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Guck doch nicht so ernst!

Fotoboxen für Potsdamer Partys Guck doch nicht so ernst!

Wehe, wenn sie losgelassen! Dann schwingen bunte Perücken durchs Bild. Dann beschlagen vor Eifer die Brillen. Dann werden aufblasbare Gitarren zu Fantasie-Riffs gequetscht und die Partygäste flippen im Blitzlichtgewitter schier aus. Fotoboxen sind der große Spaß auf Hochzeiten und Feten. Marcus Möller verleiht die Automaten in Potsdam.

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Mit fortschreitendem Abend gehen die Partygäste in der Fotobox immer mehr aus sich heraus.

Quelle: Marcel Kirf

Potsdam. Die große Sause in der 17. Etage des Hotels Mercure Ende März war die Feuerprobe für Marcus Möller. Sein neues Gerät war zwar schon in einigen Tanzschulen zum Einsatz gekommen, bei der Hochhaus-Party „Auch in 2017 hat man noch Träume“ aber musste es die ganze Nacht durchhalten – zur Bespaßung der Massen und um die Feierstunden unvergessen zu machen. Marcus Möller verleiht Fotoboxen.

Mit fortschreitender Feierlaune wurden die Gäste mutiger

Mehr als 300 Aufnahmen entstanden in dieser Nacht, von den Lachenden, Glücklichen und Aufgedrehten. Mit bunten Hüten und Brillen, mit Masken, Perücken und Kostümteilen, die Möller in einem großen Koffer dabei hatte, setzten sie sich in Szene. Mit fortschreitender Feierdauer wurden sie mutiger, die Abgelichteten, die Aufnahmen, die sie vor dem kleinen Fotoautomaten auslösten, zunehmend wilder. „Bei allem Spaß musste ich darauf achten, dass nichts kaputtgeht oder wegkommt“, erzählt Möller. Künftig gibt er seine Foto-Anlage mit Selbstauslöser unbegleitet an die Mieter, in diesem großen Rahmen wollte er aber persönlich dabei sein. Was gut so war. „Als die Leute anfingen, mit den aufblasbaren Gitarren, den Brillen und Perücken auf die Tanzfläche zu verschwinden, habe ich dann abgebaut“, erinnert er sich.

Die Fotobox ist ein Eigenbau

Seit Februar ist die neue Fotobox von Marcus Möller einsatzbereit. Wie schon das eher provisorische Vorgängermodell, das der Fotograf und Designer gelegentlich bei Shootings auf Hochzeiten dabei hatte, ist sie komplett selbstgebaut. Der 33-Jährige zeichnete die Entwürfe, in Eigenarbeit wurden Plexiglasscheiben gelasert, Text- und Bildfelder geplottet, ein allen Partylagen gewachsenes Stativ besorgt, eine Spiegelreflexkamera mit Studioblitz, Computer, Touchscreen und einem kleinen Drucker verbunden. Geliehen werden kann diese Anlage für bis zu 24 Stunden. Für Auf- und Abbau sowie eine kleine Einweisung kommt Möller selbst beim Kunden vorbei. Dann hat er auch den Requisitenkoffer und ein Hintergrundsystem dabei.

Selbsterklärende und selbst zu bedienende Fotoboxen wie diese, auch Photobooth genannt, sind ein Phänomen, das seinen Ursprung in Japan hat. Inspiriert von den Sofortbild-Automaten, die sich früher unter anderem zur Passbilderstellung im Stadtbild fanden, sind sie dort bereits seit den 1990er Jahren unter dem Namen Purikura bekannt. Die mobilen Sets erfreuen sich seit einigen Jahren auch in unseren Breiten zunehmender Beliebtheit. Vorwiegend auf privaten Festen, insbesondere auf Hochzeiten, sind sie zu einer gern genutzten Party-Attraktion geworden, die nebenbei noch Erinnerungsfotos produziert, welche sich deutlich von den gestellten Gruppenaufnahmen vergangener Tage unterscheiden.

600 Bilder sind bei der klassischen Variante drin

„Ein Photobooth ist eine tolle Ergänzung meines Angebots“, sagt Marcus Möller, der neben seiner Tätigkeit als Web- und Grafikdesigner seit zehn Jahren auch als Hochzeitsfotograf unterwegs ist. 300 Bilder im Format 10x15 spuckt die Box aus, entscheidet man sich für die klassische Automaten-Variante mit drei untereinander auf einem Längsstreifen gedruckten Fotos sind es sogar 600. „Es gibt Kunden, die glauben, das sei nicht genug“, sagt Möller lächelnd, „meiner Erfahrung nach aber reicht das locker aus.“ Auf einem Monitor sind die Motive zu sehen, können mit Möllers Fotobox gleich als E-Mail oder in soziale Netzwerke verschickt werden und am Gerät ausgedruckt werden. Am Ende erhält der Gastgeber dann noch einmal alle Bilder als digitale Dateien.

Die nächste Box bekommt einen Greenscreen

„Natürlich gibt es viele andere Anbieter“, weiß auch Marcus Möller, „aber die meisten organisieren ihren Vertrieb ausschließlich über das Internet, verschicken einfach ein Paket. Ich komme, erkläre, helfe, bin die ganze Zeit erreichbar, kann mich im Notfall über LTE auch von außen aufschalten, um etwas an der Software zu bearbeiten und hole alles wieder ab.“ Mit diesem Rundum-Service will der Potsdamer punkten, Erweiterungspläne bestehen auch bereits. Eine zweite Anlage befindet sich im Bau. Und künftig soll es statt fester Hintergrundmotive auch einen Greenscreen geben. „Dann kann man verschiedene Bilder in den Hintergrund projizieren“, so Möller. „Erstmal wünsche ich mir aber vor allem eins: laufen soll’s!“ Der ganz große Traum indes ist ein eher altmodischer: „Irgendwann möchte ich einmal meinen eigenen Laden, mein eigenes Fotostudio haben.“

Info: Marcus Möllers Angebot kann man unter www.booth-leihen.de ordern.

Von Marcel Kirf

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