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Potsdam Grüne wollen Tauben dezimieren
Lokales Potsdam Grüne wollen Tauben dezimieren
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17:09 15.03.2018
Wie hier im Holländischen Viertel nutzen Tauben gern die Häuser der Menschen als Wohn- und Brutstätte, am liebsten unterm Dach, und hier bleiben sie auch beharrlich. Quelle: dpa-Zentralbild
Potsdam

Mit betreuten Behausungen wollen die Potsdamer Grünen die Population wild lebender Tauben im Stadtgebiet dezimieren. Nach mehreren Beschwerden von Anwohnern des Platz der Einheit und einer Bürgeranfrage in der Stadtverordnetenversammlung hat die Fraktion die Aufstellung solcher Taubenhäuser vorgeschlagen, in denen der Mensch immer wieder die Eier der Tiere durch Attrappen austauscht, um die Brut abzubrechen und Nachwuchs zu verhindern. Der steigenden Anzahl von Tauben begegne die Stadtverwaltung durch ein Fütterungsverbot, sagen die Grünen, doch damit erreiche man das Gegenteil: „Bei sinkendem Futterangebot vermehren sich Stadttauben erst recht.“

Wie die Berliner Tierärztin Almut Malone jetzt im Umweltausschuss berichtete, sind die brutalen Methoden Vergiften, Abschießen und Jagen durch Raubvögel nutzlos und gesetzlich verboten. Selbst Fütterungsverbote wie lange Zeit in der italienischen Lagunenstadt Venedig führen zu nichts, sagt sie: „Die Tiere brüten trotzdem und genauso oft.“ Nur sterben die Jungtiere eher, und ihre Kadaver verrotten in Gebäudenischen hoch über den Köpfen der Menschen, häufig in der Nähe von Imbissen oder Gaststätten. „Da sehen wir sie nicht. Aber wir merken es, wenn sie uns auf den Teller fallen.“

Der einzige Weg zu einer nachhaltigen Dezimierung der Bestände sei, den Elterntieren immer wieder die Eier wegzunehmen. Dazu sollte die Stadt Verfügungen erlassen, die auch Privatleute zwingen, das Brüten auf Balkons zu unterbinden. Verstöße gegen diese Bestimmungen wären dann durch das Ordnungsamt zu ahnden.

Die Frage nach dem Sinn von Fütterungsverboten beantwortet Malone gern mit der umgekehrten Gegenfrage: „Seit wann wird man vom Essen schwanger?“ Unwiderlegbar ist auch Malones Behauptung: „Durch Diät kann man nicht verhüten.“ Auch nicht bei Tauben.

Almut Malone klärte auf der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses etliche Missverständnisse auf. Quelle: Rainer Schüler

Deren Zahl in Stadtgebieten werde deutlich überschätzt, sagt Malone. So seien in Berlin vor zwei Jahren im ganzen Stadtgebiet 4800 Tauben amtlich gezählt worden; man könne die Population realistisch auf 10000 Tiere hochrechnen. Sowohl Berlin als auch Potsdam hätten sicher kein generelles Taubenproblem, aber an einzelnen Standorten eine lästige Übervölkerung.

Ein Taubenpaar habe sieben Geburten pro Jahr und stets zwei Eier, die 18 Tage lang bebrütet werden. 30 bis 35 Tage nach dem Schlüpfen sind die Jungtiere flügge, mit einem halben Jahr geschlechtsreif. Die Tiere bleiben meist am gewohnten Standort. Eine Taube frisst 40 Gramm Weizen oder anderes Getreide täglich. „Nach fünf Minuten ist die Taube satt für den Tag“, sagt Malone: „Wenn sie länger unterwegs ist, findet sie nicht genug Futter. Wenn wir ihr also Futter versagen, haben wir sie länger auf der Straße.“ Pro Jahr erzeugt eine Taube rund 2,3 Kilogramm Trockenkot, der entgegen häufigen Behauptungen nicht gebäudeschädlicher ist als andere Umwelteinflüsse, denn er ist nahezu ph-neutral.

Ein betreuter Taubenschlag am Schlaatzweg. Quelle: Volker Oelschläger

Um Tauben am Nisten zu hindern, muss man ihnen nach Ansicht des Berliner Avian Vogelschutz-Vereins das Nisten schwer machen. Mit einer behördlichen Verfügung sollen Besitzer und Betreiber von Gebäuden und technischen Anlagen gezwungen werden, Sitzerschwernisse zu schaffen, die die Tiere nicht verletzen. Spikes etwa sind Tierquälerei. Schräge statt waagerechter Gesimse an Fassaden sowie feste Fenstergitter statt Netzen sind wirkungsvolle Hindernisse.

Die Stadtverwaltung hat nach eigener Auskunft keinerlei Beschwerden von Bürgern und keine Vorkommensmeldungen der Ämter für Umwelt, Verkehr oder Gesundheit. Trotzdem wird der Grünenantrag zu betreuten Taubenschlägen in der Stadtverordnetenversammlung weiter diskutiert.

In Potsdam gibt es seit mittlerweile zehn Jahren zwei Stadttaubenschläge in der Bruno-H.-Bürgel-Straße in Babelsberg sowie am Schlaatzweg in der Teltower Vorstadt. Finanziert wird das Futter der Potsdamer Taubenschläge unter anderem mit Spenden für die Vermietung weißer Hochzeitstauben.

Von Rainer Schüler

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