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Hardy Krüger zu Aufklärungstour in Potsdam

Kampf gegen rechte Gewalt Hardy Krüger zu Aufklärungstour in Potsdam

Er wurde zum Nazi erzogen, doch zwei Schauspieler in Babelsberg weckten in ihm tiefe Zweifel an der Hitler-Diktatur; er wurde zum Gegner des Regimes. Als in den 50er Jahren wieder Hakenkreuze in Deutschland geschmiert wurden, verschrieb er sich dem Kampf gegen rechte Gewalt und tourt jetzt, im hohen Alter von 87 Jahren, durch die Republik, um aufzuklären.

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Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (re.) legt Hardy Krüger einen Schal der Aktion „Potsdam bekennt Farbe“ um.

Quelle: Christel Köster

Nauener Vorstadt. Als Junge war er Nazi und zu Höherem bestimmt, doch bei Dreharbeiten zum Propaganda-Film „Junge Adler“ in Babelsberg 1943 wurde er bekehrt und ein Gegner des Regimes. Heute bekämpft Schauspieler Hardy Krüger (87) jede rechte Gewalt und sieht die NPD, die AfD und die Pegida-Organisationen als „Nachfolgeverbrecher“ der Hitler-Diktatur, denen man auf demokratische Weise das Handwerk legen muss.

In einer Aufklärungskampagne tourt Krüger derzeit durch deutsche Großstädte und wirbt vor allem bei der Schuljugend um politische Beteiligung. „Die Nazis sind meine Todfeinde“, erklärte Krüger am Montag in Potsdam: „Wir müssen die Rechten aus den Parlamenten und Volksvertretungen wieder raus wählen.“ Am Dienstag wird er darüber und über das Flüchtlingsproblem mit Schülern des Potsdamer Humboldt-Gymnasiums reden. „Wir sind ein Volk von 80 Millionen Menschen. Sind da 800000 Flüchtlinge nicht ein bisschen wenig?“ wirbt Krüger für Menschlichkeit. Weil das Thema so drängend und so in aller Munde ist, verzichtet Krüger im Humboldt-Gymnasium darauf, mit einer eigenen Geschichte einzuleiten; er war ja nicht nur ein gefeierter Filmstar, sondern auch Schriftsteller. „Die Abiturienten sehen ja, was da in der Welt und bei uns im Land geschieht“, sagte er am Montag vor der Presse in Potsdam: „Ich brauche kein eigenes Beispiel nennen. Die jungen Leute sollen das Thema benennen, und ich rede dann mit ihnen.“ Dass er es in einer Großstadt tut, die nicht als Schauplatz rechter Gewalt und nicht als Tummelplatz ausländerfeindlicher Organisationen bekannt ist, begründet Krüger mit der Breitenwirkung, die er in der hiesigen Presse für seinen Kampf gegen rechts erzielen kann.

Ein Franziskaner in Uniform

Hardy Krüger, geboren am 12. April 1928 in Berlin, hatte Eltern, die in der Weltwirtschaftskrise arbeitslos waren und Hitler als Retter ansahen.

Als 13-Jähriger kam Krüger auf die Adolf-Hitler-Schule Sonthofen.

In den Ferien 1943 wurde er als Darsteller für den NS-Film „Junge Adler“ ausgewählt, doch in den Babelsberger Ufa-Studios lernte er Albert Florath und Hans Söhnker kennen, die Juden zur Flucht verhalfen und ihn über das Hitler-Regime aufklärten.

Noch kurz vor Kriegsende wurde Krüger zur Waffen-SS eingezogen und geriet in Italien in Kriegsgefangenschaft. Er spielte nach dem Krieg „aufrechte“ Soldaten, in dem französischen Streifen „Le franciscain de Bourges“ den uniformierten Mönch Alfred Stanke, der französischen Gefangenen half.

 

Das kann zuweilen gefährlich sein, wie er bei einer Veranstaltung in Wolfsburg erfahren musste, als ihn fünf Männer mal bedrohten, er werde schon sehen, was ihm so passieren kann. Passiert indes ist ihm noch nichts, aber seinem Schauspielkollegen Dieter Hallervorden, der zusammen mit ihm, mit Schauspieler Hark Bohm und Fernseh-Journalist Klaus Bednarz (gestorben 2015) 2013 das Projekt „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“ begründet hatte. Hallervorden bekam Drohbriefe. Ziel der Initiatoren ist es, über die von rechtsextremem Gedankengut ausgehenden Gefahren aufzuklären und davor zu warnen. Als Zeitzeuge der Nazi-Zeit schildert Krüger auf einer Rathaus-Tour durch Deutschland seine Erfahrungen und ruft zu Spenden für die Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“ der Amadeu Antonio Stiftung auf. Der angolanische Gastarbeiter Amadeu Antonio (28) war am Abend des 24. November 1990 in Eberswalde von neonazistischen Skinheads so brutal zusammengeschlagen worden, dass er elf Tage später starb. Polizisten waren damals in der Nähe, griffen aber nicht ein.

IN Frankreich war  „Le franciscaine de Bourges“ 1966 ein Kino-Hit

IN Frankreich war „Le franciscaine de Bourges“ 1966 ein Kino-Hit; in Deutschland kam der Film nicht auf die Leinwand. Krüger spielt darin den deutschen Franziskaner-Mönch Alfred Stanke, der als Sanitäter gefangenen französischen Widerständlern hilft.

Quelle: Verleih

Von Rainer Schüler

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