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Gutscheine statt Umtausch im Nach-Adventsgeschäft

Handel in Potsdam Gutscheine statt Umtausch im Nach-Adventsgeschäft

Der Warenumtausch nach Weihnachten sorgt nicht für Andrang in den Geschäften; das Geschäft läuft immer öfter über Gutscheine oder geschenktes Geld. Das Nutzerverhalten ändert sich, die Kultur des Schenkens auch

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Im Stern-Center löste gestern Familie Schmidt aus Beelitz ihre Geschenkgutscheine ein und kaufte Kleidung und Technik. (v.l.): Vater Sascha (48).Tochter Saskia (17) und Mutter Ute (47)

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Das gibt es natürlich immer noch: Geschenke unterm Weihnachtsbaum, neugierig Pakete aufreißen, ehrfürchtig silbriges Papier abwickeln, Kleidung anprobieren, Spielzeug ausprobieren. Aber diese schönen Sitten ändern sich. Die Kultur des Schenkens verfällt, weil all zu viele nicht mehr wissen, was sie schenken sollen, das auch ankommt beim Beschenkten. Groß ist allzu häufig die Enttäuschung auf beiden Seiten, wenn das Geschenk ein Missgriff war. Also machen es sich immer mehr Leute einfach: Sie stecken Gutscheine in Briefumschläge. So sorgen die ersten Nachweihnachtstage inzwischen nicht mehr für Umtauschhektik in den Geschäften. „Das ist schon seit ein paar Jahren spürbar: Es wird immer weniger umgetauscht“, sagt Tom Harrer, geschäftsführender Gesellschafter des MediaMarkts von Potsdam. Es werde in der umsatzstärksten Zeit des Jahres nicht mehr umgetauscht als zu normalen Zeiten. „Aber es werden mehr Gutscheine eingelöst. Damit macht man nichts falsch.“ Und viele Kunden sammeln Gutscheine von verschiedenen Schenkern für ein größeres Präsent, hat er bemerkt. Mit Gutscheinen könne man flexibler auf Wünsche eingehen, „Wünsche ändern sich mit Warenangeboten.“ Er habe den Eindruck, sagt Harrer, „dass noch nie so viel Musik gehört, fotografiert, gefilmt und Filme gesehen wurde.“ Das weckt den Wunsch nach viel, viel Speicherplatz: Externe Festplatten sind derzeit der Hit.

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Der Umtausch von Geschenken, die Einlösung von Gutscheinen und die Preissenkung von Saisonware beginnen

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Vor und nach Weihnachten wird jede Hand gebraucht im Markt, sind die Lager voll bis unter die Decke und die Monteure eines Vertragsunternehmens ohne Pause unterwegs; es herrscht Urlaubssperre. „Das ist in allen Branchen so“, sagt Harrer: „Wir bestellen öfter als üblich neue Ware.“ Gestern öffnete man sogar eine Stunde früher.

Auch im Buchhandel bringt die Umtauscherei niemanden ins Schwitzen. Im Internationalen Buch in der Innenstadt etwa war Umtausch gestern „kaum spürbar“, sagt Inhaber Stefan Bellien. Der Kauf per Gutschein aber nehme zu, der Durchschnitt liegt bei 30 Euro. Bellien versteht den Griff zum Geschenkkärtchen: „Bei der Hülle und Fülle des Angebots ist es schwer, sich zu entscheiden. Der Gutschein lässt dem Kunden freie Hand.“ Die ältere Generation wolle anfassbare Bücher schenken; „für die Jüngeren ist das überhaupt nicht wichtig.“ Ob das von Geschmack zeugt, sei dahin dahingestellt. In unserer Familie“, sagt Bellien, „schenkt jedenfalls keiner Gutscheine.“ Noch beliebter als Gutscheine sei vor allem unter Kindern und Jugendlichen Bargeld. Zu Bargeld machen kann man einen Gutschein oder ein Umtauschbuch bei ihm ab er nicht. „Das würde kein Buchhändler überleben.“

Ähnlich läuft es bei Parfumerien und Drogerien. Andrea Siede von der Parfumerie M. in Babelsberg hatte gestern keinen Umtausch: „Das ist schon seit Jahren so.“ Auch mit Gutschein wurde nicht bezahlt. Anders erlebte man das im RadHaus an der Wetzlarer Straße. Hier wurden gestern zwar nur ein Transportanhänger und etwas Zubehör umgetauscht, aber Alexandra Anger aus Michendorf bezahlte ein Fahrrad für ihre Tochter Emilia (10) mit gleich mehreren Gutscheinen – gesammelte Weihnachtsgeschenke aus der ganzen Familie.

Von Rainer Schüler

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