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Potsdam Handys in der Schule unerwünscht
Lokales Potsdam Handys in der Schule unerwünscht
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00:30 01.07.2015
Die Potsdamer Schülerinnen Smilla und Josi (14) mit ihren geliebten Smartphones. Quelle: Christel Köster
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Potsdam

Pling! Schon wieder eine Nachricht. Die WhatsApp-Gruppe der 6c einer Potsdamer Grundschule geht Paul auf die Nerven. „Fast alle Schüler aus meiner Klasse sind da drin, doch wichtige Sachen stehen da kaum“, berichtet er. Einfach austreten will er aber auch nicht „nein, ich muss schon dazu gehören. Und manchmal schicken die anderen ja wirklich lustige Bilder“. WhatsApp-Gruppe: Das ist, vereinfacht gesagt, der Schüler-Tratsch, die Gerüchteküche, das Schwarze Brett, die Hausaufgaben-Liste, der Verteiler für Party-Einladungen – alles in einem via Smartphone, 24 Stunden am Tag. 40 Nachrichten am Tag sind keine Seltenheit.

An der Goethe-Grundschule fühlen sich die Erzieher so hilflos im Angesicht einer elektronisch extrem versierten Schülerschaft, dass sie einen Brandbrief an alle Eltern geschrieben haben. Überschrift: „Ohne Handys geht nichts mehr!?“ Die Hortner haben Bedenkliches beobachtet. Kinder zögen sich mit ihren Handys in Nischen zurück und hörten dort Musik, „die für Kinder dieser Altersklasse nicht geeignet“ sei – die Rede ist von Acht- und Zehnjährigen. Spiele, die nicht jugendfrei seien, befänden sich im Umlauf. Außerdem werde das Handy „als Statussymbol benutzt“. Schlimmer noch: „Es werden Fotos und Videos dazu verwendet, um andere zu erpressen oder zu bedrohen.“

Die Kinder müssen nicht einmal selbst Handys benutzen, um Opfer des Schulhof-Cybermobbings zu werden. Peinliche Fotos im Internet und verletzende Gerüchte auf Diensten wie WhatsApp treffen auch handylose Schüler.

Eine landesweite Regel zum Umgang mit den Smartphones an Schulen sucht man vergebens, jede Schule muss hier ihre eigenen Regeln finden. „Wenn wir uns in alles einmischen, zeigen uns die Schulen einen Vogel“, sagt Florian Engels, Sprecher des Bildungsministeriums. Wie also umgehen mit Youtube-Videos auf dem Pausenhof und iPhones als Spickzettel?

„Wichtig ist, dass die Eltern mit uns an einem Strang ziehen“, sagt Erzieher Ricardo Melz. Er und seine Kollegen fordern die Eltern auf, die Handys ihrer Kinder zu kontrollieren und offen über Risiken zu sprechen. „Aufhalten werden wir diesen Trend aber nicht“, sagt Melz. Die Zahlen geben ihm recht. Nach einer aktuellen Erhebung nutzen schon drei Viertel der 6- bis 18-Jährigen in Deutschland ein Smartphone. So auch an der Bruno H. Bürgel-Schule. „Besonders bei den Sechstklässlern sehen wir sehr viele Handys“, so Schulleiterin Monika Riccius „Wir haben eine ganz klare Politik, was das angeht: Auf dem Schulgelände sind die Geräte auszuschalten – auch in den Pausen“, sagt Riccius. Das Problem des Cybermobbings sei aber so nicht in den Griff zu kriegen, denn „so etwas spielt sich im privaten Rahmen ab“. Die Schulleiterin berichtet von einem solchen Fall, der schon einige Zeit zurück liegt. „Klar ist, dass wir als Schule uns hinter die betroffene Schülerin gestellt haben und sofort Informationen für Eltern und Schüler angeboten haben, um präventiv vorzugehen.“

Das generelle Handyverbot gilt an allen Potsdamer Grundschulen, bestätigt Markus Kobler. Der Sprecher des Kreiselternrats ist für eine konsequente Handhabung: „Wer mit dem Handy erwischt wird, muss es im Sekretariat abliefern. Abholen können die Geräte dann oft nur die Eltern. Ich finde das richtig.“

An den weiterführenden Schulen ist man etwas großzügiger. Am Einstein-Gymnasium, der Voltaireschule und dem Berta-von-Suttner-Gymnasium etwa dürfen die Schüler ihre Handys in den Pausen benutzen, sogar im Unterricht wird manchmal damit gearbeitet. Verliert ein Schüler jedoch das nicht selten 500 Euro teure Smartphone oder wird es ihm gar geklaut, so ist das sein eigenes Problem. Florian Engels vom Bildungsministerium des Landes Brandenburg sagt: „Es liegt ganz klar in der Eigenverantwortung von Schülern und Eltern, welche Wertgegenstände mit in die Schule genommen werden.“ Er empfiehlt das sichere Verwahren von Smartphones und anderen Wertsachen in abschließbaren Spinden.

Schülerin Diana Müller kann von einem eigenen Handy vorerst nur träumen. Die Achtjährige wünscht sich ein Smartphone, aber: „Meine Mama sagt, ich muss darauf noch warten. Zum Spielen habe ich ja ein Nintendo. Aber im Kunstunterricht habe ich mir schon ein Handy getöpfert.“

Von Saskia Popp

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