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Häme statt Hilfe für gestürzte Radfahrerin?

Potsdam Häme statt Hilfe für gestürzte Radfahrerin?

In der Potsdamer Innenstadt ist eine junge Radfahrerin beim Überholen einer wartenden Tram schwer gestürzt. Sie verklemmte sich in der Schiene und kippte um. Andere Radler halfen, der Tramfahrer hatte offenbar nur einen hämischen Spruch für die Frau.

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Die Tram hält an; Radfahrer in derselben Richtung fahren häufig links an der Tram vorbei und queren dabei die beiden Gleispaare – ein hohes Sturzrisiko.

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Am Nauener Tor ist Mittwoch früh eine Radlerin vor eine Straßenbahn gefahren und schwer gestürzt. Augenzeugen zufolge war die Bahn kurz vor acht Uhr in die Haltestelle eingefahren, und Fahrgäste betraten die Straße zum Einsteigen. Die junge Frau wollte das Ein- und Aussteigen offenbar nicht hinter der Tram abwarten und überholte den Zug verkehrswidrig auf der linken Seite. Als sie wieder auf die Fahrbahn zurückschwenken wollte, blieb sie mit einem Rad im Gleis hängen, konnte nicht mehr lenken und stürzte schwer. Sie verletzte sich erheblich an einem Bein, konnte aber mit Hilfe anderer Radfahrer aufstehen und ihr Rad zu ihrer Arbeitsstelle in der Nähe schieben. Der Straßenbahnfahrer kam ihr nicht zu Hilfe und sagte nach Auskunft der Augenzeugen über die Außenlautsprecher: „Das kommt davon, wenn man die Straßenbahn links überholt!“ Einen Krankenwagen wollte die junge Mutter, die einen Kindersitz auf dem Gepäckträger hatte, nicht. Die Polizei rief niemand.

Stadtwerke prüfen Verhalten ihres Fahrers

Stadtwerkesprecher Stefan Klotz erklärte, man prüfe den Sachverhalt. „Das Verhalten des Tramfahrers wurde in der geschilderten Form von Bürgerinnen und Bürgern an die Verantwortlichen der ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH herangetragen und wir nehmen dies sehr ernst“, so Klotz. Es gebe aber auch „abweichende Darstellungen“. Falls es sich so zugetragen haben sollte, stünde dies „im krassen Gegensatz zu dem, was wir von unseren Fahrern erwarten“, sagte der Unternehmenssprecher.

Fahrradunfälle haben in Potsdam eine traurige Tradition: Erst am 10. Juli war ein 72-jähriger Radfahrer in der Charlottenstraße mit seinem Rad in die Gleise der Straßenbahn geraten und so schwer gestürzt, dass er zwei Tage später im Krankenhaus starb. Er hatte keinen Helm getragen und schwere Kopfverletzungen erlitten. Der Mann war unterwegs in Richtung Luisenplatz, als er in die Schienen fuhr, ins Schlingern geriet und vom Rad stürzte.

Straßenbahngleise auf der Fahrbahn bringen Radfahrer immer wieder in Gefahr. Als besonders tückisch gilt die Stelle in der Babelsberger Rudolf-Breitscheid-Straße in Höhe S-Bahnhof, wo der Radweg plötzlich endet und ins Gleisbett mündet. Dort stürzen immer wieder Radfahrer. Im September 2015 verunglückte dort eine 52-Jährige und blieb, bis Hilfe kam, bewusstlos auf der Straße liegen.

Unfall am Nauener Tor endet tödlich

Am 22. Juni 2016 war ein 14-jähriger Radfahrer am Nauener Tor bei einem Zusammenstoß mit einem Bus verunglückt. Der Junge, der die Vorfahrt missachtet hatte, erlitt Kopfverletzungen, die jedoch nicht lebensbedrohlich waren.

Im November 2015 starb fast an gleicher Stelle eine 19-jährige Radlerin. Ein Sattelschlepper überrollte die junge Frau beim Abbiegen. Der Unfall hatte eine Debatte über die Sicherheit von Radlern in der Landeshauptstadt ausgelöst. Ein „Geisterrad“ erinnert an das tragische Unglück.

Autofahrer dürfen an haltenden und Straßenbahnen nur vorsichtig vorbeifahren. Links überholen darf man solche Fahrzeuge nur, wenn die Gleise eng an der rechten Straßenkante liegen oder in Einbahnstraßen.

Von Rainer Schüler

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