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Potsdam Hardrocker gegen John Apart ohne Chance
Lokales Potsdam Hardrocker gegen John Apart ohne Chance
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17:44 13.12.2015
Das Duo John Apart. Quelle: Marcus Lieberenz/bildbuehne.de
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Potsdam

Die Zeitreise in die ekstatischen Höhen und Tiefen des klassischen Hardrocks währte nur zwanzig Minuten. Im Stile von Led Zeppelin bewarb sich Grüttrock aus Senftenberg am Freitagabend um den Titel „Beste Band Brandenburgs 2015“. Als dritter von sechs Finalisten stellten sich die zwei Gitarristen und der Schlagzeuger um die lasziv auftrumpfende Power-Sängerin Luba im Potsdamer Lindenpark vor.

Grüttrock legte eine enervierende, kraftvolle Show hin und die Band erfüllte auch die Voraussetzung des Wettbewerbs, nicht mit gecoverten, sondern nur mit eigenen Liedern anzutreten. Trotzdem gingen die Lausitzer am Ende leer aus. Sicherlich auch, weil sie keine eigene Fanbasis mitgebracht hatten. Das Votum des Publikums, das 50 Prozent ausmacht, und die Entscheidung einer Jury sorgten für ein Ergebnis, das die Anhänger der verstärkten Gitarrenmusik ziemlich beschämte.

Denn nicht laut auftrumpfender Rock, sondern die eine Ausnahme, zarter Elektro-Pop, machte das Rennen. Das war vielleicht sogar ein Affront, denn besagte Luba hatte während ihres Auftritts ausdrücklich „gegen den ganzen Popscheiß“ gewettert. Je härter und rigoroser die Musik ist, meinte sie, desto mehr könne sie auch reißen.

„Wir freuen uns, dass wir diesen Abend verfeinern durften“, verabschiedete sich dagegen der Sänger des Potsdamer Duos JohnApart, Maximilan Sterr, nach seinem 20 Minuten-Set. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Felix Noster will John Apart mit deutschen Texten Nachdenklichkeit stiften. Eingängige Harmonien sorgen für eine beschwingte, unaufdringliche Melancholie. Ein Song wie „Ich finde mich“ hat durchaus Hit-Potenzial. Auch äußerlich – durch Anzug und strengen Seitenscheitel – hob sich Sterr auf der Bühne von der lässigen Rocker-Szene ab.

JohnApart wird nun Brandenburg beim Bundesfinale „Local Heroes 2016“ vertreten. Sterr begleitet sich selbst am Keyboard und springt mit seiner hellen, unverlebten Stimme immer wieder in hohe Lagen. Wie ein Liedermacher singt er in der ersten Person und bringt persönliche und gesellschaftliche Befindlichkeiten zur Sprache. Schlagzeuger Noster unterstützt ihn effektvoll und spielt auch vorbereitete Samples ein.

Das Brandenburger Finale, dem drei lokale Ausscheide in Beeskow, Potsdam und Cottbus vorausgingen, zeichnete sich nicht gerade durch Genrevielfalt aus. Es gab keine Bläser, die doch gerade äußerst angesagt sind. Auch HipHop, Punk oder Funk waren nicht vertreten. Nur simpler alter Geradeaus-Rock.

Die Mehrgenerationen-Band Speed of Grace aus dem Havelland bot romantisch-getriebenen Indie-Rock mit zweistimmigem Gesang und schönen Gitarre-Arrangements – dafür gab’s Platz drei. Und Gorillawolfmotherfucker aus Oranienburg wurden für routinierten puristischen, prolligen Heavy-Metal mit dem zweiten Platz belohnt.

Baffe Gewinner

Ihr habt Euch mit deutschsprachigen Pop gegen fünf englisch singende Hardrock-Formationen durchgesetzt. Was ist das für ein Gefühl?

Maximilian Sterr: Wir sind immer noch ein bisschen baff, freuen uns aber riesig. Wir selbst würden unser Genre als Nischenpop bezeichnen. Umso mehr freuen wir uns, dass beim Ausscheid nicht nur die Jury, sondern auch die Rockfans aus dem Publikum für uns gestimmt haben. Ich glaube, weil wir was Neues ausprobieren und nicht nur alte, bewährte Genre bedienen.

Welche Idee möchtet Ihr mit John Apart umsetzen?

Sterr: Wir musizieren nicht in einer klassischer Besetzung, sondern setzen neben Keyboard, Synthesizer, Gitarre und Schlagzeug auch Samples ein. Unser Vorbild zur Zeit ist die britische Gruppe Public Service Broadcasting. Unsere Texte entstehen aus aktuellen autobiografischen und gesellschaftlichen Themen. Zur Zeit ist das unter anderem der Fremdenhass und die fehlenden sozialen Kompetenzen einiger Menschen, die uns Angst machen. Wenn wir auf die Bühne gehen, wollen wir uns vom Alltag abheben. Deshalb tauschen wir unsere Jeans-Klamotten auch gegen einen Anzug ein.

Wie war Euer Werdegang?

Sterr: Wir kennen uns gut, auch weil wir zwei Jahre in einer WG in Babelsberg zusammengewohnt haben. Ich habe mit klassischer Gitarre begonnen und mir das Klavierspielen größtenteils selbst beigebracht. Gesangsstunden hatte ich nie, aber ich singe heute noch im Chor am Leibniz-Gymnasium, obwohl ich seit einem Jahr an der TU in Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiere. Felix schließt gerade sein dreijähriges Studium zum Musikpädagogen ab

Rock-Nachwuchs aus Potsdam

Ende April haben Felix Noster und Max Sterr in Frankfurt am Main beim „School Jam“ gespielt, in der berühmten Festhalle vor knapp 4000 Leuten. Eingeladen waren Deutschlands acht beste Schülerbands, 1340 Gruppen hatten sich um das Finale beworben.

Von Karim Saab

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