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Potsdams OB gerät unter Druck

Hallen-Schließung am Luftschiffhafen Potsdams OB gerät unter Druck

Oberbürgermeister Jann Jakobs gerät wegen der seit Wochen gesperrten Sporthallen immer mehr unter Druck. Kritiker werfen ihm vor, dass er den Bauskandal und die Suche nach Ausweichmöglichkeiten für die Sportler nicht längst zur Chefsache erklärt hat. Im MAZ-Gespräch weist er die Vorwürfe zurück. Derweil gibt es Hoffnung für die Schwimmer.

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Jann Jakobs gerät unter Druck.

Quelle: Julian Stähle

Luftschiffhafen. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gerät wegen seines Krisenmanagements in der Hallen-Affäre am Luftschiffhafen immer weiter unter Beschuss. Kritiker werfen ihm nun vor, den drohenden Image-Schaden für die Sportstadt Potsdam auf die leichte Schulter zu nehmen, indem er sich nicht selbst in die erste Reihe stellt bei der Aufklärung und der Suche nach Alternativen.

Wie berichtet, hat Jakobs nicht selbst den Vorsitz für die neue, wöchentlich tagende Luftschiffhafen-Projektgruppe übernommen und stattdessen seine Sportbeigeordnete Iris Jana Magdowski (CDU) damit betraut, der er deswegen auch noch kurzfristig den lang geplanten Urlaub per schriftlicher Verfügung kassierte.

Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg zeigte sich am Dienstag "verwundert" darüber, dass sich Jakobs nicht "mit seiner ganzen Autorität" der Problematik annimmt: "Ich bin der Auffassung, dass dies die Voraussetzung für eine wirksame Lösung verbessern würde, schon allein wenn es um die Gespräche mit dem Land und dem Bund über die mögliche Streichung der Fördermittel für den Luftschiffhafen geht."

Seit Wochen gesperrt: Die Leichtathletikhalle am Luftschiffhafen fehlt den Sportlern.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Für öffentliches Kopfschütteln sorgte am Dienstag auch Jakobs Umgang mit seiner Sportbeigeordneten. Wie berichtet, hatte Jakobs am Montag Knall auf Fall Magdowskis lang geplante Schweiz-Reise untersagt, wo Magdowskis blinder Ehemann an einem Skilanglauf-Spezialprogramm teilnehmen wollte. Die Dezernentin saß bereits auf gepackten Koffern, als sie die Anweisung bekam.

Schützenhilfe bekam die CDU-Frau am Dienstag sogar von der Fraktion Die Andere: "Statt für eine schnelle Lösung des Problems zu sorgen, ist der Oberbürgermeister darum bemüht, sich selbst vor öffentlicher Kritik zu schützen und seiner Sportbeigeordneten den Schwarzen Peter zuzuschieben. Dass der Oberbürgermeister ihr kurzfristig einen bereits bewilligten Urlaub strich, trägt nicht zur Problemlösung bei", kritisierte der Stadtverordnete Sandro Szilleweit. "Es ist zu bezweifeln, dass eine öffentlich durch den Oberbürgermeister beschädigte Beigeordnete leichter in der Lage ist, eine Lösung für die Sporthallen im Luftschiffhafen zu finden", sagte Szilleweit. Seine Empfehlung: Lieber sollte sich das Stadtoberhaupt "an die tatsächlich Verantwortlichen halten".

Luftschiffhafen-Chef Andreas Klemund sei "bisher nur dadurch aufgefallen, mit einem Segway-Mobil durch das Gelände zu fahren und drastische Maßnahmen gegen kiffende Sportschüler zu verlangen". Sollte Klemund seiner Aufgabe nicht gewachsen sein, "sollte der Oberbürgermeister einen geeigneteren Geschäftsführer für den Sportpark Luftschiffhafen präsentieren", fordert die Fraktion Die Andere.

Die Vorwürfe gegen ihn lässt Jakobs nicht auf sich sitzen. Im MAZ-Interview verwies er am Dienstag auf den Geschäftsverteilungsplan in der Verwaltung. Zu Magdowskis Verantwortungsbereich würde der „gesamte Sportbereich und damit auch die Zuständigkeit für den Luftschiffenhafen“ gehören, erklärte Jakobs: „Insoweit sind die beklagenswerten Probleme im Luftschiffhafen bereits Chefsache, nämlich bei Frau Magdowski.“ Zudem würde ihm die sogenannte „Task Force“ wöchentlich persönlich über die Entwicklungsschritte Bericht erstatten.

Zur verfügten Urlaubssperre heißt es aus dem Rathaus: „Aufgrund ihrer unmittelbaren fachlichen Zuständigkeit ist die Anwesenheit von Frau Magdowski im Augenblick unabdingbar.“ Weil die Dezernentin, die im letzten Jahr bei einem Diensttermin verunglückte, im Februar zu einer längeren Reha fahren muss, müsse sie jetzt vor Ort bleiben.

Interview: Jann Jakobs will höchstmögliche Transparenz

  Was soll die Arbeitsgruppe zum Luftschiffhafen bringen, mit deren Leitung Sie die Sportbeigeordneten Magdowski betraut haben?
Jann Jakobs: Sie ist ein deutliches Zeichen in Richtung aller von der Hallenschließung betroffenen Sportlerinnen, Sportler und Vereine. Außerdem habe ich angewiesen, dass regelmäßig in einem Jour Fixe alle diese Personen und Gruppen mit höchstmöglicher Transparenz informiert werden, an der es offensichtlich bisher gemangelt hat.

Warum ist der Baubeigeordnete Klipp nicht Mitglied der Arbeitsgruppe? Immerhin hat „seine“ Bauaufsicht die Sperrung der Hallen verfügt. Und wäre es nicht sinnvoll, wenn Sie eine Projektgruppe zusammenstellen, der auch Mitglieder des damaligen Projektteams angehören, das mit der Hallensanierung betraut war?
Jakobs: In der Task Force, die mir persönlich wöchentlich berichtet, sind all diejenigen Personen und Institutionen integriert, die für die jeweils anstehenden Problemlösungen unmittelbar zuständig sind. Darüber hinaus ist sichergestellt, dass weiterer Sachverstand der Verwaltung abrufbar ist und zur Verfügung steht. Das gilt auch für die Bauaufsicht.  

Wie begegnen Sie der Kritik des Landes, dass die Stadt die Gründe für die Schließung der Hallen nicht überzeugend genug darzulegen vermochte?
Jakobs: Die dem Land vorliegenden Informationen sind offenbar nicht nachvollziehbar dargelegt worden. Zur Beantwortung ist dem Geschäftsbereich Bildung, Kultur und Sport bis zum 17. Januar eine Frist eingeräumt worden. Die Beantwortung wird innerhalb dieser Frist erfolgen. Zudem wird es kurzfristig einen Termin mit Vertretern des Bundes, des Landes, des Olympiastützpunkts und der Sportschule geben.

Hoffnung für Schwimmer
Die neueste Prüfung durch einen zweiten Statiker, der hinzugezogen wurde, hat bestätigt: Das Dach ist überlastet. Ohne eine Verringerung der Dachlast der Leichtathtletikhalle ist keine Nutzungsfreigabe der Halle möglich. Das teilte Petra Runge, Bereichsleiterin Technik bei der Pro Potsdam, mit.

Die Schwimmhalle könnte – im günstigsten Fall – im Mai wieder genutzt werden. Vorausgesetzt man findet keine Spannungsrisskorrosion. Jann Jakobs war Ende Dezember (siehe Video) noch wesentlich pessimister gewesen.

Signal an die Sportschule: „Zum Schuljahr 2014/15 wird es so oder so eine Lösung zu dem Thema geben. Entweder es wird in der alten Halle geschwommen, oder bis dahin gibt es eine provisorische Lösung.“   Deshalb sollte es bei Neueinschulungen keine Probleme geben.

Für eine Halle mit Becken gibt es drei potenzielle Fläche, sagte Luftschiffhafen-Geschäftsführer Andreas Klemund am Dienstag vor dem Ausschuss, unter anderem den Naturrasenplatz am Luftschiffhafen, der von Turbine genutzt wird

REAKTIONEN

Horst Heinzel, CDU : Das ist eine Sache, die so prekär ist, dass sie unbedingt hätte Chefsache werden müssen. Es handelt sich um übergreifende Geschäftsbereiche. Wie soll Frau Magdowski dem Pro-Potsdam-Geschäftsführer Müller-Zinsius sagen, was er zu tun hat? Da ist der Oberbürgermeister weisungsberechtigt. Angesichts des Ausmaßes an Image-Schaden, der nun auf Potsdam zukommt, ist es seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, das in die Hand zu nehmen.

Peter Schultheiß, Potsdamer Demokraten : Ich finde die Arbeitsgruppe richtig, hätte sie mir aber schon viel früher gewünscht. Die Hilfe für den Spitzen- und Breitensport kommt zu spät. Das Beiziehen der Akten war zu wenig. Dass Herr Jakobs den Urlaub seiner Sportbeigeordneten kurzfristig widerrufen hat, finde ich in Ordnung. Er hatte wahrscheinlich wenig anderen Spielraum, weil die „Karre“ in der Hallen-Misere mittlerweile schon so festgefahren ist.

Wolfhard Kirsch, Bürgerbündnis : Die Frage ist, ob Frau Magdowski alleine ausreicht, um das Problem zu lösen? Wäre es nicht sinnvoller, dass Oberbürgermeister Jakobs gemeinsam mit ihr versucht, Lösungen zu finden, anstatt zu sagen: „Mach mal!“ Er sollte mit anpacken! Außerdem geht es momentan ja nicht nur um die Beschaffung von Sportkapazitäten. Das zweite Problem sind die Baumängel. Da würde ich mir wünschen, dass man Frau Magdowski jemand Externen zur Seite stellt.

Saskia Hüneke, Bündnisgrün e: Man wird darüber reden müssen, ob diese Projektgruppe ausreicht, oder ob die Stadtverordneten nicht doch noch stärkere Maßnahmen ergreifen.
Johannes von der Osten-Sacken, FDP: Um erfolgreich zu sein, muss die Beigeordnete volle Rückendeckung von Jakobs erhalten. Das sehe ich aber nicht.

Interview/ Text von Ildikoa Röd

AUF EIN WORT

Schroffe Töne

Der unüblich schroffe Tonfall von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) gegenüber seiner Sportdezernentin im Streit um das Sportstättenfiasko ließ schon länger aufmerken. Ist die SPD nach der vermasselten Bundestagswahl echt so dünnhäutig? Das ist Fakt: Als Schwimm- und Leichtathletikhalle von der Luftschiffhafen GmbH übernommen wurden, war Iris Jana Magdowski (CDU) noch gar nicht in Potsdam. Ihre Wahl fiel aber zusammen mit der von Pannen und Querelen begleiteten Bestellung des SPD-Mannes Andreas Klemund zum Chef dieser Luftschiffhafen GmbH, die nur durch einen zufälligen Wassereinbruch überhaupt entdeckte, dass die Hallen kaputt sind. Magdowski hat bei schwierigen Baustellen wie dem Bildungsforum und dem Museum gezeigt, was sie auch ohne kommunalpolitische Hausmacht vermag. Es hat ein Geschmäckle, dass Jakobs die CDU-Frau nun als Krisenmanagerin vorschickt, statt sich selbst um dieses kommunalpolitische Himmelfahrtskommando zu kümmern. Allerdings ist es gut möglich, dass die erfahrene Juristin Rathaus und Öffentlichkeit einmal mehr eines Besseren belehrt. Dafür wäre dann nicht nur ihre Partei zu Dank verpflichtet.

Volker Oelschläger

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