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Hannover – Potsdam – Hannover

Spedition Krage in Drewitz lud Schüler ein Hannover – Potsdam – Hannover

Seit 25 Jahre hat die Spedition Krage aus Hannover ihre Niederlassung in Potsdam-Drewitz. Große Lkw werden dort be- und entladen und bringen Güter von Ost nach West. Der 15-jährige Schüler Lukas Siebner durfte in einem Krage-Truck mitfahren.

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Drewitz. „Mein Name ist Krage, wie fühlen Sie sich?“ Mit dieser Frage hat Joachim Krage 1990 die Firmen angesprochen, die sich im Industriegebiet in Potsdam-Drewitz angesiedelt hatten. „Die dachten wohl, ich hab’ sie nicht alle“, sagt Krage fröhlich. Dabei war die Frage völlig ernst gemeint. Unternehmer Joachim Krage aus Hannover wollte wissen, wie es den Firmen auf dem Areal gefällt, das er für die Ostdeutschland-Dependance seiner Spedition in Familienhand ins Auge gefasst hatte.

„Vaddern ist noch mit einem Shell-Atlas durch die Gegend gelaufen“, erinnert sich Krage. Die Entscheidung für Potsdam-Drewitz fällte der Familienrat dann schnell. Weil es auf „der besser Seite von Berlin“ liege, Richtung Hannover. Das Bild seines Vaters hängt in seinem kargen Büro in Drewitz. Ein schlichtes Zimmer für einen Geschäftsführer, das er sich sogar noch mit einem Kollegen teilt. Auf dem Sideboard stehen das Modell eines Krage-Lkw und ein Motorboot. Keine Deko sonst. „Ich mag das so“, sagt der 64-jährige Speditionskaufmann und tritt auf den Hof des Geländes, auf dem vor der Wende die DDR-Spedition Deutrans ihre Fahrzeuge parkte.

Glatteis verzögert die Fahrt über die A 2

Es ist bitterkalt, der Wind pfeift bei minus acht Grad das Lkw-Terminal lang. Da biegt er um die Ecke: ein Truck im orangen Jägermeister-Design. Eine Stunde später als erwartet. „Bei Helmstedt war Glatteis“, sagt Willi Aue als er aus der Kabine steigt. Der 58-jährige Hannoveraner ist der dienstälteste Fahrer bei Krage. Willi Aue, ein großer Mann mit Schnauzbart und Schalk in den Augen, feiert nächste Woche sein 38-jähriges Dienstjubiläum. Am 13. Januar 1978 hat er angefangen. Einem Freitag den 13. „Andere gehen an so einem Tag gar nicht vor die Tür. Ich ging zu Krage“, sagt Aue, den der Chef kumpelhaft Willi nennt. Fünf Mal pro Woche macht Aue die Tour Hannover – Potsdam – Hannover. Viel gesehen von Brandenburgs Landeshauptstadt hat er in all den Jahren nicht. Einmal musste er eine Umleitung über Groß Kreutz nehmen. „Da bin ich an den ganzen Schlössern vorbeigefahren“, erinnert er sich.

Jägermeister ist einer der Hauptkunden

An diesem Dienstag hat Aue eine besondere Fracht an Bord: den 15-jährigen Lukas Siebner. Der Schüler aus Barsinghausen bei Hannover sitzt auf dem Beifahrersitz des Lkw mit Blick auf drei Quietscheentchen auf dem Armaturenbrett. Um sechs Uhr früh ging die Tour los. Und das an einem Ferientag. In Niedersachsen, erklärt Lukas, ist anders als in Brandenburg noch schulfrei. Lukas hat die Spritztour bei einer Adventsaktion des Lions Club gewonnen. Joachim Krage ist Mitglied bei den Lions und hat wie schon in den Vorjahren eine Tour hinter ein Adventskalendertürchen gepackt. Auch ein bisschen als Nachwuchswerbung, denn obwohl Krage allein in Potsdam neun Azubis hat, werden vor allem Fahrer immer gesucht. Die müssen ranklotzen, wie Lukas erfährt. „Hier kannst du keine Flachpfeifen beschäftigen“, erklärt Joachim Krage. Denn die Ware aus Hannover ist in Potsdam noch nicht am Ziel. Sie wird mühevoll durch passgenaues Rangieren und Umkoppeln der Anhängern umgeladen in einen Lkw der polnischen Spedition Raben, die das Gut nach Poznan weiterbefördert. Anders als der orangefarbene Truck vermuten lässt, ist die Ladefläche nicht mit Likörchen vollgepackt. Jägermeister ist ein Hauptkunde von Krage, neben den Zigarettenherstellern Reemtsma und British American Tobacco. Aber auch Glimmstängel hat Aue diesmal nicht geladen, sondern sogenanntes Sammelgut. „Das kann alles sein, von der Waschmaschine bis zu sonste was“, erklärt Aue und koppelt den Achsanhänger fachmännisch zum polnischen Kollegen um. Tausch der Wechselbrücken, wie es im Fachjargon heißt.

Ware, die in Potsdam auf späteren Weitertransport wartet, wird in der großen Halle gelagert. „In der Vorweihnachtszeit quoll die Halle fast über, jetzt ist wenig los“, erklärt Krage seinem jungem Gast. Unter der Hallendecke hängen Schilder mit den Touren: Tourennummer 924, Schwedt, beispielsweise. An jeder Ladezone sind Kameras angebracht, die in die dunklen Laster filmen. Weiter zur Disposition. Vor Bildschirmen sitzen Mitarbeiter und koordinieren die Touren. Mit Scannern, wie sie Paketboten benutzen, dokumentieren die Fahrer den Weg ihrer Ware.

Willi Aue und Beifahrer Lukas machen sie auf den Rückweg. Sie fahren mit leerem Anhänger vom Hof zur A 2, erst in Braunschweig sollen sie noch etwas mitnehmen. „Es kommt viel Ware nach Berlin, aber kaum eine zurück“, erklärt Joachim Krage und schaut dem Laster nach. Der 64-Jährige fährt erst in drei Tagen, wie fast jeden Freitag, übers Wochenende zurück in seine alte Heimat, wo sein Bruder Mathias die Geschäfte führt. „In Potsdam lebe ich wie auf Montage“, sagt Krage. Aber das schon seit 25 Jahre gerne. Auf die Frage „Wie fühlen Sie sich hier?“ würde der Firmenchef sicher mit „sehr gut“ antworten.

20 Millionen Euro Jahresumsatz

1919 wurde das Transportunternehmen Krage in Hannover durch Albert Krage sen. gegründet.

1990 erfolgte die Privatisierung eines Teilbereichs des Kraftverkehrs Potsdam und daraus die Geschäftsgründung der Krage Potsdam GmbH.

Seit 1995 ist Krage auch in Schwanebeck (Sachsen-Anhalt) mit einer Niederlassung vertreten.

115 Mitarbeiter gibt es am Standort Potsdam. Hinzu kommen 60 Fahrer, die bei Subunternehmen beschäftigt sind.

20 Millionen Euro Umsatz machte Krage Potsdam im Jahr 2015.

Rund 30 Firmen , meist Kunden von Krage, sind Mieter auf dem 55 000 Quadratmeter großen Krage-Gelände in Drewitz.

Von Marion Kaufmann

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