Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
„Gift“ mit dem Poetenpack

Premiere in Potsdam „Gift“ mit dem Poetenpack

Das Poetenpack inszeniert in der Kirche am Neuendorfer Anger in Potsdam-Babelsberg das preisgekrönte Stück „Gift. Eine Ehegeschichte“ von Lot Vekemans. Premiere ist am Freitag, dem 6. Oktober. Spielen werden Simone Kabst, die das Stück für Potsdam entdeckt hat, und Andreas Hueck, der künstlerische Leiter des freien Theaters.

Voriger Artikel
Lehrer-Ehepaar macht ein Sabbatical
Nächster Artikel
Potsdam bekommt sein eigenes Silicon Valley

Andreas Hueck und Simone Kabst in der Kirche am Neuendorfer Anger.

Quelle: Christel Köster

Potsdam-Babelsberg. Eine Frau und ein Mann allein mit sich auf einem Friedhof. Neun Jahre lang haben sie sich nicht gesehen. Seit dem Tod ihres neunjährigen Jungen. 2009 wurde „Gift. Eine Ehegeschichte“ von Lot Vekemans in Gent uraufgeführt. 2010 wurde „Gift“ mit dem renommierten Taalunie Toneelschrijfpris ausgezeichnet, der in den Niederlanden jährlich für das beste Stück der vorangegangenen Spielzeit vergeben wird. „Mit ihrem wunderbaren Dialog über zwei Menschen, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst, dann einander, trifft Vekemans direkt ins Herz“, schrieb die Jury in ihrer Begründung.

Am 6. Oktober wird das Zwei-Personen-Stück, das mittlerweile an vielen Bühnen bundesweit zu sehen war, erstmals in Brandenburg aufgeführt. Das Potsdamer Poetenpack entschied sich für die Kirche am Neuendorfer Anger als Spielstätte. Spielen werden Simone Kabst, die das Stück für Potsdam entdeckt hat, und Andreas Hueck, der künstlerische Leiter des freien Theaters.

„Du bist zu früh“, sagt sie. „So ein Sauwetter“, sagt er. Schweigen. Dann: „Wenig Leute hier.“ Und: „Das haben Friedhöfe so an sich.“ Nach langer Stille: „Tja, da wären wir also.“

Nach dem Tod ihres Jungen haben sie verschiedene Wege eingeschlagen, um den Weg des Kindes zu verarbeiten. Er ging nach Frankreich, versucht ein neues Leben und wird bald ein neues Kind haben. Sie blieb im gemeinsamen Haus, vereinsamte, verstummte. Grund ihres Treffens ist ein Brief, in dem die Umbettung ihres Kindes angekündigt wurde. Wegen eines Giftfundes im Boden des Friedhofs. Doch warum lässt sich niemand von der Friedhofsverwaltung sehen?

„Gift“ ist ein grandioses Spiel um Liebe und Schmerz, eine tastende Suchbewegung zweier Menschen nach der Möglichkeit, die Vergangenheit zu akzeptieren, in gemeinsamer Erinnerung Ruhe zu finden und Vertrautes wieder zuzulassen. Simone Kabst spricht von Schichten gemeinsamer Erinnerung, die sich nach und nach unter großem Widerstreben öffnen: „Wie kommt man aus dem Verstummen heraus?“ Andreas Hueck erzählt von teilweise abstrus komischen Bewältigungsstrategien: Er wurde Mitglied in einem Männergesangsverein. Schließlich die Einsicht, dass man den anderen zum Erinnern braucht. Seine Grübchen beim Lachen hatte sie völlig vergessen. „Gift“, sagt Simone Kabst, sei vor allem eine „sehr feine Beziehungsgeschichte“.

Regie führt Michael Neuwirth, der für das Theater Poetenpack 2014 schon „Minna von Barnhelm“ inszenierte. Für die Ausstattung ist Janet Kirsten verantwortlich, die in diesem Jahr bereits mit dem Bühnenbild für Moliéres „Der eingebildete Kranke“ im Heckentheater am Neuen Palais für Begeisterung sorgte. Technische Finesse im Park war eine historische Pflegebadewanne. Auch für „Gift“ hat sie einen Automaten besorgt. Mehr aber soll vorab nicht verraten sein.

Terminkalender des Poetenpacks

Premiere von „Gift. Eine Ehegeschichte“ mit dem Poetenpack in der Kirche am Neuendorfer Anger in Babelsberg am 6. Oktober um 20 Uhr.

Weitere Vorstellungen am 7., 13., 14., 20. und 21. Oktober sowie am 10. und 11. November um 20 Uhr, sowie am 12. November um 17 Uhr.

Eine weitere Aufführung mit dem Poetenpack steht am 21. Oktober um 19 Uhr in der Nikolaikirche mit „Mein lieber Herr Katharina“ an.

Auswärts zeigt das Poetenpack am 19. Oktober in der Stadthalle Gifhorn die von der Kritik gefeierte Inszenierung „Nathan der Weise“, die vor zwei Jahren in der Französischen Kirche in Potsdam Premiere hatte.

Mit „Netboy“ gastiert das Poetenpack am 15. und 16. November in Bernburg/Saale, am 18. November zeigen die Potsdamer in Marktoberdorf „Der kleine Prinz“.

Mehr im Internet auf www.theater-poetenpack.de

Von Volker Oelschläger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Die Karikaturen des Potsdamers Hafemeister

Jörg Hafemeister karikiert seit Jahren die Potsdamer Lokalpolitik. Nun hat er immer mittwochs seinen festen Platz im Potsdamer Stadtkurier. Wir zeigen an dieser Stelle alle Karikaturen.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg