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Potsdam Potsdam geht bald baden
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10:35 08.06.2015
Baustelle am Brauhausberg: Links das „Minsk“, rechts die alte Schwimmhalle. Quelle: Lutz Hannemann
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Endlich! Nach jahrelangem Hickhack, nach dem geplatzten Traum von einem Spaßbad aus der Feder des brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer und nach langwierigen Standortdebatten inklusive einer Bürgerbefragung ist es vollbracht: Am kommenden Freitag wird die Grundsteinlegung für das neue Sport- und Freizeitbad am Fuße des Brauhausbergs gefeiert, das unter der Regie der kommunalen Stadtwerke nach Plänen des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner gebaut wird. Geplanter Fertigstellungstermin ist Ende 2016. Bis dahin bleibt auch das alte Schwimmbad am Brauhausberg in Betrieb, so dass ein „fließender Übergang“ möglich ist.

Aber was erwartet die Wasserfreunde dann in ihrem lang ersehnten dreigeschossigen Badetempel? Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) machte gestern in seiner wöchentlichen Rathaus-Kolumne schon mal klar, dass man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben sollte. „Angebot und Ausstattung werden kein Luxus sein“, kündigt Jakobs an. „Es ist eine der Landeshauptstadt angemessene Versorgung mit Schwimm- und Badefläche für alle Potsdamerinnen und Potsdamer – von null bis hundert Jahren.“

Unendliche Geschichte

Mitte der 1990er Jahre erfolgte der symbolische Spatenstich für ein Spaßbad in Drewitz, wo heute das Porta-Einrichtungshaus steht. Das Projekt scheiterte am Geld.

2005 gab der damalige Stadtwerkechef Peter Paffhausen überraschend bekannt, dass man sich in Rio mit dem Stararchitekten Oscar Niemeyer auf ein Bad mit mehreren Kuppeln am Brauhausberg geeinigt hat. 2007 scheitern die Niemeyer-Pläne, weil das Wirtschaftsministerium nicht fördert.

2010 beschlossen die Stadtverordneten den Bau eines Bads an der Biosphäre. Kostenlimit: 18 Millionen. Die Ausschreibung zeigte, dass kein Anbieter in der Lage sei, für diesen Preis ein Bad mit diesen Dimensionen zu bauen.

2012 stimmten die Potsdamer in einer Bürgerbefragung über den Bad-Standort ab. Die Mehrheit sprach sich für den Brauhausberg aus, für den etwa die Linken plädierten. Der Bau neben der Biosphäre – u.a. von OB Jann Jakobs (SPD) favorisiert – scheiterte.

Die neue „Schwimmarena“ wird multitaskingfähig sein: familiengerecht, freizeitschwimmertauglich und geeignet für internationale Wettkämpfe der Schwimmer und Wasserballer. Eine Wellenrutsche und eine 80 Meter lange Röhrenrutsche mit Start vom Dach des Gebäudes sowie ein Kleinkindbecken sind im Freizeitbereich geplant. Für den Sommer gibt es eine Liegewiese mit Außenbecken. Auf dem Dach wird eine Wellness-Oase entstehen. Geplant sind mehrere Saunen, ein Dampfbad, ein türkischer Hamam, ein Whirlpool, Ruhe- und Massageräume und ein kleines Schwimmbecken als Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich mit Dachterrasse.

Insgesamt soll der Spaß „höchstens 36 Millionen“ kosten, bekräftigt Jakobs. „Darin enthalten ist schon ein 15-Prozent-Puffer für mögliche Preissteigerungen. Es wäre natürlich schön, wenn dieser nicht in Anspruch genommen werden müsste.“ Bislang liege der Bau im Zeit- und Kostenrahmen.

Wie das Bad, dessen Architektur bereits harsche Kritik von der BI „Mitteschön“ auf sich gezogen hat, künftig heißen wird, ist noch offen. Ein Marketingbüro soll Vorschläge erarbeiten, die dann im Rahmen der Beteiligung durch die Öffentlichkeit bewertet beziehungsweise votiert werden. Für Neugierige, die sich nach der Grundsteinlegung weiter über die Fortschritte informieren wollen, wird eine Schaustelle eingerichtet.

Wesentlich weniger offenherzig gibt sich die Landeshauptstadt jedoch bezüglich des Schicksals des benachbarten „Minsk“-Gebäudes. Für das frühere DDR-Terrassenrestaurant hat der Landessportbund (LSB) bekanntlich ein Kaufgebot in Höhe von 1,5 Millionen Euro unterbreitet, um in dem Gebäude eine bewegungsorientierte Kita mit 200 Plätzen einzurichten. Obwohl das Angebot bereits Ende 2014 gemacht wurde, gab es noch keine Antwort. „Es ist ein schwebendes Verfahren“, erklärt Robert Busch, Geschäftsführer der LSB Sportservice Brandenburg, auf Nachfrage. Wie die Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger (parteilos) in der Stadtverordnetensitzung am 3. Juni sagte, soll es vor der Sommerpause ein Ergebnis geben.

Hinter den Kulissen wird kolportiert, dass das Jugendamt keinen Bedarf für eine Kita dieser Größenordnung sieht.

Von Ildiko Röd

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