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Potsdam Hat der Zigeunerkoch Spenden unterschlagen?
Lokales Potsdam Hat der Zigeunerkoch Spenden unterschlagen?
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10:10 26.04.2017
Da hing der Haussegen schon schief: Beim Benefizdinner kam es zu ersten Verwerfungen zwischen Jo Riha (2.v.l.) und vielen Akteuren. Quelle: privat
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Potsdam

Großes Bauchweh nach dem Benefizdinner für den vor vier Monaten an ALS gestorbenen Potsdamer Patric Zocher (40): Es geht um verschwundene Spenden und alte Vorwürfe, um einen mutmaßlichen Überfall und eine riesige Portion Misstrauen unter den Akteuren, die für den Abend des 1. April ein beschwingtes, aber würdiges Gedenken geplant hatten und so auch die Arbeit des Vereins ALS-mobil unterstützen wollten. Doch das Tischtuch zwischen dem Verein und Jo Riha, der den Abend im Namen der Zigeunerköche veranstaltet hatte, ist zerschnitten. „Der Verein distanziert sich ausdrücklich von Herrn Riha“, sagt Jens Matk vom Vereinsvorstand.„Wir haben auch alle uns bekannten ALS-Vereine vor einer Zusammenarbeit gewarnt. Wir fühlen uns betrogen, ausgenutzt und ideell hochgradig geschädigt.“

Riha erstattet Anzeige wegen Raubes

Die Zigeunerköche hatten zum Fünf-Gänge-Dinner mit Live-Musik eingeladen. Eintritt: 99,99 Euro pro Person. Versprochen war, dass der gesamte Erlös des Abends gespendet wird: unter anderem an den ALS-mobil, der ALS-Patienten und ihre Angehörigen unterstützt. Mehr als 80 Besucher kamen und zahlten. Doch der Großteil des eingespielten Eintrittsgeldes – Riha selbst spricht von rund 5000 Euro – ist weg. „Ich bin in der Nacht vor dem Dinner vor meiner Wohnungstüre überfallen und ausgeraubt worden“, so Riha. Es ist belegt, dass er bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet hat und im Klinikum ambulant behandelt wurde. „Ich schwöre, dass ich mit dem Verschwinden des Geldes nichts zu tun habe“, sagt der 52-Jährige.

Nun steht der Vorwurf der Unterschlagung im Raum

Das Problem: Nicht jeder glaubt ihm, denn nicht zum ersten Mal werden Vorwürfe laut, er habe sich Spenden in die eigene Tasche gesteckt. So war Riha im Juni 2016 wegen Unterschlagung angezeigt worden – dabei ging es um 800 Euro für zwei schwerkranke Kinder. Am Dienstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass sie die Ermittlungen in dieser Sache eingestellt hat.

Auch der Verein „ALS mobil“ und Nicole Zocher, die Schirmherrin des Abends, haben gegen Jo Riha Anzeige wegen Unterschlagung erstatten wollen. „Wir haben der Polizei unseren Verdacht geschildert“, sagt Matk. „Die Polizei hat unsere Anzeige aber nicht aufgenommen, sondern lediglich unsere Kontaktdaten mit dem Hinweis, dass es zu einer Befragung im Rahmen des Ermittlungsverfahrens wegen Raub kommen wird.“ Ein materieller Schaden sei dem Verein nicht entstanden. Unter dem Strich seien noch 839 Euro in Bar übrig geblieben. „Wir haben uns darauf geeinigt, sie in gleichen Teilen an die Klinikclowns, die Kita Nutehwinkel und dem RC Germania Potsdam zu geben.“ Der ALS-mobil erhalte 260 Euro, die aus zwei an dem Abend durchgeführten Auktionen zusammenkamen.

„Der Ruf ist auf ewig ruiniert“

An den Abend, der an ihren Mann erinnern und anderen Betroffenen Mut machen sollte, denkt Nicole Zocher mit gemischten Gefühlen. „Ich danke den vielen tollen Menschen, die an die gute Sache geglaubt und weder Kosten noch Mühen gescheut haben.“ Für Jo Riha findet sie deutliche Worte: „Ich frage mich, ob er noch in den Spiegel schauen kann. Wie kann man nur so verantwortungslos sein? Spendengeld gehört auf ein Spendenkonto – und nicht in die Hosentasche. Ich möchte niemanden beschuldigen, aber ich kann einfach nicht so richtig glauben, dass es einen Überfall gegeben hat.“

Jo Riha hat die Zigeunerköche inzwischen für tot erklärt. „Das Baby ist nicht mehr aufzuwecken“, sagte er der MAZ. „Der Ruf ist auf ewig ruiniert.“ In den vergangenen Tagen hätten sich viele einstige Mitstreiter und Freunde von ihm abgewandt: „Wie es weitergeht? Ich hoffe, dass sich der Raub aufklärt.“

Von Nadine Fabian

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