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Potsdam Stadt Potsdam will Kinderbauernhof Groß Glienicke abreißen
Lokales Potsdam Stadt Potsdam will Kinderbauernhof Groß Glienicke abreißen
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19:18 30.01.2019
Der Kinderbauernhof Groß Glienicke. Quelle: Gerd Gröger
Groß Glienicke

Mit einer Mitteilungsvorlage will die Bauverwaltung Potsdams das Ende des Kinderbauernhofs Groß Glienicke besiegeln. Sie sollte prüfen, wie der Bauernhof übergangslos weitergeführt werden kann, kam aber zu dem Schluss, dass dies am jetzigen Standort nicht geht.

Sie führt drei Hauptgründe dafür an: Die Gebäude einer früheren Agrargenossenschaft wurden ohne Baugenehmigung saniert oder errichtet, sie stören das Landschaftsschutzgebiet, in dem sie liegen, und sie könnten eine neue Splittersiedlung entstehen lassen. Deshalb müssten alle Gebäude des Kinderbauernhofes und des Gewerbebetriebs daneben abgerissen werden.

Gerd Gröger, von 1991 bis 2009 Chef der Bauaufsicht des Landes Brandenburg, hat jetzt ein Gutachten geschrieben, das die seit Monaten gleiche Argumentation der Stadt zerlegt und einen Ausweg aus der Krise weist: Man müsse einen Bebauungsplan von jenseits der Glienicker Chaussee auf das Ex-LPG-Gelände ausdehnen, das nur 250 Meter entfernt auf der anderen Chaussee-Seite liegt, sagt er. Dann könnten Baugenehmigungen nachträglich beantragt werden; die Krise könnte enden.

Gröger hält die nachzureichenden Anträge für genehmigungsfähig und die Ablehnungsgründe der Stadt für nichtig. Er bestätigt dass man zur Sanierung alter und zum Bau neuer Objekte Genehmigungen braucht, widerlegt aber in allen anderen Punkten die Position der Bauverwaltung.

Wenn der Kinderbauernhof schließen muss, werden die Tiere vermutlich geschlachtet. Quelle: Spatzennest e.V.

Die Stadt will den Bauernhof auf Kosten des Trägervereins „Spatzennest“ auf die andere Straßenseite der Glienicker Chaussee in ein bestehendes Plangebiet verlegen. Das enthält aber eine Motocross-Strecke und liegt gleichfalls im Landschaftsschutzgebiet. Gröger zufolge entstünde mit dem Abriss am heutigen Standort ein Millionenschaden für den Grundstückseigentümer Michael Fruth und den Verein.

Die Bauaufsicht der Stadt hat gegen Fruth und den Trägerverein des Bauernhofes, die Elterninitiative der Kita „Spatzennest“, rund 20 Ordnungsverfügungen erlassen. Also gibt es gleich viele gerichtliche Verfahren mit entsprechend vervielfachten Kosten für die Betroffenen. Gröger findet, dass ein Verfahren mit Untergliederungen gereicht hätte. Er sieht die Kostensteigerung als von der Stadt gewollt an, um die Gegner in die Knie zu zwingen.

Konträr sind die Positionen der Stadt und des Kinderbauernhofs Groß Glienicke, den die Bauverwaltung abreißen möchte. Ein Millionenschaden droht dem Grundstückseigner und der Kindereinrichtung.

Die Stadt sieht in der heutigen Nutzung keine Fortführung der Tierhaltung aus DDR-Zeiten. Der Bauernhof und der kommerzielle Pferdestall genießen ihrer Ansicht nach keinen so genannten privilegierten Schutz wie einst die Schweinezucht, die 1992 aufgegeben wurde. Die heutige Nutzung sei keine Landwirtschaft, sondern eine „Hobby-Tierhaltung“, bei der Kinder an den Umgang mit Tieren herangeführt werden sollen. Die Nutzungsänderung lasse jeden Bestandsschutz verfallen.

In ihrer Mitteilungsvorlage an die Stadtverordneten zählt die Baubehörde auf, was ihrer Ansicht nach dem Vorhaben widerspricht:

Der Flächennutzungsplan der Stadt von 2014 stelle die betreffenden Flächen als Wald dar, heißt es. Falsch, sagt Gröger: Wald sei es schon seit den 1940er Jahren nicht mehr, als hier Flakstellungen zur Verteidigung des Berliner Flughafens Gatow eingerichtet wurden; einen Bunker gibt es immer noch. Der angebliche Wald sei ein Darstellungsfehler im Flächennutzungsplan der Stadt , der keine Flächen kleiner als zwei Hektar mit ihrer tatsächlichen Nutzung ausweise, also auch nicht die knapp 0,5 Hektar des Gesamtgrundstücks Eichengrund 11. Der Flächenplan habe die umgebende Waldnutzung einfach über das Grundstück hinweg gezogen; damit sei das Waldargument nichtig. Außerdem verzeichne die Waldkartierung des Landesforstbetriebes das betreffende Gelände ausdrücklich nicht als Wald.

Die Stadt verweist darauf, dass das Grundstück im LandschaftsschutzgebietKönigswald mit Havelseen und Seeburger Agrarlandschaft“ liegt, festgesetzt am 30.11.1998. Deshalb dürfe dort nichts gebaut werden. Doch der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller (Die Linke) konterte am Mittwoch erbost, die Stadt habe genau dies im selben Schutzgebiet am Rand von Golm und von Fahrland vor.

Und Gutachter Gröger erinnert daran, dass das damals noch zuständige Umweltamt des Landkreises Potsdam-Mittelmark schon Ende Juli 1999 eine Ausnahmegehmigung zum Bau eines Pferdeauslaufs, eines Wetterschutzes und eines Bewegungsplatzes mitten im Schutzgebiet erteilte. Das galt vorerst nur für zwei Jahre, aber in Grögers Augen wurde damit ein Wechsel von der landwirtschaftlichen Nutzung zur gewerblichen Tierhaltung genehmigt, die offenbar der Schutzgebietsverordnung nicht zuwider lief. Die drei Gebäude, die jetzt abgerissen werden sollen, existierten in ihren Außenmaßen schon mehr als 40 Jahre vor der Schutzgebietsausweisung durch den Landkreis, sagt Gröger. Groß Glienicke wurde im Oktober 2003 nach Potsdam eingemeindet.

Die Stadt fürchtet die Entstehung einer so genannten Splittersiedlung. Die größeren Bauten auf dem Gelände und ihre Nutzung könnten eine „unerwünschte Siedlungsentwicklung im Außenbereich“ einleiten, heißt es. Gröger zufolge muss man aber keine Splittersiedlung fürchten, weil die Gebäude der einstigen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) „Ernst Thälmann“ schon seit Mitte der 1950er Jahren eine solche Splittersiedlung bilden. Die Bebauung unmittelbar am Ortsrand von Groß Glienicke sei bis zu den Abrissen durch Michael Fruth nach 2006 viel massiver gewesen als heute. Gröger: „Es handelt sich nicht um eine Erweiterung der Splittersiedlung, da neue Gebäude nicht hinzu kommen“, sondern nur neue auf den Grundrissen der alten errichtet wurden.

Der Kinderbauernhof habe ein geändertes Konzept eingereicht, das an keinen bestimmten Standort gebunden sei, teilte die Stadt mit. Somit könne es auch an einem anderen Ort umgesetzt werden. Dazu hat die Stadt fünf Standorte in relativer Nähe geprüft, vier davon im Plangebiet 19 mit einer Motocross-Strecke und einem Gewerbegebiet darin. Sie hält einen dieser Standorte verträglich und glaubt, deshalb „auf eine Änderung des räumlichen Geltungsbereiches ... verzichten“ zu können, wie es die Vorhabenträger des Bauernhofes und Gutachter Gröger vorschlagen.

Stephan Albrecht, Vorsitzender der Elterninitiative Spatzennest, warnt davor, „Fluchttiere“ wie Ziegen, Schafe, Pferde oder Kaninchen in unmittelbarer Nähe zur aktiv betriebenen Motocross-Strecke einzustallen. Der Motorenlärm sei auch für Kinder zu laut und der Weg aus dem Ort über die Glienicker Chaussee zum Sportgelände „zu weit“ und ohne Erwachsenenbegleitung „unzumutbar“.

Die Stadt hält die Haltung von Kleintieren wie Kaninchen, Meerschweinchen, Vögeln oder Schildkröten für „unproblematisch“, sieht aber Ziegen und Schafe als „Großtiere“, bei denen man erhebliche störende Auswirkungen für Anwohner erwarten müsse; innerhalb oder direkt neben Wohngebieten sei soetwas unzulässig. Der Bauernhof benötige ein Grundstück, wo es keine Wohnnutzung, aber Tierhaltung gibt, und wo öffentliche Interessen nicht gestört werden. Oder es einen Bebauungsplan „mit spezieller Festsetzung“ – genau das wollen die Vorhabenträger mit der Ausweitung des Plans Nr. 19 erreichen.

Von Rainer Schüler

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