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Happy birthday, Rainer Simon!

Jubiläum Happy birthday, Rainer Simon!

Er ist ein Wanderer zwischen den Welten: Der Filmregisseur Rainer Simon wird am Montag 75 Jahre alt. 1985 gelang ihm etwas, was keinem Defa-Regisseur je gelang: Simon gewann für sein Dreiecksdrama „Die Frau und der Fremde“ den Goldenen Bären der Berlinale. Nach der Wende wurde Lateinamerika zum Kontinent seiner Sehnsucht.

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Rainer Simon.

Quelle: Michael Hübner

Potsdam. Seinen 75. Geburtstag verbringt der ehemalige Defa-Regisseur Rainer Simon in Florenz. Der Potsdamer ist immer gerne auf Reisen, am liebsten in Lateinamerika.

Seit er 1988 für Recherchen zu seinem Film über Alexander von Humboldt „Die Besteigung des Chimborazo“ in Ecuador war, hat ihn das Land und seine Ureinwohner nicht mehr losgelassen. Regelmäßig besucht er in den Anden seine Freunde und dokumentiert mit Fotos das Leben der indigenen Völker, die er in Ausstellungen auch präsentiert. Auch drei Filme über naive indianische Malerei, die letzten Zapara-Indianer und Schamanenrituale sind dort entstanden.

Der Humboldt-Film sei sein wichtigster, weil dieser sein Leben verändert habe, schreibt Rainer Simon in seiner Biografie. „Ich habe neue Erfahrungen gewonnen, die so nur nach der Wende passieren konnten.“

Simon, geboren 1941 im sächsischen Hainichen, ist in der DDR Regisseur geworden, um in seinen Filmen in andere Welten zu fliegen, wie er sagt. Anfang der 1960er-Jahre studierte er Regie an der Filmhochschule in Babelsberg, voller Tatendrang. Er schrieb sein erstes Drehbuch, doch im Dezember 1965 zerschlug das 11. Plenum des ZK alle Träume der künstlerischen Freiheit, noch bevor er überhaupt seinen ersten Spielfilm drehen konnte. Ein traumatischer Start.

Vier Jahre später debütierte er mit einem der schönsten Defa-Märchenfilme: „Wie heiratet man einen König“ erzählt, wie die Holländerin Cox Habbena als kluge Bauerntochter den König, gespielt von Eberhard Esche, mit viel Witz in einen sympathischen Herrscher verwandelt.

Einige Filme später entstand „Till Eulenspiegel“ (1974) mit Winfried Glatzeder in der Titelrolle. Christa und Gerhard Wolf hatten das Szenarium verfasst. „Till Eulenspiegel ist meine liebste Figur, solche anarchischen Typen findet man nur selten in der deutschen Literaturgeschichte.“ Ohne Furcht vor Konsequenzen legt sich Till Eulenspiegel mit den Mächtigen an, attackiert die Kirche und hat dabei auch noch sehr viel Spaß. „Er ist eine Figur, die ich auch heute gerne sehen würde,“ so Simon. Eine Million Besucher sahen sich diese Sicht auf die legendäre Volksfigur an, obwohl der Film in der Presse nicht besonders gut ankam. Die Kinobetreiber hatten noch dazu die Anweisung, sich zu melden, wenn ihnen bei den Vorführungen irgend etwas auffiel.

Seit diesem Film galt Simon als querköpfig und gefährdet. Argwöhnisch beobachtete die Staatssicherheit Simons Kontakte zu Walter Janka, Stefan Heym und Ulrich Plenzdorf sowie die Proteste gegen die Ausbürgerung Biermanns.

Aber umfangreich wurde die Stasi-Akte erst mit „Jadup und Boel“. Kurt Böwe spielt darin einen unangepassten Bürgermeister in einer Kleinstadt der Altmark und der Sätze sagt wie: „Das Leben ist keine Frage, die man endgültig löst. „ Und: „Es bliebe ja dann nur Stillstand und Tod.“ Das Bild, das Simon von der DDR des Jahres 1980 zeichnet, ist trist und voller falscher Versprechungen durch Staat und Partei. Nach der ersten Rohschnittabnahme ging der Ärger los, und es sollte acht Jahre dauern, bis der Film im Mai 1988 schließlich in einigen Studiokinos gezeigt wurde. „Jadup und Boel“ war der letzte Defa-Film, der nach seiner Fertigstellung verboten wurde. Für Simon bedeutete der Zensureingriff die Abkehr von brisanten Gegenwartsstoffen.

Nach dieser Erfahrung suchte er ein neues Thema, sein Drehbuchautor Paul Kanut Schäfer brachte Humboldt ins Spiel. Simon konnte zunächst kaum Wilhelm und Alexander auseinanderhalten, erzählt er, doch dann war er schnell fasziniert von dem Mann, der sich durch nichts davon abbringen ließ, für den Traum seines Lebens zu kämpfen. Wer jedoch einen Film über Humboldt plant, muss auch von den Reisen nach Kuba und Südamerika erzählen – Drehorte, die für DDR-Regisseure nicht gerade erreichbar waren. Simon konzentrierte sich zunächst auf Kuba, das lag im Bereich des Möglichen.

Aber die Kubaner wollten ihren eigenen Humboldt-Film machen, was sie bis heute nicht geschafft haben. Das Projekt zog sich, Simon realisierte andere Filme, darunter seinen größten Erfolg, das Dreiecksdrama „Die Frau und der Fremde“, mit dem er auf der Berlinale 1985 den Goldenen Bären gewann. Simon konnte es nicht glauben, als die Mitarbeiterin der Hauptverwaltung Film ihn informierte. Er traute der Sache nicht, fragte bei Wolfgang Kohlhaase nach, der in der Jury saß und ihm alles bestätigte.

Vermutlich war es auch dieser sensationelle Erfolg auf der Berlinale – der einzige, den die Defa dort je verbuchen konnte – der es möglich machte, dass Simon noch zu DDR-Zeiten nach Ecuador reisen durfte. Denn plötzlich ging alles ganz schnell mit der Finanzierung des Humboldt-Films, Anfang 1987 war das ZDF mit an Bord. Zwei Monate nach der Premiere von „Die Besteigung des Chimborazo“ fiel die Mauer und Rainer Simon konnte wieder nach Lateinamerika fliegen, dem Kontinent seiner Sehnsucht.

Wie auch anderen Defa-Regisseuren gelang es ihm bis auf eine Ausnahme nicht, nach der Wende einen großen Spielfilm ins Kino zu bringen. Ideen hatte er viele, es haperte an der Finanzierung. Natürlich hatte er gehofft, Michel Tourniers Roman „Der Erlkönig“ zu verfilmen, einen Plan, den Defa-Direktor Hans Dieter Mäde 1986 höchstpersönlich stoppte. Später nahm der damalige Babelsberg-Chef Volker Schlöndorff ihm dann den Stoff aus der Hand – und scheiterte.

Von Claudia Palma

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