Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam "Bürstenmann" kommt vor Gericht
Lokales Potsdam "Bürstenmann" kommt vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:43 31.07.2014
Bernd Wolfgang S. im Mai 2012 in Groß Glienicke. Quelle: Bernd Gartenschläger
Groß Glienicke

Gegen den Besitzer und Vermarkter des Villenparks Groß Glienicke, Bernd Wolfgang S., hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage wegen Bestechung erhoben. Das sagte ein Sprecher am Montag der MAZ. Wie berichtet, ermittelten die Berliner Staatsanwälte bereits seit Ende 2013 gegen S., weil dieser ein Schmiergeld in Höhe von 500.000 Euro für den Verkauf des 25 Hektar großen Areals zwischen Berlin und Potsdam gezahlt haben soll.

Für 18 Millionen Euro kaufte S. die Fläche der Berliner Gewobag im Jahr 2010 ab, die damals noch nicht erfolgte Erschließung war in diesem Kaufpreis mit inbegriffen, sagte S. anlässlich des ersten Spatenstichs mit zwei Brandenburger Ministern im Herbst 2010.

"Schmiergeld: 500.000 Euro"

Auslöser für die Ermittlungen gegen ihn war ein Fund der Steuerfahndung. S. war wegen dubioser Immobiliengeschäfte bereits mehrfach ins Visier von Anlegerschützern, Medien und Steuerbehörden geraten. Die Fahnder durchsuchten daher im Dezember 2012 seine Hamburger Büros und fanden in seinen Unterlagen zum Villenpark eine Buchung, auf der wörtlich "Schmiergeld: 500.000 Euro" stand. "Soviel Dämlichkeit war selten", ließ sich einer der Steuerfahnder daraufhin zitieren.

Im Villenpark geht es viel langsamer voran, als geplant – der Ruf des Investors schreckt Käufer ab. Quelle: Jan Bosschaart

Das Geld floss offenbar an einen pensionierten Berliner Oberstaatsanwalt, der als Vermittler auftrat, und einen Juristen der Berliner Gewobag. Gegen beide hat die Staatsanwaltschaft ebenfalls Anklage erhoben – wegen Bestechlichkeit. S. indes sagt, er sei "wie die Jungfrau zum Kinde" zu dem Grundstück gelangt und die gesamten Ermittlungen basierten auf einem Missverständnis: Es habe sich nicht um Schmiergeld, sondern um ein "Vermittlungshonorar" gehandelt.

Dubiose Geschäfte und spektakuläre Pleiten

Sollte Bernd Wolfgang S. verurteilt werden, wäre es das erste Mal, dass die Justiz seiner habhaft werden konnte. Der Hamburger Unternehmer hat zwar eine Reihe dubioser Immobiliengeschäfte in seiner Vita, wurde bislang aber nie verurteilt werden. So listete etwa "Goldman Morgenstern & Partners", eine New Yorker Gesellschaft "mit dem Ziel gegründet, durch aktive Aufklärung und permanente Transparenz nachhaltig zur Betrugsprävention" beizutragen, S. auf ihrer "Grauen Liste" und der "Liste der Luftschlossanbieter".

Als Geschäftsführer der DVB Vermögens-Beteiligungs-Gesellschaft untersagte das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen 1997 S. den Abschluss sogenannter stiller Beteiligungsverträge und wies ihn an, bestehende Verträge sofort abzuwickeln. Das Bundesaufsichtsamt begründete dies damit, dass seine Gesellschaft gar keine Erlaubnis zum Betreiben eines solchen Geschäftes habe. Die versprochene Mindestverzinsung von zwölf Prozent sei nach der Geschäftslage des Unternehmens nicht realistisch. Die Schuldner akuthilfe schrieb dazu im Internet: "Die DVB, geführt von Bernd Wolfgang S., erfuhr in der Fachpresse durchaus negative Kommentare. S. wurde darin als ,Täuscher’ zitiert."

Schließlich arbeitete S. auch als Repräsentant für die Dresdner BFI Bank. Diese wurde 2003 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geschlossen. 1300 Anleger klagten, denn sie waren um mehr als zehn Millionen Euro geprellt worden. Ein Anwalt der Anleger schrieb: "Die BFI Bank hatte weder ein funktionierendes Controlling noch ein funktionierendes internes Berichtswesen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ging davon aus, dass die BFI Bank nicht mehr in der Lage sei, sämtliche Einlagen zurückzuzahlen oder ihre Verbindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften zu erfüllen". Der Gründer wurde wegen Anstiftung zur Untreue zu fünf Jahren und neun Monaten verurteilt, die Bank ging insolvent. Rund 66.000 Kleinanleger wurden von den 1500 Bank-Repräsentanten um einen Teil oder ihre gesamten Einlagen gebracht. Bernd Wolfgang S. war einer dieser Repräsentanten.

Hohn und Spott von Stefan Raab

  • Weil er wegen seiner dubiosen Immobiliengeschäfte 2013 häufiger im Fernsehen zu sehen war, geriet Bernd Wolfgang S. auch ins Visier der Spötter und Komiker.
  • So machte sich Moderator Stefan Raab in seiner täglichen Late-Night-Show "TV Total" mehrfach über dessen eigenwillige und vermutlich einzigartige Frisur lustig.
  • Der Unternehmer trägt eine Glatze und an den Seiten dafür weit abstehendes Haar sowie einen speziellen Bart, weshalb Raab ihn den "Bürstenmann" taufte.
  • In mehreren Sendungen, etwa am 17. Oktober 2013, stellte Raab die Frisur nach. Er bediente sich dazu zweier Handfeger, die er seitlich an eine hautfarbene Badekappe montierte.
  • Seither genießt die Figur insbesondere unter den jüngeren Zuschauern der Sendung einen gewissen Kultstatus, ähnlich wie der "Maschendrahtzaun" oder die "Ö-la-palöma-Boys".

Bei Sandra Maischberger wurde er am 15. Oktober 2013 zugeschaltet, weil er in Bad Fallingbostel (Niedersachsen) sogenannte Schrottimmobilien an Menschen als Altersvorsorge verkauft hatte – mit dem Hinweis, dass die dort wohnenden britischen Soldaten ihre Mietverträge vom Bund stets auf zehn Jahre verlängert bekämen. Doch die Streitkräfte ziehen 2015 ab, und dann droht Leerstand, weshalb 35 Käufer auf Rückabwicklung geklagt haben – deren Anwälte sind wegen eines Referenzurteils des Bundesgerichtshofes sehr zuversichtlich. Die Internetseite Schrottimmobilien-Betrug.de recherchierte sogar 50 Geschädigte. S.’s Firma habe die Wohnungen für rund 40.000 Euro gekauft und nur wenige Wochen später zum mehr als Dreifachen weiterverkauft, ohne werterhöhende Investitionen vorgenommen zu haben, ist dort zu lesen. S. widersprach schriftlich, man habe um- und ausgebaut. "Die Haftung des Geschäftsführers gründet sich darauf, dass er selbst bereits seit den 1980er Jahre als Verwalter der Wohnanlagen tätig war und somit deren Wert und die ... Diskussionen um die Folgen des britischen Truppenabzugs genau kannte", schreibt die Rechtsanwaltskanzlei, die die Seite betreut. Auch die Sendung "Panorama" berichtete über den Fall Bad Fallingbostel.

Stillstand im Villenpark Groß Glienicke

Auch im Villenpark Groß Glienicke, über den S. nun erstmals auch rechtlich stolpern könnte, läuft es längst nicht wie geplant: Bis 2015 wollte der Investor die 25 Hektar mit 250 Villen bebauen lassen – für "Besserverdienende wie IT-Manager oder Rechtsanwälte". Solche Kunden fallen aber offenkundig auf seinen schlechten Ruf nicht mehr herein. Ende März standen erst 21 Villen, 229 bis Ende 2015 zu errichten und zu verkaufen, dürfte da unrealistisch sein. Statt der umworbenen "Besserverdienenden" haben sich stattdessen ganz normale Bürger angesiedelt, in einem ganz normalen Wohnviertel.

Von Jan Bosschaart

Potsdam Plädoyers im Prozess um Babyleiche von Glindow - 6 Jahre Haft für "abscheuliche Tat" gefordert

Ihr neugeborener Junge hat nur eine Stunde gelebt, bevor Kathleen B. ihn mit zusammengeknülltem Toilettenpapier erstickte und auf dem Kompost entsorgte. Staatsanwaltschaft und Nebenklage fordern sechs Jahre Haft für die 35-jährige Mutter, ihr Verteidiger will sie auf freiem Fuß sehen.

28.07.2014
Polizei Potsdam: Polizeibericht vom 28. Juli - Polizei sucht falsche Stadtwerke-Mitarbeiter

+++ Innenstadt: Zwei Männer geben sich als Stadtwerke-Mitarbeiter aus und überlisten damit die Vorsicht zweier Rentnerinnen +++ Krampnitzsee: Mit 1,14 Promille ist auch das Steuern eines Bootes nicht erlaubt +++ Innenstadt: Der Wein eines italienischen Restaurants schmeckte den Dieben offenbar besonders gut +++

28.07.2014
Potsdam So viele Ideen im Bürgerhaushalt wie noch nie - Tierheim oben auf Potsdamer Wunschliste

Die erste Abstimmungsphase zum Bürgerhaushalt in Potsdam für 2015/16 ist beendet. Ganz oben auf der Liste steht der Wunsch nach einem Potsdasmer Tierheim. Auf den weiteren Plätzen folgen mehr oder weniger sportliche Themen, bevor der Wunsch nach einer "Koordinierungsstelle 'Kultur' auftaucht.

28.07.2014