auf dem rechten Auge blind“, sagt Brandenburgs Justizstaatssekretär Ronald Pienkny (Linke). „Viele Menschen waren weder mit dem Herzen noch mit dem Verstand in der neuen Republik angekommen.“ Und jetzt? „Betrachte ich die zunehmende Radikalisierung der Gesellschaft mit Sorge.“

Die Weimarer Republik

Die Ära der Weimarer Republik

begann am 9. November 1918 in Berlin mit der Ausrufung der Republik und endete am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler.

Die Weimarer Reichsverfassung trat am 14. August 1919 in Kraft. Sie war zu jener Zeit eine der modernsten Verfassungen der Welt, garantierte beispielsweise das Frauenwahlrecht.

Von 1919 bis 1923 hatte die Weimarer Republik mit den unmittelbaren Folgen des Ersten Weltkrieges zu tun. Reparationszahlungen, politische Unruhen, Putschversuche und die Hyperinflation prägten jene Jahre.

Es folgten die „Goldenen Zwanziger“. Das politische System blieb indes instabil. 1925 übernahm Paul von Hindenburg als Nachfolger von Friedrich Ebert (SPD) das Amt als Reichspräsident.

Die Weltwirtschaftskrise 1929 brachte die Republik an den Abgrund. Massenarmut, politische Radikalisierung, Straßenschlachten und Notverordnungen prägten die Zeit bis Anfang 1933.

Von Jens Trommer

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