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Potsdam Haftstrafe für Michendorfer Posträuberin
Lokales Potsdam Haftstrafe für Michendorfer Posträuberin
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17:43 02.02.2016
Schock für die Mitarbeiterinnen der Michendorfer Postagentur: Vor einem Jahr wurden sie Opfer eines bewaffneten Überfalls. Quelle: Foto: Jens Steglich
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Michendorf/Potsdam


Es klingt wie eine Räuberpistole: Eine alleinerziehende Mutter, in Sorgerechtsstreit mit dem Ex, sorgt auch finanziell allein für sich und ihre 14-jährige Tochter. Sie führt in Berlin ein Internetcafé, gründet ein Taxiunternehmen, verschuldet sich. Als ein Geldgeber sie erpresst, die Tochter bedroht, setzt sie seinen Plan um: Sie nimmt einen ungeladenen Trommelrevolver, gibt die Adresse der Postagentur in der Potsdamer Straße in Michendorf in ihr Navi ein, fährt mit einem ihrer Taxis los, tauscht unterwegs die Nummernschilder und überfällt am 23. Februar 2015 auftragsgemäß die Filiale.

Nun muss die 48 Jahre alte Mutter für sechseinhalb Jahre in Haft. Es ist eine Gesamtstrafe für zwei Überfälle, die das Landgericht Potsdam am Montag verhängt. Weil dem Kreditgeber die Beute aus Michendorf (rund 430 Euro Bargeld und 4760 Euro in Brief- und Paketmarken) nicht reichte, schlug Colpan K. 20 Tage später in einer Berliner Postfiliale erneut zu. Sie wurde ertappt und vom Landgericht Berlin im Vorjahr zu einer Haftstrafe von fünf Jahre und neun Monaten verurteilt, die sie im Berliner Frauengefängnis absitzt.

Die Räuberin war schon vom Berliner Landgericht verurteilt worden

Man habe die Berliner Strafe „moderat erhöht“, so der Vorsitzende Potsdamer Richter Theodor Horstkötter. Das Urteil der Kollegen sei „nach allem, was wir jetzt wissen, relativ hoch ausgefallen“. Die Hauptstadt-Richter hatten Colpan K. die Story von dem Auftraggeber nicht abgekauft – weil die Physiotherapeutin aus Istanbul nur vage von einem „Ali“ gesprochen hatte. Wohl aus Angst, der Kreditgeber könne sich rächen. Im Potsdamer Prozess schließlich nannte die Räuberin Ross und Reiter: Nicht irgendein Ali, sondern Attila G., Mitglied der kurdischen Arbeiterpartei PKK, soll ihr 10 000 Euro gepumpt haben.

G. gibt sich bald nicht mehr mit der Rückzahlung von 500 Euro monatlich zufrieden. Er will 7000 Euro zurück. Sofort. Anderenfalls werde er der Tochter weh tun, sie zur Prostitution zwingen. „Triebfeder für die Tat war der massive äußere Druck“, so Horstkötter. Die nachvollziehbare Angst der Mutter und auch ihr Geständnis sprächen zu ihren Gunsten. Gleichzeitig ließe sich eine kriminelle Energie nicht abstreiten, schließlich sei sie abgeklärt vorgegangen, als sie mit Sturmhaube maskiert zwei Mitarbeiterinnen und eine Kundin bedrohte. Von einem minderschweren Fall mit einer Maximalstrafe von sechs Jahren, wie von der Verteidigung gefordert, könne deshalb keine Rede sein. Zudem sei Colpan K. wegen versuchter Nötigung und versuchten Betrugs vorbestraft. Anwalt Steffen Kalauch hat zuvor um Milde für seine Mandantin geworben: „Sie hat ja nicht die Deutsche Bank überfallen.“ Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gesamtstrafe von sieben Jahren für die Berlinerin gefordert, die teils in Selbstmitleid zerfließe.

Colpan K. mit Kopftuch und Strickweste kämpft auf der Anklagebank immer wieder mit den Tränen. Ihre inzwischen 15 Jahre alte Tochter wird derzeit von einer Freundin betreut. Wie es für das Mädchen mit einer inhaftierten Mutter weitergeht, ist offen.

Ziel von Überfallen

Die Postagentur in der Potsdamer Straße in Michendorf wird immer wieder von Räubern heimgesucht: Schon vier Mal wurde der Laden überfallen.

Warum die Berlinerin Colpan K. ausgerechnet die Michendorfer Postagentur überfiel, wurde nicht klar. Wenige Tage vor dem Überfall im Februar 2015 hatte sie die Gegend bereits gemeinsam mit ihrem „Auftraggeber“ ausgekundschaftet.

Von Marion Kaufmann

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