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Gruftis und Satanisten an den Gräbern

Südwestkirchhof mit dunkler Anziehungskraft Gruftis und Satanisten an den Gräbern

Auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof trieben sich schon früher Freunde des Morbiden herum – wegen prominenter Toter. Der Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt erinnert sich an intensive Begegnungen an den Grabstätten. Gruftis und Satanisten verehrten lange Zeit den „Hellseher“ Adolf Hitlers.

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Der Sarkophag von Friedrich Wilhelm Murnaus und seiner Brüder in der Gruft.

Quelle: Privat

Stahnsdorf. Der Diebstahl des einbalsamierten Schädels von Friedrich Wilhelm Murnau aus dessen Grab auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof hat Olaf Ihlefeldt fassungslos gemacht. So etwas hat der Stahnsdorfer Friedhofsverwalter noch nicht erlebt, obwohl er in der Vergangenheit immer wieder „intensive Begegnungen“ mit Besuchern seines Waldfriedhofs machen musste. Die Anziehungskraft gerade seines Friedhofs hat viele Gründe: Die verwunschene Atmosphäre des riesigen Waldfriedhofs und seine kunstvollen, teils bedeutsamen Gräber trugen dazu bei, dass Ihlefeldt gerade in den 1990er Jahren regelmäßig die Spuren von Satanisten und Gruftis beseitigen musste. „Die Gruftis haben Kerzen, Medaillons oder kleine Figuren an bestimmten Gräbern hinterlassen. Aber sie haben die Grabmäler nicht beschädigt, sondern den Toten auf ihre Art Ehre erweisen wollen“, erinnert er sich. Es kam sogar vor, dass Besucher die Nacht in einer leeren Gruft verbracht hatten.

Probleme verursachten dagegen Satanisten. „Nächtliche Zeremonien gab es zwar meines Wissens nicht, aber dafür Vandalismus“, sagt er. Vor allem gesprühte Pentagramme und Runen musste Ihlefeldt immer wieder entfernen lassen. Auch Knochenjäger habe es gegeben. Gerade das Grabmal von Erik Jan Hanussen war stets Anziehungspunkt für Anhänger von Okkultismus und übernatürlichen Vorgängen. Der 1889 in Wien geborene Mann war als „Hellseher“ bekannt. Ab 1930 gehörte er zum inneren Kreis um Adolf Hitler, den er nicht nur rhetorisch schulte – auch die Zukunft soll er ihm geweissagt haben. Kurz nachdem seine jüdischer Herkunft öffentlich wurde und Hitler an der Macht war, ist Hanussen im Frühjahr 1933 durch die SA ermordet worden.

Berühmte Gräber in Stahnsdorf

Auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf sind seit seiner Entstehung 1909 dutzende berühmte Persönlichkeiten bestattet, die in Berlin, aber auch Potsdam gewirkt haben. Mit 206 Hektar Fläche ist er nach dem Ohlsdorfer Waldfriedhof in Hamburg Deutschlands zweitgrößter Friedhof.

Zu den bekanntesten Ehrengräbern gehören die Ruhestätten des Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid (1874-1944) und des Berliner „Milljöh“-Künstlers Heinrich Zille (1858-1929). Auch Elisabeth Baronin von Ardenne (1853-1952), die zur Vorlage von Fontanes „Effi Briest“ wurde, und der Impressionist Lovis Corinth (1858-1925) sind hier bestattet. Die Familie Siemens hat ein sogenanntes Erbbegräbnis.

Neben Friedrich Wilhelm Murnau finden sich viele weitere Filmschaffende auf dem Waldfriedhof. Das von den Nazis in den Selbstmord getriebene Schauspieler-Ehepaar Joachim Gottschalk (1904-1941) und Meta Wolff (1902-1941) hat dort Ehrengräber. Die Teilnahme an ihren Beerdigungen und jeglicher Nachruf wurde damals verboten. Auch der Defa-Produktionschef Albert Wilkening (1909-1990) liegt dort begraben.

Ebenfalls ein Ehrengrab hat der Physiker Georg Graf von Arco (1869-1940). Er hat am Turm der Sacrower Heilandskirche erstmals in Deutschland die Radiotechnik realisiert.

Die Berliner Journalistenlegende Paul F. Schlesinger (1878-1928), genannt „Sling“, und der Verleger Louis-Ferdinand Ullstein (1863-1933) haben hier ihre letzte Ruhe gefunden.

An jedem ersten Samstag im Monat lädt der Förderverein des Friedhofs zu Führungen ein. Die nächsten Führungen finden am 1. August um 11 und 14 Uhr statt. Zu einer Fahrradführung wird am 15. August um 14 Uhr geladen. Die Teilnahme kostet fünf Euro.

Mit einer kostenlosen App können Besucher die Geschichten von 29 Berühmtheiten auch auf eigene Faust als Audioguide erkunden (www.wo-sie-ruhen.de).

Eine Karte mit den Ehrengräbern findet man unter www.suedwestkirchhof.de

„Eine Zeit lang ist eine ältere Dame regelmäßig zu Hanussens Grab gekommen, ich denke, um ihn in würdiger Erinnerung zu halten“, erinnert sich Ihlefeldt. Immer wieder entsorgte er von dort Kerzenreste und andere Hinterlassenschaften. Ein anderer Fall von Satanismus beschäftigt Ihlefeldt noch heute. „Es ist viele Jahre her, dass eine junge Frau regelmäßig auf dem Friedhof war“, erzählt Ihlefeldt. Weil sie satanische Zeichen hinterlassen hatte, sprach er sie an. „Sie dachte, Satan hätte ihr gesagt, dass sie sich das Leben nehmen soll und das hat sie tatsächlich auch irgendwann gemacht!“, erinnert sich Ihlefeldt. Das Mädchen wurde ebenfalls auf dem Südwestkirchhof begraben. Mittlerweile gebe es kaum noch Spuren von Gruftis oder Satanisten.

Auch ein Mann, der für viele der Inbegriff eines Vampir ist, liegt ganz in der Nähe von Friedrich Wilhelm Murnau begraben. Der Schauspieler Max Schreck hat Murnaus berühmteste Schöpfung verkörpert, die Figur des Nosferatu. Er liegt auf dem direkt an den Stahnsdorfer Südwestkirchhof angrenzenden „Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde“. Ein Ziel für Grabräuber wird er jedoch kaum werden. Der „Vampir“ Schreck wurde 1936 eingeäschert.

Von Peter Degener

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