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Gewagter Deal mit Gott

Beifallsstürme für Lydia Steier in Potsdamer Friedenskirche Gewagter Deal mit Gott

Manchmal führt nur ein Umweg zum Ziel. Was wurde diskutiert über die Frage, ob sich Händels Oratorium „Jephtha“ in der Friedenskirche auf die Bühne bringen lasse. Schlechte Sicht wegen störender Säulen, keine Versenkungen: Kritiker hatten manifeste Bedenken. Sie haben sich getäuscht.

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Jephtha (Lothar Odinius, r.) hat ein Opfer versprochen: Am Ende muss es seine Tochter Iphis (Katja Stuber, l.) erbringen.

Quelle: STEFAN GLOEDE

Potsdam. Mit ihrer Inszenierung beweist die US-Amerikanerin Lydia Steier, dass sich eine Ausweichspielstätte als Glücksfall erweisen kann – geht man es richtig an.

Lydia Steier hat es getan. Auf einer detailreich als Lesesaal gestalteten Laufsteg-Bühne verfrachtet sie das Geschehen mitten ins Publikum. Der Chor der Winteroper – zusammengesetzt aus den hervorragenden Sängern von Vokalakademie Potsdam und Vocalconsort Berlin – steckt in spießig-schönen Schuluniformen im britischen College-Look.

Das biblische Drama erzählt Steier als Lehrstunde über Integrität und Menschlichkeit: Israeliten und Ammoniter ziehen in den Kampf. Die Ammoniter sind verhasst, weil sie Menschen opfern. Jephtha (Lothar Odinius) lässt sich auf einen „Deal mit Gott“ ein, wie Sprecher Christian Ballhaus später erklärt. Er schwört, seinem Herrn das erste Wesen zu opfern, das ihm nach dem Sieg begegnet. Nichtsahnend fällt er damit das Todesurteil über seine Tochter Iphis (Katja Stuber).

Librettist Thomas Morell hat die Handlung ins Gute verkehrt. Ein Happy End à la Hollywood aber erspart Lydia Steier den Zuschauern. Zwar schwebt über die Sakristei in letzter Minute ein Engel (Maria Skiba) herbei, der Jephtha vom Kindsmord abhält. Eine Zukunft mit ihrem Liebsten Hamor (Magid El-Bushra) aber bleibt der zur ewigen Jungfräulichkeit verdammten Iphis verwehrt.

Die Winteroper 2013 solle ein Event werden, hatte Lydia Steier im Vorfeld versprochen. Ihr Ziel hat sie nicht erreicht – sie hat es übertroffen. Tatsächlich geht ihre Inszenierung über kurzweilige Unterhaltung hinaus. Für einen Augenblick wird es auch mal knisternd erotisch oder verstörend brutal – den Abend aber trägt nicht der einzelne Effekt, sondern das stimmige und künstlerisch höchst anspruchsvolle Gesamtbild.

Aus den ausnahmslos starken Solisten stechen drei hervor. Countertenor Magid El-Bushra und Sopranistin Katja Stuber mimen nicht nur glaubwürdig das Liebespaar, ihre glockenklaren Stimmen erlauben den Zuschauern auch, jede Silbe des englischen Texts aufzunehmen. Beeindruckend auch Lothar Odinius. Die Last von Jephthas Schicksal ist ihm in jeder Minute anzusehen, sein kräftiger Tenor aber klingt nie angestrengt.

Das Orchestrale macht der Alte-Musik-Spezialist Konrad Junghänel am Pult der Kammerakademie Potsdam äußerst stark. Bei der Herausforderung, Musiker und die teils weit entfernten Sänger nicht auseinanderdriften zu lassen, helfen ihm dezent platzierte Monitore.

Für die Winteroper 2014 hat die Kammerakademie Mozarts szenisches Oratorium „La Betulia liberata“ ausgewählt. Nach der mit Standing-Ovations und Beifallsstürmen bedachten Premiere in der Friedenskirche hängt die Messlatte hoch. Fraglich ist zudem, ob sich auch nächstes Jahr wieder ein weltberühmter Gast ankündigen wird. Diesmal reiste Star-Tenor Plácido Domingo an. Für ihn wie für alle anderen hat sich der beschwerliche, weil vom Regen aufgeweichte Weg zur Friedenskirche absolut gelohnt.

Von Viktoria Bittmann

Weitere Aufführungen am Sa, 30.11., und So, 1.12., jeweils um 19 Uhr. Karten unter  0331/ 98118

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