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Potsdam „Hassan“ darf bleiben, aber Kritik an Notlüge
Lokales Potsdam „Hassan“ darf bleiben, aber Kritik an Notlüge
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22:12 01.03.2016
Zahirat „Hassan“ Juseinov und seine Freundin Emel mit zwei ihrer vier Kinder. Quelle: dpa-Zentralbild
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Babelsberg

Der von Abschiebung bedrohte Fußballtrainer des Flüchtlingsfußballvereins „Welcome United“, Zahirat „Hassan“ Juseinov, darf vorerst mit seiner Lebensgefährtin und den vier Kindern in Deutschland bleiben. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs, das am Dienstag zwischen der Potsdamer Ausländerbehörde und dem Mazedonier stattfand. Juseinov hat für weitere drei Monate eine Duldung erhalten, nachdem er die Härtefallkommission des Landes angerufen hatte, teilte Stadtsprecher Stefan Schulz mit. Der zehnköpfigen Kommission liegt ein Antrag auf Prüfung vor.

CDU rüffelt Woidke wegen seiner Aussagen über den Coach

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte in einer ersten Reaktion: „Es ist emotional schwer vermittelbar, warum ganze Familien, nachdem sie fünfeinhalb Jahre nicht nur hier gelebt, sondern sich gut integriert haben, in ihre ursprüngliche Heimat zurück gehen sollen.“ In der Frage der Entscheidung über die Verlängerung der Duldung machte er deutlich, dass dies ausschließlich Sache der zuständigen Potsdamer Behörde sei: „So sehr viele Menschen – wie ich selbst auch – die Situation bedauern, so hat die Stadt ausschließlich geltendes Recht umzusetzen.“ Am Sonnabend hatte sich Woidke bei einer Rede auf dem Brandenburg-Ball vehement für den Mazedonier ausgesprochen. Er nannte die drohende Abschiebung „widersinnig“ – allerdings ohne zu diesem Zeitpunkt genaue Detailkenntnisse von dem Fall zu haben. Dafür wird er nun von der Brandenburger CDU scharf gerüffelt. Der Ministerpräsident habe mit seiner Äußerung „Grenzen überschritten“, sagte am Dienstag der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Jan Redmann: Deutschland ist ein Land mit Herz, aber auch mit Regeln.“ Verfahren müssten ohne Ansehen der Person geführt werden. Woidke habe sich, ohne sich ausreichend kundig zu machen, „in Champagnerlaune“ dazu hinreißen lassen, sich zu dem Fall zu äußern. Vielmehr sollte er Vertrauen zu den zuständigen Beamten haben, meinte Redmann. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass bei solchen Verfahren „nach Gutsherrenart“ und „willkürlich“ entschieden werde.

Juseinov hat doch geklaut

Unterdessen sorgen Juseinovs Aussagen zu seiner Vergangenheit weiterhin für Irritationen. Bereits am Montag hatte der „Welcome United“-Trainer auf Nachfrage eingeräumt, bei seiner Einreise in Deutschland über seine Identität gelogen zu haben. Der Mazedonier gab an, Iraker zu sein.

Den ebenfalls gegen ihn erhobenen Vorwurf des Diebstahls hatte der Trainer am Montag hingegen abgestritten. „Ich garantiere mit ganzem Herzen, dass ich so etwas nicht gemacht habe“, beteuerte er.

Die Faktenlage sieht allerdings anders aus. 2011 wurde Juseinov vom Amtsgericht Eisenhüttenstadt wegen Diebstahls in einem Supermarkt zu einer Geldstrafe in Höhe von 75 Euro verurteilt. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder am Dienstag. Der Mazedonier hatte im Supermarkt Spiele für eine Spielkonsole im Wert von 40 Euro mitgehen lassen und wurde dabei von einem Zeugen beobachtet.

Sportdezernentin ist empört über die Lüge

Sportdezernentin Iris Jana Magdowski (CDU) will den Vorfall nicht auf die leichte Schulter nehmen. Empörend findet sie, dass der Trainer offensichtlich gelogen hat. „Herr Juseinov hat eine Vorbildwirkung, doch so ist er kein Aushängeschild für den Sport mehr“, kritisierte Magdowski am Dienstag das Verhalten Juseinovs.

Von Ildiko Röd

Er war volltrunken und neben der Spur, weil sich die Freundin von ihm getrennt hatte. Das entschuldigt aber nicht, was André M. getan hat: Der 24-jährige Potsdamer hat im Mai 2015 einen Passanten in Babelsberg mit einem Revolver bedroht. Ein Verstoß gegen das Waffengesetz – auch wenn es sich „nur“ um eine Schreckschusswaffe handelte.

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