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Großer Sicherheitscheck bei den Stadtwerken

Nach dem tödlichen Gully-Sturz Großer Sicherheitscheck bei den Stadtwerken

Am 18. Juni ist am Hauptbahnhof von Potsdam eine 83-jährige Rentnerin in einen ungesicherten offenen Gullyschacht gestürzt und darin gestorben. Die Stadtwerke haben daraufhin alle Einsatzfahrzeugen für Kanalarbeiten mit Sperrgittern ausgestattet. Jetzt werden alle technischen Arbeitsabläufe des Energie- und Wasserversorgers EWP auf Gefahrenquellen untersucht.

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Die Unfallstelle am Bahnhof im Juni.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Niemand kann Anneliese Wolf zurück ins Leben holen, niemand ihren pflegebedürftigen Mann Gerhard trösten. Doch der tödliche Gullysturz der 83-jährigen Rentnerin am 18. Juni vor dem Hauptbahnhof hat zumindest eine positive Folge: Die Stadtwerke als verantwortliches Unternehmen haben nicht nur allen Kanaldienst-Einsatzfahrzeugen feste Absperrgitter verpasst, sie prüfen jetzt auch ausnahmslos alle technischen Arbeitsabläufe ihres Energie- und Wasserversorgers EWP, immerhin etwa 250. „Wir stellen alles auf den Kopf und suchen weitere Gefahrenstellen“, sagt Stadtwerke Chef Wilfried Böhme.

Mit Hochdruck werden bis zum Jahresende etwa 50 Arbeitsprozesse der Wasser- und Energiesparte geprüft, die ein hohes Gefährdungspotenzial haben. Im Fokus: Sind potenzielle Gefahren erkannt? Reichen in den Arbeitsanweisungen die Sicherheitsvorkehrungen aus? Sind die Arbeitsschritte so festgelegt, dass Mitarbeiter und Unbeteiligte maximal geschützt sind?

„Aufbauend auf der jeweiligen Gefährdungsbeurteilung werden die entsprechenden Betriebsanweisungen gegebenenfalls überarbeitet“, versicherte Stadtwerkesprecher Stefan Klotz.

Nach Angaben von Stadtwerke-Chef Böhme gegenüber der MAZ liegt noch ein Jahr Prüfarbeit vor der EWP. Bislang gab es nur einen Grund, einen Ablauf umzuorganisieren, nämlich die Kamerasondierung, die an jenem Juni-Tag auf dramatische Weise schief ging.

Rückwärts in ein Loch gestürzt

Als der Einsatzwagen rückwärts auf den kurz zuvor geöffneten Gullyschacht zufuhr, um einen Kran auszuklappen und eine Kamera in die Tiefe abzulassen, lag noch kein Gitter über dem Loch, obwohl es vorhanden war, wie Pressefotos kurz nach dem Unglück zeigen. Die Frau trat damals mit ihrem Rollator von der Straße zurück, angeblich wegen eines zum Bahnhof abbiegenden Autos. Sie stürzte rückwärts in das etwa fünf Meter tiefe Loch und konnte daraus nur noch tot geborgen werden. Einer der beiden Kanalarbeiter hatte vergeblich versucht, sie aus dem Loch zu holen; er erlitt einen Schock.

Böhme war damals per Auto nach Berlin unterwegs, als ihn die Nachricht erreichte. Er drehte um und war eine halbe Stunde nach dem Unglück vor Ort. Er hat stets versichert, die Arbeiter hätten alle geltenden Vorschriften beachtet, doch Arbeitsrechtsexperten sahen das anders.

Verfahren eingestellt

Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf, sah eine Pflichtverletzung bei der Einsatzwagenbesatzung, stellte das Verfahren aber Mitte Oktober wegen geringer Schuld ein. Als „Verkettung unglücklicher Umstände“ sah Staatsanwalt Christoph Lange das traurige Ereignis: „Hier hatte ein kleiner Fehler eine dramatische Folge.“ Solche unglücklichen Umstände will Böhme nun ausschließen, auch wenn die Überprüfung das Tochterunternehmen EWP eineinhalb Jahre lang beschäftigt. „Immer, wenn ich an dem Gully vorbeifahre, bekomme ich ein beklemmendes Gefühlt“, sagte Böhme der MAZ: „So etwas möchte ich nie wieder erleben müssen. So ein Unglück darf nie mehr passieren.“

Von Rainer Schüler

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