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Gründergeist im Klassenzimmer

Potsdam ist Schülerfirmen-Hauptstadt Gründergeist im Klassenzimmer

Brandenburgweit sind 130 Schülerfirmen aktiv, allein 15 davon in Potsdam. Fünf Neugründungen sollen in der Landeshauptstadt bald dazukommen. Was man im eignen Unternehmen fürs Leben lernt und wie gut Kuchen aus dem Glas schmeckt, diskutierten Schüler der Lenné-Gesamtschule mit Politikern und Wirtschaftsfachleuten.

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Kuchenmodell Lisa-Marie Wilke , Rebecca Büttner und Peter Neuhoff arbeiten in der Schülerfirma „Konditoria“ der Lenné-Gesamtschule.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Zentrum Ost. Eigentlich steckt Merle Fuhr mitten im Abistress. Der Informatik-Leistungskurs, den sie belegt hat, ist nicht ohne. Doch nebenbei ist die Potsdamerin mit Bilanzen, Kundenakquise, Personalgesprächen und Bürgermeisterbesuchen beschäftigt. Denn die 18-Jährige führt ein erfolgreiches, kleines Unternehmen mit 14 Mitarbeitern, das mit saftigen Kuchen im Glas richtig durchgestartet ist.

„Konditoria“ heißt der Erfolgsladen und ist eine von sieben Schülerfirmen an der Peter-Joseph-Lenné-Gesamtschule am Humboldtring. Weil Firmenchefin Merle Fuhr auch das Einmaleins der Selbstvermarktung beherrscht wie ein alter Hase, hat sie am Montag anlässlich der bundesweiten Gründerwoche Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sowie Wirtschafts- und Bildungsexperten zur Produkt- und Leistungsschau „Schule mit Unternehmergeist“ an ihre Schule geladen. „Kontakte knüpfen – das lernt man in einer Schülerfirma“, erklärt Merle selbstbewusst.

Softskills werden trainiert

„Die Schüler können viel mitnehmen“, sagt Rektorin Andrea Roßland. Softskills, also soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, sowie Eigeninitiative würden in den Firmen trainiert. Seit knapp zehn Jahren versuchen sich an der Lenné-Schule schon Schüler als Firmenbosse. Die Palette reicht von der Vermarktung kleiner Kuchen über den Einbau individueller Hardware bis zur Produktion von Schokolade aus fair gehandelten Zutaten. „Handwerk und Kunst“ produziert Vogelhäuschen, Weinständer und Kerzenhalter aus Holz – und – das neueste Exponat auf der Leistungsschau – einen Liegestuhl. Hauptsächlich Gesamtschüler der siebten bis neunten Klasse, die handwerkliche Berufe ergreifen wollen, arbeiten in dieser Firma mit, erläutert Betreuungslehrer Jürgen Welder.

Die Kunden kommen aus der Schule selbst oder dem Umfeld. Meist Eltern und Freunde kaufen bei den Gründern ein. „Die Schülerfirmen sollen den anderen Unternehmen ja keine Konkurrenz machen“, erläutert Norbert Bothe, Leiter der Brandenburger Servicestelle Schülerfirmen. „Es geht vor allem um eine andere Form des Lernens.“

130 Klassenzimmer-Unternehmen gibt es im Land, davon 15 alleine in Potsdam. Fünf weitere seien hier gerade in Gründung, so Bothe. „Als Gründerstadt ist die Landeshauptstadt damit ein Vorbild.“ Die Schülerfirmen künftig stärken mit den Blick nehmen will Stefan Frerichs von der Wirtschaftsförderung der Stadt. „Wir freuen uns in Potsdam über jedes junge Unternehmen“, meint auch Oberbürgermeister Jakobs, der bei der Gelegenheit gleich Anteilsscheine der Lenné-Firmen erwirbt. Dass die Schüler später tatsächlich den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, ist eher die Ausnahme, erklärt Norbert Bothe. Darauf komme es aber gar nicht an, meint Stefanie Schilling von der IHK-Stiftung „Fachkräfte für Brandenburg“. „Bei Schülern wird durch die Arbeit in den Firmen das Wirtschaftsverständnis verbessert“, erläutert die Mitarbeiterin der Industrie- und Handelskammer. Auch wenn man später als Angestellter arbeite, bringe einen das jenseits des Unterrichts erworbene Fachwissen weiter.

Merle Fuhr hat sich eine wichtige Führungsfertigkeit angeeignet: delegieren. „Ich habe früher alles alleine gemacht“, sagt die Chefin, die nach dem Abi Informatik studieren will. „Inzwischen habe ich gelernt, Aufgaben abzugeben.“

Von Marion Kaufmann

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