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Potsdam Haltestelle am Stadthaus ist eine Herausforderung
Lokales Potsdam Haltestelle am Stadthaus ist eine Herausforderung
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09:16 06.06.2014
Die Straßenbahn ist weit weg von der Haltestelle am Stadthaus, doch Fahrgäste stehen schon auf der Straße, die dieselbe Höhe hat wie der Gehweg und aussieht, als wäre sie ein Teil davon. Eine hohe Bordsteinkante würde das verhindern, wäre aber nicht behindertengerecht. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Lange wurde sie gefordert, lange wurde sie gebaut, jetzt ist die barrierefreie Haltestelle vor dem Stadthaus fertig. Rund 30.000 Euro hat die Neugestaltung gekostet; die Verbände und die Anwohner haben sie gebilligt; die Stadtwerke und der Verkehrsbetrieb finden sie beispielhaft. Trotzdem ist sie ein Gefahrenpunkt, den zu beherrschen man erst lernen muss.

Nach dem Vorbild der Berliner und der Charlottenstraße hat man im Haltestellenbereich die Fahrbahn zwischen dem Gehweg und dem Einstieg von Tram und Bus auf Gehwegniveau gehoben; Behinderte und Kinderwagen kommen fast barrierefrei ins Fahrzeug; Kap-Haltestelle nennen die Experten das. Doch die Verkehrsführung ist verwirrend, stadtauswärts anders als stadteinwärts: In Richtung Alleestraße wird die erhöhte Fahrbahn nur von Radlern genutzt; Autos fahren "unten" auf der im Asphalt versenkten Tramtrasse. Rudelweise waren am Donnerstag Radfahrer zu beobachten, die den ansteigenden Radweg als Teil des Gehweges sahen und lieber den Autos auf die Schienen folgten.

Vor dem Ärztehaus an der neuen Haltestelle schwenkt ein Trupp Radler vom Radweg runter auf die Straße, die hier nur für Autos, Busse und Bahnen da ist. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auf der anderen Straßenseite dürfen die Autos die Tram-Strecke gar nicht benutzen und müssen die erhöhte Piste daneben nehmen, die sie sich noch mit den Radlern teilen, die keinen Radweg markiert bekommen haben. Also läuft der Kfz-Verkehr stadtauswärts unten, stadteinwärts oben.

Weil es keine nennenswerte Bordsteinhöhe mehr gibt zwischen Gehweg und Straße oder Radweg, werden die beiden angehobenen Fahrbahnen eben für einen Teil des Gehweges gehalten; das tun auch Menschen, die auf Bus oder Bahn warten und das dann auf der Fahrbahn tun. Die „Abbruchkante“ zur tiefer liegenden Straße ist immerhin mit hellen Noppensteinen markiert, was vor allem Sehbehinderte zu schätzen wissen. Für sie wurde auch ein Leitsystem in die Wege vor dem Stadthaus und über die dortigen Treppenstufen gelegt, mit Längsrillen für den geraden Weg und Noppensteinen für Abzweige und die Einstiegsmarkierung: Hier halten Bus und Bahn mit ihrer ersten behindertengerechten Tür.

Stephanie Seidel (blind, oben links):„Das ist ein Vorzeigeobjekt. Ich komme mit dem Blindenleitsystem gut zurecht. Es sollte aber auch über die Treppen gehen. Die höhere Fahrbahn betrete ich nur, wenn die Tram da ist.“Kai Okurka (Rollstuhlfahrer, oben rechts): „Ich finde die Haltestelle ganz gut, doch das mit der Straße könnte gefährlich werden. Viele Haltestellen sind noch immer viel zu eng für Rollstuhlfahrer: Da wird nur das Nötigste getan.“Kristin Weber:„Das ist jetzt besser hier. Die Autofahrer werden gezwungen, mehr aufzupassen. Auch für behinderte und ältere Menschen ist es viel leichter, in die Tram hinein zu kommen.“Achim Lehman: „Das sieht eigentlich ganz gut aus. Aber ich sehe die Gefahr, dass mancher die hohe Straßenkante hinunterstürzt. Wenn ein Radler unaufmerksam ist, kann er ins Tram-Gleis geraten.“ Quelle: MAZ

Es bedurfte vieler Diskussionen und Abwägungen, um die jetzige Kompromisslösung zu finden. Wie der technische Geschäftsführer des Verkehrsbetriebes Vip, Oliver Glaser, der MAZ sagte, waren gleich mehrere Probleme zu lösen: Zunächst sind die Einstiegshöhen bei Bussen und Bahnen unterschiedlich. Dann liegen die Fahrzeuge je nach Beladung verschieden tief. Bei der Tram kommt hinzu, dass die Räder in der Betriebszeit immer kleiner und die Schienen immer abgefahrener, also flacher werden. Trotzdem müssen sich die Fahrzeugtüren trotz Maximalbeladung und trotz größter Radabnutzung problemlos öffnen. Leere oder schwach genutzte Fahrzeuge liegen aber höher als der Rest, was einige Rollstuhlfahrer gestern merkten: Sie kamen nur mit Schwung oder auf einer vom Fahrer ausklappbaren Rampe in die Tram.

Die in sechs Bauabschnitte geteilte Friedrich-Ebert-Straße zwischen dem Nauener Tor und der Alleestraße wird seit März 2013 von Grund auf saniert und modernisiert; die Hälfte der Strecke ist geschafft. 2,7 Millionen Euro hat der Teil bis zum Stadthaus gekostet. Die gesamte Straße steht mit sieben Millionen im Plan, von denen laut Stadtwerkechef Wilfried Böhme allein 4,1 Millionen auf die unterirdische Erneuerung des Wasser-, Abwasser- und Gasrohrnetzes entfallen. Ende November soll auch der Rest der Straße fertig sein; dann sind die Bahnen zwei, die Busse drei Minuten schneller als jetzt. Die nunmehr breitere Tram-Trasse bietet genügend Platz für zukünftige, geräumigere Straßenbahnen. Mehr Verkehrssicherheit für Fußgänger wurde nun durch eine Ampel-Anlage vor dem Rathaus erreicht. Der am 2. Juni begonnene zweite, kleinere Teilabschnitt umfasst lediglich die Neuordnung der unterirdischen Leitungssysteme und den Neubau der Hausanschlüsse zwischen Helene-Lange-Straße und Alleestraße. Eine Umverlegung von Tram-Gleisen ist hier nicht erforderlich.

Drei Partner, ein Projekt

  • Von März 2013 bis November 2014 beackern drei Bauherren den Abschnitt zwischen Nauener Tor und Alleestraße.
  • Der Energieversorger EWP wechselt die maroden Trinkwasser-,Mischwasser-, Gas- und Stromleitungen aus und nimmt sie unter der Tram weg in Seitenlage, damit nicht bei jeder Havarie der Schienenverkehr stillsteht. Die Erneuerung der Trink- und Abwasserleitungen schlägt mit 4,4 Millionen Euro zu Buche.
  • Die Stadt Potsdam schließlich kümmert sich um die behindertengerechte und weniger gefährliche Haltestelle für Tram und Busse vor dem Stadthaus mit einem überfahrbaren Steg für Autofahrer. Dieses Modell wurde in der Berliner Straße gebaut, ist aber umstritten. Die Gesamtkosten für die Maßnahme liegen bei 7,1 Millionen Euro.
  • Der Potsdamer Verkehrsbetrieb Vip ist für die Erneuerung von Gleisen und Haltestellen mit 2,5 Millionen dabei.
  • Rund 200.000 Euro kostet die Erneuerung der Gehwege.

Von Rainer Schüler

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