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Potsdam „Gustav“ dampft über die Havel in Potsdam
Lokales Potsdam „Gustav“ dampft über die Havel in Potsdam
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00:27 23.03.2018
Maschinist und Heizer Oliver Hildebrand hat die Kohlen für das Dampfmaschinenschiff „Gustav“ ins Lager geschippt. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Das Wasser wiegt „Gustav“ sanft im Heimathafen der Weissen Flotte Potsdam. Der schwarze Schornstein ragt in den Himmel. An Deck schippt Oliver Hildebrand an diesem letzten Märztag vor Frühlingsbeginn Braunkohlebriketts in große „Kohlebunker“, wie er die Laderäume im Schiff nennt. Zehn Tonnen passen hinein, die einzeln in 50-Kilo-Säcken geliefert und aufs Schiff getragen werden. „Gustav“ ist der letzte Dampfer in Potsdam. Er hat Kultstatus, denn von den historischen Dampfschiffen gibt es in Deutschland kaum mehr als zwei Hände voll.

In der Winterpause ist der halbe Motor des Dampfschiffes zerlegt worden. Die letzten Schrauben zieht Maschinist und Heizer Oliver Hildebrand in diesen Tagen an. Denn an Ostern dampft „Gustav“ mit gut zehn Stundenkilometern wieder fast lautlos, durchbrochen vom typischen Stampfen der Maschine über die Havel vorbei an Potsdams Schlössern und Gärten. „Das hier ist ehrliche und gut durchdachte Technik“, sagt Hildebrand. Da wird alles von Hand geölt, abgeschmiert, geschraubt und gehebelt.

Mit der „Gustav“ schippert ein Stück Geschichte Touristen über die Havel in Potsdam – vorbei an Schlössern und Gärten. Das Dampfmaschinenschiff ist 1908 gebaut worden und fast alles ist noch im Original erhalten. Unser Fotograf Bernd Gartenschläger hat „Gustav“ unter die Lupe genommen.

Und es wird geschippt unter Deck. Gut 225 Kilo Braunkohlebriketts werden während einer anderthalbstündigen Rundfahrt im Maschinenraum des ehemaligen Schleppers, der 1908 in Brandenburg an der Havel gebaut wurde und 2000 nach Potsdam als umgebauter Ausflugsdampfer überführt wurde, verheizt.

„Wir haben hier ein lebendes Denkmal“

In Zeiten von Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist die „Gustav“ kaum ein Paradebeispiel. 153 Tonnen Braunkohlebriketts zu je 200 Euro sind im letzten Jahr geordert worden. „Wir wissen um die Brisanz im Kontext Umweltfreundlichkeit“, sagt Jörg Winkel, Geschäftsführer der Weissen Flotte Potsdam. Muss man nun abwägen zwischen Emissionsschutz und einem Stück Historie?

Mit der „Gustav“ schippert ein Stück Geschichte Touristen über die Havel in Potsdam – vorbei an Schlössern und Gärten. Das Dampfmaschinenschiff ist 1908 gebaut worden und fast alles ist noch im Original erhalten. Unser Fotograf Bernd Gartenschläger hat „Gustav“ unter die Lupe genommen. Quelle: Bernd Gartenschläger

Winkel sieht in „Gustav“ die Möglichkeit, Menschen mit dem Flair der Vergangenheit vertraut zu machen. Er hat weniger Bedenken, denn noch werde schließlich auch Strom zum Großteil aus Braunkohle erzeugt. Oliver Hildebrand sagt: „Wir haben hier ein lebendes Denkmal.“ Und mit dem werde so wirtschaftlich wie möglich gefahren. Der Berliner, der zu DDR-Zeiten als Binnenschiffer ausgebildet wurde, ist ein sparsamer Dampfmaschinist. Er werfe lieber ein paar weniger Kohlen rein. Er weiß die Maschine gut einzuschätzen.

Feingefühl für ein Stück Geschichte

Die Weisse Flotte Potsdam möchte trotzdem in die Zukunft investieren. Nächstes Jahr ist ein Schiff mit Hybridantrieb geplant – dieselelektrisch. Gedampft wird trotzdem. „Unser Herz hängt daran und wir hoffen, dass ’Gustav’ bei guter Pflege noch lange auf dem Wasser fährt“, sagt der Geschäftsführer Jörg Winkel. Optimistische 100 Jahre stellt er als Zahl in den Raum. Nur am Nachwuchs für Steuer- und Heizraum mangele es. An junge Menschen sei trotz aktiver Suche derzeit kaum zu denken.

Flottenchef Jörg Winkler sucht nach Nachwuchs für die „Gustav“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Wer Heizer und Maschinist auf der „Gustav“ werden möchte, braucht das nötige Feingefühl für die alte Technik. Das meiste ist im Originalzustand. Das Schiff sei eigenwillig, manchmal würden Maschinen und Kessel auch mal „bocken“, sagt Dampfmaschinist Hildebrand. Dann brauche es „Liebe“, um es etwa beim Umsteuern wieder auf Kurs zu bringen. „Manchmal fühle ich mich wie ein Drehorgelspieler“, sagt der Schiffer. Die Ruhe, die Hildebrand sonst ausstrahlt, ist dann dahin und der schweißtreibende Teil setzt ein bei Temperaturen um mehr als 40 Grad.

Signale zum Umsteuern über den Telegrafen

Denn wenn der Dampfer vor oder zurück soll, ist der 50-Jährige dran. Der Kapitän sendet die Signale dazu über einen Telegrafen, für Feinabsprachen gibt es außerdem ein altes Sprachrohr.

Hildebrand brennt schon seit der Kindheit für das Wasser, für Schiffe – und „solange ich krauchen kann, bleibe ich“, sagt er.

Von Christin Iffert

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