Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Goodbye Hells Angels. Willkommen Kunst!

Rockerclub verlässt Potsdam Goodbye Hells Angels. Willkommen Kunst!

Sie sind berüchtigt und gefürchtet. Nun haben sie Potsdam offenbar den Rücken gekehrt: Die Hells Angels. Ihr Quartier in der Landeshauptstadt steht leer. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Razzien in dem Domizil in der Charlottenstraße gegeben. Zahlreiche Waffen wurden beschlagnahmt. Künftig werden die Räumlichkeiten anders genutzt.

Charlottenstraße 13, Potsdam 52.398811 13.050803
Google Map of 52.398811,13.050803
Charlottenstraße 13, Potsdam Mehr Infos
Nächster Artikel
Geht's auch ne Nummer kleiner, Herr Jakobs?

Die Hells Angels haben ihr Domizil in der Landeshauptstadt aufgegeben.
 

Quelle: dpa

Potsdam.  Die Rocker der „Hells Angels“ kehren der Landeshauptstadt offenbar den Rücken: das Quartier in der Charlottenstraße steht leer, die Kameras an der Fassade und das Schild mit dem geflügelten Totenkopf sind demontiert, die blickdichten Holzjalousien tagelang nicht bewegt worden. Die Polizei bestätigt: „Wir wissen, dass die Hells Angels ihr Domizil in Potsdam aufgeben wollen und haben die zuständige Inspektion darüber informiert“, sagt Sprecherin Jana Birnbaum.

Ein Treffpunkt weniger

Ein Treffpunkt weniger: In der Charlottenstraße in Potsdam haben sich die Mitglieder immer wieder getroffen. Razzien der Polizei brachten viele Erfolge im Kampf gegen die Kriminalität der Rockerbande.

Quelle: Christel Köster

Wohin der Club zieht, weiß die Polizei nach Birnbaums Angaben noch nicht genau. Bekannt sei nur, dass der Umzug noch diesen Monat erfolgen soll. „Wir werden den Club weiter im Blick haben“, versichert sie.

Mietvertrag einvernehmlich ausgelaufen

Nachbarn werden erleichtert sein, glaubt man im Viertel. Mehrfach war es in den vergangenen Jahren zu Razzien und Verkehrskontrollen der Gäste durch die Polizei gekommen. Dabei wurden Waffen wie eine Machete, Axtstiele und ganze Kisten voller Messer, aber auch ein Tresor gefunden. Die Rocker nutzten das Domizil für größere Zusammenkünfte, an denen auch hochrangige Mitglieder teilnahmen. Der Mietvertrag des Hauseigentümers und der Rockerbande ist nach Informationen der Polizei einvernehmlich ausgelaufen. Es sei für die Rocker absehbar gewesen, dass dieses Objekt nicht weiter vermietet werde.

Die Gewerberäume in dem Haus in der Charlottenstraße 13 waren 2008 bezogen worden. Der Treffpunkt nannte sich zunächst „Route 81“. Die Zahl steht dabei als Code für die Initialen der „Hells Angels“. „Das waren damals aber noch keine Mitglieder des Rockerclubs“, sagt Holger Kutzschebauch, der das Dezernat Strukturkriminalität der Potsdamer Kriminalpolizei leitet. Mitglieder der Hells Angels aus dem Raum Cottbus, Berlin und Sachsen-Anhalt waren damals häufig Gäste. Nachdem ein offizieller Ableger des Motorradclubs in Potsdam gegründet war, wurde das Lokal als „The Other Place“ bekannt.

Statt Rockerparties gibt’s bald eine Kunstgalerie

Überraschend kündigt sich jetzt eine neue Nutzung des Hauses an, die künftig wieder die Öffentlichkeit in das denkmalgeschützte Barockhaus locken soll. Eine Potsdamer Galeristin, die noch anonym bleiben will, bestätigte der MAZ, dass sie bereits im September eine Galerie mit zeitgenössischer Kunst in dem Haus eröffnen will. Gemeinsam mit den Galerien „21“, „A/E“ und Ruhnke sowie der Produzentengalerie M und dem Galeriecafé 11-Line entsteht so in der westlichen Charlottenstraße und der angrenzenden Hermann-Elflein-Straße ein kleines Potsdamer Galeriequartier.

Die letzten zehn Jahre mit den Hells Angels

19. November 2005 : Gewalttätige Auseinandersetzungen in Clärchens Tanzcafé in Babelsberg. Beteiligt sind auch Mitglieder der Motorrad-Rocker „Hells Angels“. Acht vorläufige Festnahmen: sieben Angels aus Berlin, einer aus dem so genannten „support Chapter“ Beelitz, einem beitrittswilligen Unterstützerclub.

Dem Angriff in der Großbeerenstraße gegen 4.50 Uhr am Morgen ging laut Polizei eine Stunde vorher der Rauswurf eines „Angels-Mitglieds“ wegen Tätlichkeiten voraus.

28. März 2009 : Rund hundert Rocker kommen zur Gründung einer „Hells Angels“-Ortsgruppe in Potsdam zusammen. Die Polizei hat an allen Zufahrtsstraßen zum Blauhaus, wo die Veranstaltung stattfindet, Kontrollpunkte eingerichtet; sämtliche Autos und Motorräder werden überprüft. An dem Treffen nahmen rund 80 Rocker teil.

Februar 2010 : 70 Berliner Bandidos treten zu den Hells Angels über. Der Übertritt wird in Potsdam vollzogen.

23. März 2010 : Ein Zeuge beobachtet gegen 18 Uhr zwölf Personen, die dem Rockerclub „Hells Angels“ MC zuzuordnen sind. Als die Männer vor dem Clubhaus Other Place in der Charlottenstraße in vier Autos steigen, haben sie Baseballschläger bei sich. Die Autos fahren in unbekannte Richtung davon. Die Polizei informiert die angrenzenden Bundesländer Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern für den Fall, dass die Hells Angels Aktionen gegen verfeindete Motorradclubs planen. Stunden später werden sie in Potsdam erneut beobachtet. Bei einer Kontrolle findet die Polizei eine Machete, Baseballschläger und Holzstiele.

26. Juni 2010 : Im Zusammenhang mit einer Feier zum einjährigen Bestehen der Rockerkneipe „Other Place“ in der Charlottenstraße 13, die als Treffpunkt des Motorrad-Rockerclubs Hells Angels gilt, kontrolliert die Polizei in ganz Potsdam durchfahrende Fahrzeuge und Personen. Die Feier selbst findet in Drewitz im Willy-A.-Kleinau-Weg statt. Dabei werden ein Reizstoffsprühgerät, zwei Messer, ein Teleskopschlagstock, eine Axt, ein Dengelhammer und weitere gefährliche Gegenstände beschlagnahmt. Zudem werden drei Anzeigen wegen Verstößen gegen das Waffengesetz aufgenommen und eine mit Haftbefehl gesuchte Person festgenommen.

7. Juli 2010 : Polizeibeamte kontrollieren in der Charlottenstraße die Räumlichkeiten der Vereinsgaststätte der „Hells Angels“. Das Oberlandesgericht hatte die Durchsuchung angeordnet. Gefunden werden Axtstiele, eine Eisenstange sowie ein Dengelhammer. Während der Durchsuchung sind der Inhaber und einige Mitglieder des Clubs vor Ort. Die Maßnahme verläuft dennoch störungsfrei.

Ende Juli 2010 : Die Polizei stuft die Bedrohung der Sicherheit durch die Szene der Motorrad-Rocker mittlerweile geringer ein als noch vor einigen Monaten und baut einen Container vor dem Lokal „The other Place“ der „Hells Angels“ in der Charlottenstraße ab. Die blaue Metallhülle vor der Fensterfront hatte verhindern sollen, dass Brandsätze wie Molotow-Cocktails aus vorbeifahrenden Autos in die Scheiben der Kneipe geworfen werden können und die Flammen die Bewohner in den Stockwerken darüber gefährden. Der Container war aufgestellt worden, nachdem in einem bislang einzigartigen Akt 70 Berliner Mitglieder der „Bandidos“ im Februar zu den „Hells Angels“ übergelaufen waren.

Anfang August 2010 : Die Stadt Potsdam untersagt eine gemeinsame Ausfahrt der „Hells Angels“ am 8. August und lehnt einen Antrag der Rocker auf „Straßensondernutzung“ ab. Dank dieser hätten die Motorradfahrer in einem großen Pulk durch die Stadt fahren können. Dabei wären die Verkehrsregeln großzügiger als sonst ausgelegt worden: Die Rocker und ihre Gäste hätten wegen ihrer Masse auch rote Ampeln ungestraft passieren können.

8. August 2010 : Rot-weiße Sperrgitter und olivgrüne und blaue Uniformen, so weit das Auge schaut: Wer ins Gewerbegebiet entlang der Rudolf-Moos-Straße will, sieht sich der geballten Staatsmacht gegenüber. Was man aber nicht sieht, waren schwere Maschinen der Marke Harley-Davidson. Mit ihrem Großaufgebot, an dem Beamte aus drei Bundesländern beteiligt sind, verhindert die Polizei derart beeindruckend die geplante Massenausfahrt der Rocker vom Motorradclub „Hells Angels“, dass die offensichtlich auch auf die abendliche Party in einem Babelsberger Lokal keine Lust mehr haben – es bleibt im ganzen Umkreis völlig still.

September 2010 : Der Kampf um die Vormachtstellung im Potsdamer Rockermilieu ist offenbar zugunsten der Höllenengel entschieden. Die Auflösungserscheinungen beim Rockerclub MC Gremium greifen von Berlin auf Potsdam über. Das Hauptquartier des Potsdamer Gremium-Chapters ist als solches nicht mehr zu erkennen. Über dem stacheldrahtbewehrten Tor in der Stadtrandsiedlung haben die Rocker das Transparent „Gremium Potsdam“ abmontiert. Drei Jahre nach Eröffnung des von zweieinhalb Meter hohen Mauern geschützten Areals an der Nuthe sind die Fahnen eingeholt.

Mitte Juni 2012 : Auflösung des Potsdamer Chapters der Hells Angels.

24. Okober 2012 : Motorradrocker greifen im Café 11- Line in der Charlottenstraße einen 44 Jahre alten Mann an und verletzen ihn leicht. Ein weiterer Mann trägt Blessuren davon. Nach MAZ-Informationen handelt es sich bei der Hand voll Angreifer teilweise um Unterstützer der „Hells Angels“. Einige trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Support 81“ unter ihren Jacken – die Ziffern 8 und 1 stehen für die Hells-Angels-Initialen H und A. Der Trupp soll zuvor in der Hells-Angels-nahen Kneipe „The Other Place“ gesehen worden sein.

Die Männer betreten gegen 23.45 Uhr das „11-Line“, werfen Stühle um und verwickeln den 44 Jahre alten Potsdamer in ein Streitgespräch, beschädigen Mobiliar. Nach den Schlägen flüchten die Aggressoren in Richtung Brandenburger Straße. Die Polizei stellt zwei von ihnen. Es handelt sich um einen 19 und einen 21 Jahre alten Potsdamer.

Laut Polizeidirektion West haben Zeugen etwas von Beleidigungen mitbekommen. Außerdem sollen einige Mitwirkende ziemlich angetrunken gewesen sein. Der verletzte 44-Jährige lehnt es ab, zum Arzt zu gehen.

November 2012 : Zum dritten Mal von innerhalb nur zwei Monaten haben Polizeibeamte am 26. Juli 2012 den Vereinstreff der Potsdamer Hells Angels in der Charlottenstraße 13 gestürmt. Zudem wurden drei Wohnungen von Anwärtern und Unterstützern der Banden in der Landeshauptstadt durchsucht. Gegen 18 Uhr überraschten Beamte des Potsdamer Kommissariats Schwere Kriminalität, Hundeführer und Kräfte der Bereitschaftspolizei das Rockerlokal „The other Place“ in der Innenstadt. Dabei finden sie eine Machete und eine Kiste mit Messern. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich in dem Rockertreff fünf Männer. Sie sollen bei der Durchsuchung keinen Widerstand geleistet haben. Festnahmen gibt es keine. Die Charlottenstraße und die Hermann-Elflein-Straße sind zeitweise gesperrt. Bei der Durchsuchung wird auch ein Tresor entdeckt – den bekamen die Rocker ein paar Tage später wieder.

23. November 2012 : Ein Treffen von mehr als 100 Rockern sorgt für Aufsehen in der Potsdamer Innenstadt. Anhänger der Hells Angels aus Brandenburg und Berlin versammeln sich in einem Café in der Charlottenstraße.

Bei dem Rockertreffen sind Brandenburger und Berliner Polizisten gemeinsam im Einsatz. Die Rocker schließen sich ein und lassen die Rollläden runter. Medienberichten zufolge sollen sie erst nach Vermittlung durch eine Rechtsanwältin ab 23 Uhr gruppenweise die Veranstaltung verlassen. Die Polizei überprüft bis Mitternacht etwa 30 Personen. Waffen werden nicht gefunden, es gibt auch keine Festnahmen. Auf eine Durchsuchung des Lokals verzichtet die Polizei. Laut Medienberichten nehmen an dem Treffen auch ranghohe Rocker der Berliner Hells Angels teil.

10. August 2013 : Begleitet von einem großen Aufgebot der Polizei unternehmen die „Hells Angels“ und deren Unterstützer von Potsdam aus eine Fahrt nach Berlin.

September 2013 : Eine Socke überführt einen Höllenengel: Das Potsdamer Amtsgericht sieht es als erwiesen an, dass Riccardo O. am 27. Mai 2012 mit zwei bislang unbekannten Komplizen die Autos eines Hells-Angels-Aussteigers angezündet hat. Dafür kassierte er nun ein Jahr und sieben Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Anfang November 2013 : Die Ansage ist deutlich: Die Hells Angels sind zurück in Potsdam. Ein Leuchtschild markiert ihr Revier: Seit ein paar Tagen prangt der geflügelte Totenkopf am Ladenlokal in der Charlottenstraße 13, einst offizielles Clubhaus und Rockerkneipe „The Other Place“. Umkränzt wird das Logo vom Schriftzug „Hells Angels MC Potsdam“ und dem Zusatz „1 Prozent“ – das Bekenntnis, gewaltbereit zu sein.

14. Juni 2014 : „Anniversary-Party“ des Rocker-Clubs Red Devils, dem Hauptunterstützerclub der berüchtigten Hells Angels in Potsdam. Vor deren Vereinslokal in der Charlottenstraße versammeln sich am Samstag auffällig zahlreiche Angels und Devils, viele reisen mit ihren schwer knatternden Harley-Davidson-Motorrädern an, die in einer Reihe vor dem Lokal parken.

Von Peter Degener

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg