Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam Hasso-Plattner-Stiftung will „Minsk“ zu Museum für ostdeutsche Kunst machen
Lokales Potsdam Hasso-Plattner-Stiftung will „Minsk“ zu Museum für ostdeutsche Kunst machen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 30.03.2019
Das ehemalige Restaurant „Minsk“, hier im Jahr 2014. Es soll nun doch äußerlich originalgetreu saniert werden und die DDR-Kunst der Hasso-Plattner-Stiftung beherbergen. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Landeshauptstadt könnte bald um eine Kulturattraktion reicher sein: Die Stiftung des SAP-Gründers und Potsdamer Ehrenbürgers Hasso Plattner will das ehemalige TerrassenrestaurantMinsk“ am Brauhausberg äußerlich originalgetreu sanieren und dort DDR-Kunst dauerhaft zeigen. Das kündigte ein Bevollmächtigter der Stiftung nach MAZ-Informationen am Mittwochabend im nichtöffentlichen Teil des Potsdamer Hauptausschusses an.

Verkauf wäre Ende des Gebäudes gewesen

Mit dieser Wendung könnte ein langjähriger Potsdamer Architekturstreit versöhnlich beigelegt werden. Der gesamte Hang des Brauhausbergs, der in den 1970er Jahren mit ostmoderner Architektur bebaut worden war, wird seit Jahren umgestaltet. Die DDR-Schwimmhalle wurde bereits abgerissen, das seit 2004 leer stehende Terrassenrestaurant war bereits zum Abriss freigegeben und eine dichte Wohnbebauung rund um das neue Schwimmbad „blu“ geplant. Es hatte sich schon ein Investor gefunden, der für alle Baufelder 27 Millionen Euro bot – eine Summe, die weit über dem ursprünglich erwarteten Verkaufserlös lag. Das wäre das Ende des Gebäudes gewesen.

Auf Initiative der Links-Fraktion und in einem gemeinsamen Antrag mit der Fraktion die Andere und den Grünen in der Stadtverordnetenversammlung wurde der Verkauf der Grundstücke Mitte 2018 noch einmal verschoben, um in einem Werkstattverfahren eine Lösung zum Erhalt des Minsk zu finden. Diese wurde vor wenigen Wochen vorgestellt, die dabei als Kompromiss geplante Aufstockung des Hauses hatte allerdings zu viel Kritik geführt.

Unmittelbare Umgebung soll unbebaut bleiben

Nach MAZ-Informationen haben sich Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg gemeinsam um eine Lösung bemüht, die den Erhalt und zugleich eine öffentliche Nutzung des Hauses ermöglichen würde. Diese Lösung scheint nun gefunden. Schon in seinem Wahlkampf für das Oberbürgermeisteramt hatte Schubert sich im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Jann Jakobs (SPD) für den Erhalt ausgesprochen.

Graffiti an den Wänden und verstaubte Barhocker vor einem verfallenen Tresen: Der DDR-Bau "Minsk" ist stark heruntergekommen. Hier sind Bilder aus dem Inneren.

Im Ausschuss hieß es nach MAZ-Informationen, dass die zuletzt in einem Kompromiss um den Erhalt des Hauses vereinbarte Aufstockung und die Ergänzung um einen weiteren Gebäuderiegel abgesagt sind. Stattdessen soll die unmittelbare Umgebung des Hauses unbebaut bleiben, damit es sichtbar bleibt. Auch die Wohnbebauung rechts des „Minsk“ solle weniger dicht ausfallen. Dort werde „preisgedämpfter Mietwohnungsbau“ entstehen, der auf die Höhenstaffelung des „Minsk“ Bezug nimmt.

SAP-Gründer und Potsdamer Ehrenbürger Hasso Plattner. Quelle: dpa

Eine Skizze des Stuttgarter Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner bestätigt diese Pläne. Dort zeigt sich das in Terrassen errichtete Bauwerk von 1977 als Blickfang vor dem Hang des Bergs. Inklusive der Asbestsanierung, die die Stiftung ebenfalls übernehmen wolle, war im Ausschuss von einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro die Rede. Nach bisheriger Lage hätte die Stadt bei Erhalt für die Asbest-Sanierung oder den Abriss aufkommen müssen.

Linke: „Absoluter Glücksfall“

Potsdams Linke unterstützt die neue Entwicklung. „Das wäre die Krönung unserer Bemühungen um den Erhalt des ,Minsk’, ein absoluter Glücksfall für die Stadt“, sagte Hans-Jürgen Scharfenberg der MAZ. Er werde sich dafür einsetzen, dass die Stadtverordneten das Angebot der Stiftung wahrnehmen. Denn eigentlich bereitet die Stadtverwaltung parallel gerade die Neuausschreibung der Grundstücke am Brauhausberg vor.

Plattner (75) ist Mitgründer des Software-Unternehmens SAP, dessen Aufsichtsrat er weiterhin leitet. Seine Stiftung finanzierte unter anderem den Wiederaufbau des Potsdamer Palais Barberini, das heute ein weltweit beachtetes Kunstmuseum ist und einen Teil der DDR-Kunst beherbergt, die schon bald im ehemaligen „Minsk“ dauerhaft Platz finden soll.

Von Peter Degener

Potsdams neuer Oberbürgermeister Schubert hat sein Wort gehalten nicht nur auf das Höchstgebot beim Verkauf städtischen Grunds in der Mitte zu schielen. Das Angebot der Hasso-Plattner-Stiftung für das Minsk ist schon jetzt eine besondere Anerkennung der Architektur der Ostmoderne in Potsdam, meint MAZ-Redakteur Peter Degener.

27.03.2019

Angebot vor den Prüfungen: Die Stadt- und Landesbibliothek verlängert an einigen Tagen die Öffnungszeiten – damit Schüler in Ruhe für ihr Abitur lernen können.

30.03.2019

Die Wohnungsgenossenschaft PWG 1956 will auf dem Grundstück des Kunsthauses „Sans titre“ Wohnungen bauen. Das Kunstzentrum in einem Industriebau aus den 1960er Jahren soll aber erhalten bleiben.

27.03.2019