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Haftstrafe für Messerattacke im Asylheim

Verurteilter muss 15.000 Euro Schmerzensgeld zahlen Haftstrafe für Messerattacke im Asylheim

Zwei Asylbewerber aus dem Tschad gerieten am Abend des 20. April im Flüchtlingsheim in Beelitz-Heilstätten (Potsdam-Mittelmark) in Streit. Der 33-jährige Bashir N. hat nur durch ein Wunder überlebt. Für die brutale Messerattacke wurde der 23-jährige Shukri M. am Dienstag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Shukri M. stach sechs Mal auf Bashir N. ein.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Beelitz-Heilstätten. Dreieinhalb Jahre muss der aus dem Tschad stammende Asylbewerber Shukri M. (23) hinter Gitter, weil er einen Landsmann (33) im Flüchtlingsheim in Beelitz-Heilstätten lebensbedrohlich mit einem Messer verletzt hat. Zu diesem Urteil kam am Dienstag das Schöffengericht am Amtsgericht Potsdam unter Vorsitz von Richterin Reinhilde Ahle. Shukri M. muss seinem Opfer auch 15.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Sechs aufwendige Verhandlungstage mit doppelter Dolmetscherbesetzung (von Gorane ins Französische, vom Französischen ins Deutsche – und umgekehrt) waren dem Urteil vorausgegangen. Bei der Beweisaufnahme gingen Gericht, Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung äußerst sorgfältig vor. So baten sie den Hauptbelastungszeugen und Nebenkläger Bashir N. am Dienstag erneut in den Zeugenstand, um sich nochmals minutiös schildern zu lassen, wer sich am Tattag wann wo aufgehalten und wer was getan oder gesagt hat. Auch der Angeklagte, der es vorgezogen hatte zu schweigen und lediglich über seinen Verteidiger die Erklärung abgab, dass er in Notwehr gehandelt habe, wurde immer wieder gefragt, ob er nicht doch eine Aussage machen wolle. Denn bis zum Ende des Prozesses war nicht klar, weshalb es zwischen den beiden Männern, deren Verhältnis von Mitbewohnern als gut beschrieben wurde, am Abend des 20. April überhaupt zur Eskalation im Duschraum der Gemeinschaftsunterkunft gekommen war.

Streit um Alkoholkonsum als Auslöser

Offenbar hatten sich schon in den Wochen zuvor Spannungen aufgebaut. Beide Männer sind Moslems. Bashir N. soll immer öfter den Lebenwandel des Angeklagten kritisiert haben, vor allem dessen Alkoholkonsum. Am Tattag gerieten die beiden im Zuge der rituellen Waschungen vor dem Gebet in Streit. Sie fingen eine Schlägerei an. Dann kam das Messer ins Spiel. Die DNA-Analyse legt nahe, dass beide Männer das Messer in der Hand hatten. Doch wer hat es gezogen?

Unstrittig ist, dass Shukri M. sechs Mal auf Bashir N. eingestochen hat: zwei Mal in die linke Brust, zwei Mal in die rechte und zwei Mal in den Genitalbereich. "Es handelt sich um eine äußerst brutale Tat mit ganz erheblichen Verletzungen", so Staatsanwalt Knut Kreschel. "Der Geschädigte war so gut wie tot und hat nur durch ein Wunder überlebt." Notarzt und Sanitäter brauchten allein zwei Stunden, um ihn so zu stabilisieren, dass er überhaupt transportfähig war und zur Not-OP in die Klinik geflogen werden konnte. "Wäre die Tat im Tschad passiert, wäre er gestorben", mutmaßt Kreschel.

Der Staatsanwalt war zunächst von einem vorsätzlichen Tötungsversuch ausgegangen, hatte davon aber Abstand genommen, weil Shukri M. die Tat abgebrochen habe. Angeklagt war eine gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit einer versuchten schweren Körperverletzung – diese besteht darin, dass der Angeklagte in Kauf genommen habe, dass das Opfer seine Zeugungsfähigkeit verliert. Kreschel forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Die Nebenklage-Vertreterin Nadine Arndt schloss sich an.

Verteidiger beruft sich auf Notwehr

Auf Freispruch plädierte indes Shukri M.s Verteidiger Alexander Kleinert. Er berief sich auf Notwehr. Demnach war es Bashir N., der das Messer zog. Der Angeklagte soll ihn entwaffnet und sich damit weiter gegen ihn verteidigt haben, weil Bashir N. zu einem Schrubber griff. "Faust, Messer, Stock – dieses Angriffs durfte er sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erwehren", so Kleinert. "Eine Verhältnismäßigkeitsprüfung musste er nicht unternehmen, bis der Angriff für ihn beendet war. Insofern ist die durch den Angeklagten begangene Tat gerechtfertigt."

Shukri M. muss die Strafe in Deutschland absitzen. Wie berichtet, gilt die Abschiebung danach als sicher.

Von Nadine Fabian

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