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Potsdam Gramlich: OB-Zeit waren die besten Jahres meines Lebens
Lokales Potsdam Gramlich: OB-Zeit waren die besten Jahres meines Lebens
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00:20 03.04.2018
Horst Gramlich 1992 als Potsdamer Oberbürgermeister und 2018 bei einem Gespräch in der Urania. Quelle: Christel Köster (l.) und Peter Degener
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Potsdam

Kurz vor seinem 80. Geburtstag und fast genau 20 Jahre, nachdem ihn die Potsdamer mit überwältigender Mehrheit vorzeitig aus dem Amt gewählt haben, spricht Horst Gramlich mit der MAZ über seine Zeit als Oberbürgermeister.

Wie ist Ihr heutiges Verhältnis zu Potsdam?

Horst Gramlich: Ich bin selten hier. Ich beschäftige mich kaum mit der Stadt, aber nicht aus einer Protesthaltung, auch wenn man das denken könnte. Das ist für mich einfach abgeschlossen.

Vor 20 Jahren wurden Sie als Oberbürgermeister abgewählt. Wie fühlen Sie sich heute beim Gedanken daran?

Es war kein schöner Abschied. Man hat meine Arbeit nicht mehr gemocht und mich aus der Stadt entfernt. Das Verhalten der SPD war damals rüpelhaft. Ich bin aus der Partei ausgetreten und würde auch nie wieder in irgendeine politische Partei eintreten. Ich bevorzuge, wenn sich Gruppierungen bilden, die sich ernsthaft um ein Thema bemühen und sich einig sind. In den Parteien wird nur herumgezankt um des Kaisers Bart und nichts erledigt.

Wenn Sie an Ihre Amtszeit zurückdenken, was waren die Höhepunkte?

Über Höhepunkte habe ich nie nachgedacht. Zu meiner Erfolgsbilanz zähle ich den Abriss des Theaters auf dem Alten Markt. Die Entscheidung den Rohbau abzureißen war für viele absurd. Wir haben der Stadt aber damit überhaupt die Chance gegeben in der Zukunft wirklich frei zu entscheiden, was mit diesem zentralen Ort passieren soll. Dafür wurde ich heftigst attackiert von Bürgern und Medien, aber ich stehe zu dieser Entscheidung. Auch dass wir den Stadtbahnhof gebaut haben, gehört heute zum Erfolgsgeheimnis der Stadt. Er hat die größte Wirkung entfaltet. Was würden zehntausende Nutzer jeden Tag heute tun, wenn wir noch immer den alten, zerknatterten Bahnhof hätten? Leider ist das Ergebnis nicht das, was wir uns ausgedacht hatten. Wir hatten einen repräsentativen Bahnhof erdacht, der dann zerredet wurde. Wir stolperten in der Diskussion immer weiter zurück bis zu dem heutigen Haltepunkt.

Oktober 1991: Der Rohbau des Hans-Otto-Theaters auf dem Alten Markt wird abgerissen. Quelle: Christel Köster

Wie sehen Sie die Entwicklung der Mitte und die Diskussion um Stadtschloss und Fachhochschule heute?

Den Wiederaufbau des Stadtschlosses hatte ich unter Bedingungen, etwa dass wir dafür als Stadt nicht zahlen müssen und es kulturell genutzt wird, nie ausgeschlossen. Bei der Fachhochschule hatten wir in der Verwaltung überlegt, wie sie in die Neubebauung integriert werden könnte. Ich hätte gewünscht, dass man das zumindest ins Auge fasst. Man hat sich anders entschieden, aber das kritisiere ich nicht.

Was hätten Sie gerne noch für die Stadt erreicht?

Es ist vielleicht anmaßend, weil das damals kaum lösbar war, aber ich denke da an ein Verkehrskonzept. Wir hatten vieles diskutiert und sind leider auch dabei leider unentwegt rückwärts gegangen.

Was würden Sie einem Nachfolger heute raten?

Ich kann niemandem Ratschläge für dieses Amt geben. Ich habe Erfahrungen gemacht, die ein anderer heute gar nicht machen kann. Die Leute haben oft keine Vorstellung mehr, was die Wende war. Wenn ich manche reden höre, klingt das so, als hätten die den Hut neu gerichtet und den Blick gewendet, um in eine andere Richtung weiter zu marschieren. Aber wir hatten damals mit zehn oder zwanzig schwierigsten Themen zur gleichen Zeit zu kämpfen. Die Verwaltung hat damals eine Menge erledigt und die Grundlagen neu gelegt. Wir haben Tag und Nacht gearbeitet acht Jahre lang. Das waren harte, aber fruchtbare Jahre. Wir haben die Verwaltung mit großem Tempo in einem neuen Rechtssystem umgestaltet. Ohne Parteikomitees war auf einmal Selbstverwaltung gefragt. Wir waren plötzlich für das Schicksal der Stadt in jedem Bereich selbst verantwortlich und haben vieles erbittert durchgekämpft und Wunden davongetragen. Darauf bin ich stolz. Es waren die besten und erfolgreichsten Jahre meines Lebens.

Horst Gramlich hatte es als Potsdamer Oberbürgermeister nie ganz einfach. Bei einem Fußballturnier der Stadtverwaltung gegen die Landesregierung Anfang der 1990er gab es ein böses Foul gegen ihn. Weil die Arbeit im Rathaus drängte, arbeitete er auch mit gerissener Achillessehne weiter. Quelle: Christel Köster

Von Ihrem Alter abgesehen – würden Sie heutzutage noch einmal dieses Amt antreten?

Nein. Es ist heutzutage alles so sehr geregelt. Die Verfahrensweisen spielen im Gegensatz zu den Inhalten eine so große Rolle und vieles geht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei.

Aus der Ukraine ins Potsdamer Rathaus

Im ukrainischen Antonufkawurde Gramlich am 31. März 1938 geboren. In Berlin studierte er Ökonomie und promovierte 1972. Ab 1969 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften in Babelsberg. 1989 wurde er Mitglied der Sozialdemokraten und bei der Kommunalwahl 1990 zum Potsdamer Oberbürgermeister gewählt. Das Amt verteidigte er 1993 knapp gegen Rolf Kutzmutz (PDS). Am 17. Mai 1998 wurde er in einem Bürgerentscheid mit großer Mehrheit abgewählt und zog sich aus der Politik zurück. Er lebt mit seiner Frau in Caputh.

Von Peter Degener (Interview)

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