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Potsdam Gestatten, Herr Al Ali von der SPD
Lokales Potsdam Gestatten, Herr Al Ali von der SPD
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06:15 06.12.2016
Kibba und Tabboula: Wassim Al Ali (r.) brachte zur Weihnachtsfeier der Babelsberger SPD für seine Parteigenossen David Kolesnyk und Manja Schüle syrische Speisen mit. Quelle: Foto: Köster
Babelsberg

Als Wassim Al Ali am 15. September 2015 seine von Bomben zerstörte Heimatstadt Homs in Syrien verließ, hatte er keine Ahnung vom deutschen Parteiensystem. Aber eine Politikerin war ihm ein Begriff: „Mama Merkel.“ „Wir nennen sie Mama Merkel“, sagt der Syrer fast liebevoll über die Kanzlerin der Union. „Wir werden nie vergessen, was sie für uns getan hat.“ Also hatte sich der Agraringenieur zuerst über die CDU informiert, als er sich in seiner neuen Heimat Deutschland politisch engagieren wollte. Doch seit einem Monat ist der Syrer nun Mitglied in der SPD – und damit der erste Geflüchtete in Potsdam mit Parteibuch. Das liegt nicht an einer plötzlichen Abkehr von „Mama Merkel“, sondern an Manja Schüle. Aber der Reihe nach.

„Mama Merkels“ Partei machte doch nicht das Rennen

Wassim Al Ali, der diese Woche seinen 33. Geburtstag feiert, war einer der Flüchtlinge, die vor einem Jahr mit Sonderzügen nach Brandenburg gekommen waren. Er wurde in der eilig eingerichteten Erstaufnahme-Zweigstelle auf dem Regierungsgelände in der Heinrich-Mann-Allee einquartiert. „Ich habe alles versucht, um mir schnell eine Zukunft aufzubauen“, erklärt Wassim Al Ali, der einen Bachelor- und einen Masterabschluss vorweisen kann. Jeden Tag habe er viele Stunden Deutsch gepaukt. Inzwischen beherrscht er die Sprache beeindruckend gut. Eine der ehrenamtlichen Lehrerinnen aus dem Heim nahm ihn für ein halbes Jahr bei sich in der Berliner Vorstadt auf. Inzwischen hat er eine eigene Wohnung in Babelsberg und eine unbefristete Stelle beim Lebensmittellabor Analytica Alimentaria in Kleinmachnow. „Ich wollte mich gut integrieren“, sagt Wassim Al Ali. Und da kommt jetzt die SPD ins Spiel.

Im „Café der Begegnungen“ der Evangelischen Gemeinde in der Karl-Liebknecht-Straße treffen sich jeden Sonntag Einheimsche und Flüchtlinge. Wassim Al Ali trifft dort Manja Schüle. Er kommt mit der Büroleiterin von Bildungsminister Günter Baaske (SPD) und SPD-Bundestagskandidatin ins Gespräch. „Wir haben viel geredet, über Politik, das Leben in Deutschland“, erzählt er. Sie lädt ihn zum Sommerfest der Landes-SPD ein, dort spricht er mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Dietmar Woidke. „Steinmeier hat gute Sachen gesagt, über die AfD und Pegida“, sagt Al Ali, „dass man ihnen keinen Raum geben darf.“

Er informiert sich über sämtliche Parteien, recherchiert im Internet, liest viel. Aber am Ende gibt der persönliche Kontakt den Ausschlag. „Mir ist in Potsdam noch niemand von der CDU begegnet“, sagt Wassim Al Ali. Dass er sich überhaupt in einer Partei engagiert, hat einen Grund: „Ich will etwas für meine Landsleute tun“, erklärt er. „Und die Leute, die Entscheidungen treffen, sind nun einmal in Parteien.“ Eine Mission hat er bereits: den Sprachgebrauch zu verändern. „Das Wort Flüchtlinge mag ich nicht. Damit bringt man zu viel Negatives in Verbindung.“ Herr Al Ali von der SPD hat einen besseren Vorschlag: „Sagt doch ,die neuen Potsdamer’. Das klingt viel schöner und freundlicher.“

Flüchtlinge interessieren sich für Parteien

In der SPD Potsdam ist Wassim Al Ali bislang der erste aufgenommene Flüchtling, so Unterbezirksgeschäftsführerin Nadine Lilienthal.

Die CDU Potsdam hatte bereits Anfragen von Flüchtlingen, die aber negativ beschieden werden mussten, so CDU-Kreischef Steeven Bretz. Der Grund seien die bundesweiten Statuten der Union. Nur wer seinen Erstwohnsitz in der EU hat, kann aufgenommen werden. Auf Geflüchtete trifft das anfangs nicht zu. Elf neue Mitglieder nehme die CDU Potsdam insgesamt im Dezember auf.

Bei der Linken haben ein Eritreer und zwei Syrer Interesse bekundet, so Kreischef Sascha Krämer. Eingetreten seien sie noch nicht – dafür drei EU-Ausländer und eine in Kanada lebende Potsdamerin.

Beim Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen habe sich bislang kein Flüchtling beworben, so die Vorsitzende Frauke Havekost.

Für die FDP gab es bislang keine Aufnahmeanträge von Flüchtlingen, so die Kreisvorsitzende Linda Teuteberg. 2015 wurde ein Potsdamer marokkanischer Nationalität aufgenommen, der schon einige Jahre hier lebt.

Von Marion Kaufmann

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