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Lücke am Platz der Einheit wird bebaut

Neubau erinnert an „Alte Post“ Lücke am Platz der Einheit wird bebaut

An prominenter Stelle wurde am Freitag im Potsdamer Stadtzentrum der Grundstein für ein neues Haus gelegt. Wo einst die „Alte Post“ stand und nach dem Krieg das „Haus des Reisens“ errichtet wurde, baut nun die Berliner Volksbank eine Filiale. Um den Entwurf wird auch nach dem Baustart noch immer gestritten.

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Volksbankvorstand Holger Hatje mit einem Modell der neuen „Alten Post“.

Quelle: Foto: Christel Köster

Potsdam. Nach sechs Jahren und vielen Diskussionen wird die Baulücke an der Ecke der Yorckstraße und des Platz der Einheit im Zentrum Potsdams jetzt geschlossen. Am Freitagmorgen ist der Grundstein für einen Neubau der Berliner Volksbank gelegt worden. Bereits im Oktober 2016 soll das Haus eingeweiht werden, wie Holger Hatje, der Vorstandsvorsitzende der Berliner Volksbank, bei der Zeremonie sagte. Die Bank investiert insgesamt 6,6 Millionen Euro. Der Bau wird 1600 Quadratmeter Geschossfläche aufweisen, die bis auf eine Etage durch die Bank selbst genutzt werden.

Seit sechs Jahren wurde um das Aussehen des Neubaus gestritten

Äußerlich soll das Gebäude an die „Alte Post“ aus dem 18. Jahrhundert erinnern, die bis 1945 die Platzecke geprägt hat. Über die Neugestaltung des Grundstücks wurde seit dem Abriss des „Haus des Reisens“ im Jahr 2009 gestritten. Das Hochhaus aus DDR-Zeiten hatte die Kriegslücke 40 Jahre lang geschlossen. Jetzt wird ein Entwurf des Potsdamer Architekturbüros Axthelm Rolvien realisiert. Mit fünf statt vier Geschossen und abgespecktem Fassadenschmuck wird das barocke Original zwar nur zitiert, soll aber ähnliche platzgestaltende Wirkung haben.

So soll die Ecke des Platz der Einheit und der Yorckstraße in Potsdam im Oktober 2016 aussehen

So soll die Ecke des Platz der Einheit und der Yorckstraße in Potsdam im Oktober 2016 aussehen. Das Haus springt einen halben Meter gegenüber seinen Nachbarbauten hervor. Welche Skulpturen neben den drei Originalen auf das Dach gestellt werden, ist noch unklar.

Quelle: Volksbank/Rolvien

Der Baukörper wird gegenüber der historischen Nachbarbebauung einen halben Meter vorrücken und damit exakt an der Stelle der Alten Post stehen. Auch die Dachhöhe orientiert sich am Original. Statt einer Mischung aus Putzflächen und Sandsteinelementen wird die Fassade einzig aus Elbsandstein bestehen, der nicht poliert, sondern für eine matte Anmutung gestrahlt werden soll. „Der Farbton wird nicht das typische Sanssouci-Gelb sein, aber ein anderer Ton, der typisch für die Innenstadt ist“, versprach Architekt Henner Rolvien. Die Entscheidung werde noch mit dem Denkmalschutz abgestimmt.

Farbkonzept und Gestaltung des Inneren sind modern

Das übrige Farbkonzept, insbesondere im modernen Inneren des Hauses, orientiert sich dagegen an Blau- und Orangetönen, den Markenfarben der Berliner Volksbank. Von den ursprünglich sechs Skulpturen auf der Attika sind laut Rolvien drei erhalten, die derzeit aufgearbeitet werden. Wie die drei Originale künftig ergänzt werden, „darüber kann noch viel diskutiert werden“, sagte er der MAZ.

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) verteidigte bei der Grundsteinlegung den Abriss des „Haus des Reisens“. „Wer sich noch an den hässlichen Betonbau erinnert, der hier einmal gestanden hat und in seiner Höhe und Gestalt die Dimensionen des Platzes sprengte, der wird mir Recht geben, dass der Abriss richtig war“, sagte Jakobs.

Die beiden Gebäude rechts des geplanten Eckhauses sind historische Denkmäler des 18

Die beiden Gebäude rechts des geplanten Eckhauses sind historische Denkmäler des 18. Jahrhunderts. Der Neubau orientiert sich an der „Alten Post“, die dort bis 1945 stand.

Quelle: Volksbank/Rolvien

Doch auch der Neubau ist umstritten. Das Büro Axthelm Rolvien war an einen Entwurf des Architekten Bernd Redlich gebunden, der ursprünglich für die städtische Immobilienholding Pro Potsdam als Grundstückseigentümer den Eckbau projektierte. 2014 wurde das Grundstück samt Baugenehmigung an die Berliner Volksbank verkauft. Eine Auflage war es, den Redlich-Entwurf zu realisieren, weil dieser von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden war.

Beschluss der Stadtverordneten wird nicht umgesetzt

„Die Bank muss sich an den Beschluss halten“, sagt Ulrich Zimmermann, Mitglied der Bürgerinitiative „Mitteschön“. Der entscheidende Unterschied sei die Fassade, die bei Redlich Putz- und Sandsteinelemente vereint und näher am barocken Original ist. Dafür sei es auch jetzt noch nicht zu spät. Argumente von Rolvien, dass diese Kombination wegen Fragen der Dämmung und Standfestigkeit ungeeignet sei, ließ Zimmermann nicht gelten:„Beim Stadtschloss, Barberini und anderen Leitbauten werden auch Putzflächen mit Sandstein vor eine Betonwand gesetzt.“

Die historische Alte Post

Der Architekt Georg Christian Unger errichte die ursprüngliche Alte Post ab 1783 im Auftrag Friedrichs II.

Der Bau war von sechs Figuren und drei „Meilenzeigern“ in Form von Obelisken geschmückt. Die Skulpturen stellten vier Kontinente, sowie Merkur und Fama dar und spielten auf die weltweite Verbreitung von Nachrichten und Ruhm an.

Das Haus diente nur bis 1828 als Post, später als Wohn-, Geschäfts- und Bankhaus und wurde dabei mehrfach umgebaut. So wurden die Obelisken auf dem Dach entfernt, zwei Balkone angefügt und die Erdgeschossfenster vergrößert.

Beim schweren Bombenangriff auf Potsdam am 14. April 1945 schwer beschädigt. Die zu großen Teilen erhaltene Fassade wurde 1958 abgebrochen.

Zwischen 1969 und 2009 stand an der gleichen Stelle das neungeschossige „Haus des Reisens“.

Von Peter Degener

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