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Potsdam Geschichtsthriller im Filmmuseum Potsdam
Lokales Potsdam Geschichtsthriller im Filmmuseum Potsdam
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10:42 15.01.2016
Lars Kraume mit Franziska Brandenbusch, Alexandra Mayzlin und Katharina Möller (vorn v.l.) Quelle: julian stähle
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Innenstadt

Wer vor dem Geschichtsthriller „Der Staat gegen Fritz Bauer“ je etwas von eben jenem unerschrockenen hessischen Generalstaatsanwalt gehört habe, der in den 1950er Jahren die NS-Verbrecher jagte? Dem es zu verdanken war, dass Adolf Eichmann, einer der Hauptorganisatoren des Holocaust, in Israel vor Gericht landete? Der die Auschwitzprozesse in Deutschland Anfang der 1960er in Gang brachte? Danach gefragt, reckte sich am Donnerstagvormittag im Filmmuseum kein Schülerarm in die Höhe. Dank Lars Kraumes preisgekröntem Film haben zumindest Jugendliche aus dem Einstein-Gymnasium, der Montessori-Oberschule und dem Technik-Oberstufenzentrum Teltow einen fast vergessenen Helden kennengelernt. „Der Staat gegen Fritz Bauer“ eröffnete die zehnten Brandenburger Schulkinowochen – perfekt passend zu ihrem Motto des „Sehend lernen“.

Bis vor vier Jahren war der jüdischstämmige Bauer auch für Kraume ein Unbekannter, erzählte der Regisseur beim anschließenden Filmgespräch. Bis der 42-Jährige im Buch „Heimkehr der Unerwünschten“ seines Co-Autoren Olivier Guez auf Nazijäger Fritz Bauer (1903-1968) gestoßen sei. „Deutschland hat ja nicht so viele inspirierende Heldenfiguren“, sagte Kraume. Der unerschrockene Generalstaatsanwalt habe „unsere Demokratie vorangetrieben und geprägt“ – ein Vorbild bis heute. Wie viel Fakten, wie viel Fiktion in seinem Film stecken, fragte eine Schülerin den Regisseur. Die Geschehnisse basieren auf realen Ereignissen: Gegen alle Widerstände – auch innerhalb seiner mit ehemaligen Handlangern des Nazi-Regimes durchsetzten Behörde – ermittelte Bauer (gespielt von Burkhard Klaußner) gegen die NS-Täter. Auch Bauers angedeutete Homosexualität beruhe auf Dokumenten, die das Frankfurter „Fritz Bauer Institut zur Geschichte und Wirkung des Holocaust“ veröffentlicht hat. „Ich hätte ihn sonst nie outen wollen“, so Kraume. Die von Ronald Zehrfeld verkörperte Figur des jungen Staatsanwaltes Karl Angermann sei ein Kunstgriff, soll aber eine junge Generation symbolisieren, die die Gräuel der NS-Zeit aufklären statt vergessen will.

Filmkompetenz fördern

Die Schulkinowochen sollen Medien- und Filmkompetenz sowie die kulturelle und Allgemeinbildung fördern. Veranstalter ist das Vision-Kino-Netzwerk in Kooperation mit Filmernst.

Programm, Termine und Informationen unter www.filmernst.de oder 03378/209 162, Anmeldungen unter anmeldung@filmernst.de

Im Jubiläumsjahr der Schulkinowochen freut sich Projektleiter Jürgen Bretschneider über momentan rund 14 200 Anmeldungen für 200 Veranstaltungen. 2015 waren es zum Auftakt „nur“ 12 500. Die Schulkinowochen touren bis 29. Januar durch Brandenburg.

Von Ricarda Nowak

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