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„Gleich ergeht es einem Politiker schlecht“

Potsdam-Thriller feiert Premiere bei der MAZ „Gleich ergeht es einem Politiker schlecht“

Raimon Weber liest am 24. November im MAZ Media Store erstmals aus seinem in Potsdam spielenden Wende-Thriller „Die Blutmauer“. Worauf sich die Zuhörer gefasst machen müssen, woran er im Moment arbeitet und was auf seinem persönlichen Lektüre-Stapel ganz oben liegt, verrät Raimon Weber im MAZ-Interview.

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Raimon Weber

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Die Mauer fällt, die DDR geht ihrem Ende zu. Doch nicht alle Verbrechen der Vergangenheit sind vergessen... Am 18. November ist es soweit. Dann erscheint Raimon Webers Thriller „Die Blutmauer“, für den er in Potsdam recherchiert hat – unter anderem mit Hilfe der MAZ-Leser. Ehrensache, dass die erste Lesung am Ort der Handlung stattfindet, meint der Autor. Am 24. November feiert „Die Blutmauer“ im MAZ Media Store Premiere – ein Tipp für den Leseherbst.

Die Blätter fallen, der Wind schiebt Regenwolken übers Land - der Leseherbst hat begonnen. Welches Buch haben Sie sich gerade vorgenommen?

Raimon Weber: Einen Krimi der südafrikanischen Autorin Malla Nunn. Ein Polizist muss in Südafrika während der Apartheid den Mord an der Tochter eines Zulu-Chiefs aufklären. Ein Krimi und gleichzeitig ein Gesellschaftsroman, der immer wieder die absurden Zustände in einem Land mit gesetzlich verankertem Rassismus aufzeigt.

Bett, Couch, Küchentisch - haben Sie einen Lieblingsschmökerplatz?

Weber: Die alte Ledercouch in meinem Schreibzimmer. Es befindet sich in einem uralten Fachwerkhaus mit herrlich schiefen Wänden.

Gibt es ein Buch, das sie doppelt gelesen haben?

Weber: Fast alle Bücher des englischen Schriftstellers John Christopher. Ich entdeckte seine Werke mit zwölf Jahren in unserer Stadtbibliothek. Christopher erweckte schon damals den Wunsch in mir, Autor zu werden. Sein Gesamtwerk – Jugend- und Erwachsenenbelletristik – steht noch heute in einem Extraregal. Danke, Mister Christopher!

Ihre Top 5 der Bücher, die man unbedingt gelesen haben sollte?

Weber: Niccoló Ammaniti „Die Herren des Hügels“, John Christopher „Die Unheimlichen“, Whitley Strieber & James W. Kunetka „Wardays“, George Orwell „1984“, Upton Sinclair „Der Dschungel“... und mindestens fünfhundert weitere Bücher!

Was sagt Ihnen folgender Satz: „Er war nackt und stank…“?

Weber: Der erste Satz meines neuen Romans. Gleich ergeht es einem Politiker denkbar schlecht. Der erste Satz ist für mich ungemein wichtig. Er soll gleich die Stimmung der kommenden Geschehnisse wiedergeben und dem Leser ein Gefühl dafür vermitteln, auf was er sich nun einlässt.

Das Buch erscheint am 18. November – sind Sie aufgeregt?

Weber: Das bin ich bei jeder Veröffentlichung immer wieder aufs Neue. Auch wenn Lektorat, Verlag und – ganz wichtig – die eigene Frau ihr Okay gegeben haben, bleibt ein Rest Selbstzweifel. So muss es wohl sein. Ich bin wie viele Autoren nicht in der Lage, die eigene Arbeit zu beurteilen. Man kann immer nur sein Bestes geben.

„Die Blutmauer“ spielt in Potsdam in den Tagen unmittelbar nach dem Fall der Mauer. Worauf kann sich der Leser gefasst machen?

Weber: Auf eine, wie mir die Vorableser bestätigt haben, spannende Zeitreise in die Tage unmittelbar nach dem Mauerfall. Am Ufer des Potsdamer Jungfernsees wird die Leiche eines SED-Funktionärs gefunden. Martin Keil, Hauptmann der Volkspolizei, leitet die Fahndung nach dem Mörder. Ihm zur Seite steht die Gerichtsmedizinerin Anne Rösler, mit der er ein Verhältnis hat. Beide sind in einem staatlichen Heim aufgewachsen und haben tiefe seelische Narben aus dieser Zeit davongetragen, was ihre Beziehung und ihre Berufe nicht gerade einfacher macht. Weitere Mordopfer, wie etwa die Leiterin einer Mitropa-Raststätte, scheinen zunächst in keinerlei Zusammenhang zu stehen. Nach und nach entdeckt Keil, dass er sich im Zentrum einer Verschwörung befindet, welche die Vergangenheit und mögliche Zukunft der DDR betrifft.

Sie haben sich gewünscht, die Premierenlesung in Potsdam zu halten – weshalb?

Weil ich durch die lange und ausgiebige Recherche in dieser Stadt, so viel Unterstützung und Rat erfahren habe. Ich konnte überaus inspirierende Orte wie etwa Schloss Lindstedt erkunden. Und weil die erste Lesung an den Handlungsort des Romans – nach Potsdam – gehört. Außerdem muss ich mal wieder Schmorgurke essen. Die gibt es bei uns in Westfalen leider nicht.

Woran arbeiten Sie im Moment?

Weber: An einem neuen Krimi, zu dem ich von einem tatsächlich geschehenen und ungeheuerlichen Mordfall in einer Kleinstadt angeregt wurde. Wo alle Kontrollmechanismen der Justiz versagt haben und der Polizeichef aus Eigeninteresse einen Sexualmord verschleierte.

Die erste Lesung führt nach Potsdam

Raimon Weber (55) stammt aus Unna und lebt mit seiner Familie in der westfälischen Provinz. Seit 1998 veröffentlicht er Krimis, Thriller und Hörspiele.

Potsdam war in Webers „Morgenstern“-Reihe bereits Krimi-Schauplatz.

Zuletzt erschienen sind „Die geheimen Akten des Sir Arthur Conan Doyle“, eine Serie, in der der weltberühmte „Sherlock Holmes“-Autor selbst zum Ermittler wird.

„Die Blutmauer“, Webers neuster Thriller, erscheint am 18. November im Ullstein-Verlag. In dessen Aktion „E-Book first“ ist „Die Blutmauer“ allerdings schon jetzt auf Plattformen wie Amazon, itunes, Thalia oder Hugendubel bis zur Veröffentlichung des Buches zum Sonderpreis von 2,99 Euro erhältlich.

Die Premierenlesung findet am Donnerstag, 24. November, im MAZ Media Store, Friedrich-Ebert-Straße 85/86, statt. Der Eintritt kostet 5 Euro und für MAZ-Card-Inhaber und eine Begleitperson 4 Euro. Reservierungen unter 0331/97930340 oder direkt im MAZ Media Store sind erbeten. nf


Interview: Nadine Fabian

Von Nadine Fabian

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