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Potsdam Grünen-Kiez wählt lieber links als SPD
Lokales Potsdam Grünen-Kiez wählt lieber links als SPD
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18:26 15.10.2018
Die „Philosophenrunde“ analysiert nach dem MIttagessen die Oberbürgermeister-Wahl im Westen der Stadt: Rolf-Joachim Barnig, Friedwill Körber und Gert Krüger (v.l.) haben so ihre eigenen Erklärungen. Quelle: FOTO: Rainer Schüler
Brandenburger Vorstadt

Im Westen der Landeshauptstadt wäre Martina Trauth (parteilos; Die Linke) Oberbürgermeister geworden. Zwischen 51 und über 60 Prozent lag ihre Zustimmungsrate. Ihr Vorsprung vor dem SPD-Gesamtwahlsieger Mike Schubert schwankte zwischen 3 und 20 Prozent. Nur auf dem Kiewitt und im Bogen musste sie Schubert an sich vorbei ziehen lassen. Die MAZ ging auf Spurensuche.

Vor einem Café in der Brandenburger Vorstadt sitzt die „Philosophen-Runde“ vor ihren mittäglichen Suppen-Terrinen: Friedwill Körber (74), Rolf-Joachim Barnig (73) und Gert Krüger erzählen sich gegenseitig aus ihrem Leben; Krüger und Körber leben schon lange hier; Barnig kam vor einigen Jahren aus dem Ruhrpott. „Das ist ein grüner und ein linker Kiez, war er schon immer“, behauptet Krüger: „Das Thema Wohnen ist in diesem teuren Stadtteilsehr wichtig; darum hat sich die Linke mehr gekümmert.“ Potsdam-West sei eine Domäne der Wohnungsgenossenschaften, fügt Barnig hinzu: „Und die gehen mitten im Kapitalismus nicht pleite; das ist was ganz Besonderes.“ Viele hier hätten nach 28 Jahren SPD „irgendetwas ändern wollen“, glaubt er, „egal, wer das dann macht.“ Aber die SPD stehe eben nicht für wirkliche Veränderung: „Der Jakobs war einfach viel zu lange dran.“

Dass im „grünen Kiez“ nun viele links gewählt haben, spreche doch für das Politikbewusstsein der Bewohner, findet Körber; die Menschen würden überlegen, wer ihnen politisch am nächsten ist: „Ich habe die Frau gewählt; die sah so nett aus: das hat mich berührt“, gibt er den eigenen, ganz unpolitischen Ansatz zu. Er hatte Martina Trauth selber nie erlebt. Ihm brennt das Thema Wohnungsbau unter den Nägeln; da habe die SPD in den vergangenen Jahren wenig gemacht, meint er. Trotzdem ist er erstaunt, dass Trauth in den beiden Stadtteilen vor Schubert lag, den man doch viel länger kenne in der Politik.

Fanni Brinkmann (33) aus der Mossy-Bar hat kein Problem, ihre Wahlentscheidung zu offenbaren: links, Trauth, eine Frau. „Vielleicht gibt es hier im Kiez viele Feministinnen“, sagt sie. Trauth habe den Vorteil gehabt, parteilos zu sein und trotz der Kandidatur für die Linken als unabhängig zu gelten. Brinkmann glaubt, „dass die vielen Grünen hier lieber links als SPD wählen, wenn sie nichts anderes mehr wählen können.“ Unter den Bewohnern gebe es viele „Bio-Leute: Hier setzt man auf Nachhaltigkeit.“. Sie zitiert eine Untersuchung von 2017, wonach in kommunalpolitischen Ämtern in Deutschland nur 8,7 Prozent Frauen vertreten sind. Sie selbst findet, dass sich das ändern muss: „Viele denken vermutlich auch so und wählten nun die Frau. Ich persönlich hätte eine Frau an der Spitze einer so wichtigen Stadt spannend gefunden.“ Die Wahlprogramme seien „sehr ähnlich gewesen“, resumiert sie.

Ein jahrzehntelanger Kneiper, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist überzeugt, dass in Teilen der Brandenburger Vorstadt, der Hans-Sachs-Straße etwa, und in den Plattenbauten von Potsdam-West rings um den Rewe-Markt eine „alteingesessene und betagte Stammwählerschaft der Linken“ wohnt, „die immer links wählt, egal wer das ist. Diese Menschen denken links. Ihre erwachsenen Kinder auch.“

Den Linken habe in die Hände gespielt, dass so wenig Menschen abgestimmt haben, behauptet Karl-Friedrich Reinhart (74): „Die Linken gehen immer wählen; da ist ihr Anteil dann höher.“

Von Rainer Schüler

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