Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Chef der Pillenbande muss lange in Gefängnis
Lokales Potsdam Chef der Pillenbande muss lange in Gefängnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:03 20.05.2015
Für den Handel mit gefälschtem Viagra muss ein Mann nun lange ins Gefängnis. Quelle: dpa
Anzeige
Potsdam

Mit gefälschten Potenz- und Schlankheitsmitteln sollen Betrüger ein Millionengeschäft im Internet gemacht haben. Nun ist der mutmaßliche Chef der sogenannten Pillen-Bande zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Die Richter am Landgericht Potsdam sahen es als erwiesen an, dass der 45-Jährige federführend mit einem Netz aus Webmastern gefälschte Potenz- und Schlankheitsmittel über das Internet vertrieben hat.

Vier Komplizen wurden ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt - teils mit Bewährung. Zuvor hatte das Gericht in mehreren Prozessen zwölf Mitglieder der „Pillen-Bande“ zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt. Mindestens ein weiterer Prozess gegen weitere mutmaßliche Bandenmitglieder ist noch geplant - er war wegen des Todes eines Schöffen geplatzt.

300.000 Bestellungen in drei Jahren

Insgesamt soll die „Pillen-Bande“ von 2008 bis 2011 knapp 300.000 Bestellungen abgewickelt und rund 21,5 Millionen Euro umgesetzt haben. Auf den Webseiten „Männerapotheke“ und „Pillendienst“ hat sie nach Überzeugung des Gerichts „professionell und ohne Skrupel“ die gefälschten Präparate vertrieben.

Gemeinsam mit dem 45-Jährigen wurden am Dienstag drei Webmaster zu zwei Jahren Haft und ein weiterer Komplize wegen versuchten Betrugs und Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. „Sie waren alle auf das schnelle Geld aus“, erklärte der Vorsitzende Richter Andreas Dielitz das Motiv aller Männer.

"Immenses Gesundheitsrisiko"

Die Produkte hatte sich die Bande in großen Mengen aus Indien und China besorgt. „Verschreibungspflichtige Medikamente über das Internet zu verkaufen, stellt ein immenses Gesundheitsrisiko da. Den Tätern war aber völlig egal, ob den Medikamentenkäufern durch die Einnahme etwas passiert“, unterstrich Dielitz.

Für das Gericht sei schnell klar gewesen, das der 45-Jährige der Kopf der Bande war. Er hat seinen Komplizen ein Geflecht aus Firmen und Konten zur Verfügung gestellt, selbst Präparate verschickt und ist bei internen Unstimmigkeiten in der Bande als Berater und Moderator aufgetreten. Stärkstes Indiz sei jedoch, dass er sich mehr als 1,8 Millionen Euro vom Umsatz in die eigene Tasche eingesteckt habe - und damit mehr als das Doppelte als andere höherrangige Bandenmitglieder.

Staatsanwaltschaft wollte höhere Haftstrafe

Mit der verhängten Strafe sei der 45-Jährige noch gut bedient. „Nach dem Verfahrensverlauf hätte man mit einer sehr viel höheren Haft rechnen können“, sagte sein Verteidiger Werner Siebers. Die Staatsanwaltschaft hatte auf sieben Jahre und 10 Monate plädiert. Als Milderungsgrund hatte Richter Dielitz das umfassende Geständnis angerechnet.

„Wir hoffen, mit dem jetzt vor dem Landgericht erreichten Erfolg für zukünftige Fälle eine abschreckende Wirkung erreicht zu haben“, erklärte die Rechtsanwältin Marina Bloch vom Pharmakonzern Bayer Healthcare.

Von Georg-Stefan Russew

Mehr zum Thema
Brandenburg Verfahren wird nach Tod eines Schöffen neu aufgerollt - Prozess gegen Pillenbande ist geplatzt

Der Prozess gegen die Pillenbande vor dem Potsdamer Landgericht muss neu aufgerollt werden. Einer der Schöffen ist gestorben. Einen Ersatz gibt es nicht. Darüber ob die Angeklagten schuldig sind, gefälschtes Viagra verkauft zu haben, ist bereits an 40 Prozesstagen verhandelt worden.

29.04.2015
Brandenburg Von Uruguay in die U-Haft nach Brandenburg - Kopf der Pillenbande geschnappt

Er war knapp drei Jahre lang auf der Flucht, benutzte gefälschte Pässe und machte mit einem falschem Doktor-Titel dicke Geschäfte mit falschem Viagra und anderen Arzneien. In Uruguay konnte der Kopf der sogenannten Pillenbande jetzt geschnappt werden. Seine Komplizen stehen bereits in Potsdam vor Gericht.

10.03.2014

Sieben Männer und eine Frau sollen sich mit gefälschtem Viagra und anderen Pillen über das Internet eine goldene Nase verdient haben. Die sogenannte Pillen-Bande steht seit heute erneut in Potsdam vor Gericht, nachdem der erste Prozess geplatzt war.

06.03.2014
Kultur Ausstellung in Potsdam - Karikaturen zum Flüchtlingsdrama

Flüchtlinge aus Afrika ertrinken im Mittelmeer – können politische Karikaturen dieser Tragödie gerecht werden? In der Potsdamer Landeszentrale für politische Bildung werden 85 Zeichnungen zum Thema gezeigt. Ihnen zur Seite stehen 14 Porträts von Brandenburgern, die Flüchtlingen im Lande helfen.

22.05.2015
Potsdam Bauen in der Landeshauptstadt - Potsdams Speicherstadt wird vollendet

Es ist eine der letzten Brachen an der Havel – bis zum 30. November können sich Investoren für die Bebauung der nördlichen Speicherstadt gegenüber des Potsdamer Hauptbahnhofs beteiligen. Die Stadt verlangt anspruchsvolle Architektur. Spielcasinos und Sexshops sind nicht erlaubt

19.05.2015
Kultur Regisseur Rosa von Praunheim und Schauspieler Hanno Koffler im Thalia-Kino - Die absolute „Härte“

„Härte“ erzählt die wahre Geschichte des Karate-Spitzensportlers Andreas Marquardt, der brutaler Zuhälter war und in einer Therapie den jahrelangen sexuellen Missbrauch seitens seiner Mutter aufarbeitete. Regisseur Rosa von Praunheim und Hauptdarsteller Hanno Koffler sind am Donnerstagabend zu Gast im Babelsberger Thalia-Kino.

19.05.2015
Anzeige