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Potsdam Handy-Suizidspiel erreicht Potsdam
Lokales Potsdam Handy-Suizidspiel erreicht Potsdam
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00:20 31.07.2017
Die „Blue Whale Challenge“ beginnt harmlos wie jedes andere Handyspiel. Quelle: Christin Iffert
Potsdam

Die „Blue Wahle Challenge“ versetzt Eltern in Alarmbereitschaft. Das Spiel, in dem es angeblich um Leben und Tod geht, ist in der Landeshauptstadt angekommen. Eine Sprecherin der Polizeidirektion West meldete der MAZ einen und damit zwischen Havelland und Fläming den ersten Vorfall im Zuständigkeitsgebiet. Die Mutter einer 13-Jährigen hatte der Polizei über die Internetwache einen Mitteilung zukommen lassen. Mehr Details gab die Polizei bisher nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft prüft den Fall derzeit.

Bei der „Blue Whale Challenge“ erhalten die Teilnehmer 50 Tage lang unterschiedliche Aufgaben. Das fängt zunächst harmlos an. So sollen sie etwa einen Text über ein Thema schreiben, Geschenke machen. Später folgen dann angeblich Forderungen wie: „Nimm dir ein Tuch und ziehe es dir so fest um den Hals, bis er blau wird.“ Das Ende soll ein Aufruf zum Selbstmord sein und orientiert sich an der wissenschaftlich nicht eindeutig belegten Theorie, blaue Wale würden sich nur an Land spülen lassen, um in suizidaler Absicht zu sterben. Medien berichten, es sollen schon mehr als 130 Selbsttötungen damit in Russland in Verbindung gebracht worden sein. Doch ob dieses Spiel vor dem Hype der Medien, der vor Monaten auch Deutschland erreicht hat, überhaupt existiert hat, ist nicht belegbar.

Polizei warnt vor Panikmache

Die Polizei warnt dennoch vor der Verbreitung. Kinder und Jugendliche kommen häufig durch Warnungen zur Challenge über den Nachrichtendienst WhatsApp erstmals in Verbindung. Solche Kettenbriefe machen sie auf das Suizidspiel überhaupt erst aufmerksam. „Grundsätzlich sollten derartige Nachrichten nicht weitergeleitet oder verteilt, sondern sofort gelöscht werden“, teilte eine Pressesprecherin auf MAZ-Anfrage mit. Sollten Schulen Probleme sehen, können sie sich an die Polizei wenden. Vor „Panikmache“ in den Medien warnte die Sprecherin indes.

Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger von der Fachhochschule der Polizei Brandenburg sieht in der „Blue Whale Challenge“ eine Art Medienlegende, die dennoch auf Jungen und Mädchen eine gewisse Faszination auslösen könnte. „Wenn wir unseren Kindern Smartphones in die Hand geben, müssen wir sie gleichzeitig auf die Risiken aufmerksam machen“, rät er. Allerdings bedürfe das eines Wissens um die Risiken. Eltern müssen sich also mit digitalen Medien und den Einflüssen auseinandersetzen, Medienkompetenz erwerben, um sie weitergeben zu können.

Beim Kreiselternrat Potsdam noch kein Thema

Beim Kreiselternrat der Landeshauptstadt ist das mysteriöse Spiel indes noch kein Thema. Man kenne das Spiel lediglich vom Hörensagen und aus Medienberichten, erklärte Sprecher Markus Kobler. „In unseren Sitzungen haben wir uns damit bisher nicht befasst“, sagt er. Der Rat tagt alle vier bis sechs Wochen, zuletzt Ende Juni. Im Kreiselternrat wird jede Potsdamer Schule durch einen Elternvertreter repräsentiert.

Die eigentlich Gefahr des Spiels – egal ob es Mythos oder Realität – ist offenbar, die Angst, die es bei den Kindern und Jugendlichen schürt. Denn wenn der Nachwuchs dem Spiel nicht folge, heißt es, würde ihm oder der Familie etwas zustoßen. So heißt es in der verbreiteten Kettennachricht, dass der Teilnehmer bei der Abschlussaufgabe aus dem Fenster springen solle. Weigern sich die Spieler, werden sie stattdessen aus dem Fenster geschubst. Was Erwachsene als üblen Quatsch abtun, verursacht bei Kindern hingegen Unbehagen.

Telefonseelsorge nimmt die Ängste ernst

Diese Ängste nehmen Alexandra Sturm und die Berater vom Potsdamer Kinder- und Jugendtelefon ernst. Dort können sich Betroffene melden und ihren Kummer laut aussprechen. „Einige, wenige Fälle der Blue Whale Challenge sind uns schon untergekommen“, berichtet Leiterin Sturm. Das Suizidspiel ist auch für sie ein Phänomen, „denn es wurde an uns herangetragen, bevor wir selbst davon wussten“, sagt sie. Beim Kinder- und Jugendtelefon versuchen die ehrenamtlichen Helfer deshalb zunächst Klarheit in das Mysterium zu bringen und ermuntern Kinder und Jugendliche offen mit ihren Eltern darüber zu reden.

„Den Kummer in sich hinein zu fressen, ist definitiv keine Lösund“, sagt Alexandra Sturm. Auch Eltern sollten vermehrt darauf achten, womit sich ihre Kinder beschäftigen. Gleichzeitig warnt sie, es nicht eine übermäßige Handykontrolle ausarten zu lassen. „Sprechen Sie regelmäßig mit ihren Kindern, auch über Themen, die Ihnen zunächst nicht relevant vorkommen“, rät sie. Seien Kinder und Jugendliche offene und regelmäßige Gespräche mit den Eltern gewöhnt, sei die Hemmschwelle sich mit Ängsten an sie zu wenden, wesentlich höher.

Warnungen auch im Umland

Auch in Potsdam-Mittelmark ist die „Blue Whale Challenge“ bereits angekommen. Anfang des Monats wurde an der Treuenbrietzener Grundschule „Albert Schweitzer“ ein Schreiben an die Eltern verteilt, das auf die vermeintliche Gefahr aufmerksam machte. Die Schüler wurden sensibilisiert und aufgeklärt. „Es wussten erstaunlich viele Kinder darüber Bescheid“, erklärt Höhne. Er ist deshalb beunruhigt.

„Anfangs gingen wir noch von Einzelfällen aus“, ergänzt die Schulsozialarbeiterin Diana Bölke, die glaub dass, das Spiel ein „Fake“ ist. „Es war eine Gruselgeschichte in digitaler Form. Früher hat man sich diese Geschichten unter der Bettdecke mit einer Taschenlampe erzählt, heute werden dazu digitale Medien genutzt“, sagt sie. Trittbrettfahrer hätten daraus jedoch eine reale Situation geschaffen, indem sie etwa eine App für Android-Telefone programmierten. „Die reale Gefahr ist die Angst“, bringt es Schulsozialarbeiterin Bölke auf den Punkt. „Wir mussten Aufklärungsarbeit leisten, damit die Jungen und Mädchen nicht glauben, dass hinter jedem Baum tatsächlich jemand lauern könnte, wenn sie nicht mitspielen.“

Anmerkung der Redaktion

In der Regel berichten wir nicht über Suizidthemen, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden, gibt es Hilfe.

Unter der kostenlosen Hotline 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 können Sie anonym mit Beratern sprechen, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Von Christin Iffert und Victoria Barnack

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