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Potsdam Heidi öffnet die Herzen der Menschen
Lokales Potsdam Heidi öffnet die Herzen der Menschen
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09:45 29.12.2015
Bruno Ganz mit Anuk Steffen. Quelle: Studiocanal
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Babelsberg

Petra Volpe, Absolventin der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, hat das Drehbuch zu Alain Gsponers Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers „Heidi“ geschrieben.

MAZ: Heidi ist ja ein Schweizer Nationalsymbol. Kommt man als Kind an Johanna Spyris Büchern vorbei? Will man das überhaupt?

Petra Volpe: Ich habe als Kind die Bücher von Johanna Spyri nicht gelesen - auch Heidi nicht. Aber ich liebte die Fernsehserie und auch das Japanische Manga. Ich habe also keine nostalgische Beziehung zu der Figur - eher im Gegenteil. Wenn man viel reist und dann den Leuten erzählt, dass man in der Schweiz aufgewachsen ist, dann wird sofort Heidi erwähnt und gejodelt (obwohl das eigentlich null zusammengehört). Das hat mich vor allem als junge Frau immer ein bissel genervt.

Was mögen Sie an der Figur besonders?

Petra Volpe: Ihre absolute Präsenz im Moment, die Art wie sie komplett und mit großer Empfindsamkeit anwesend ist in der Welt. Wie sie zu der Natur, den Tieren, den Menschen einen ganz unverstellten Kontakt aufnimmt. Sie hat keine Meinungen und Ideen. Sie ist einfach da und kann über kleine Dinge ganz großes Glück empfinden.

Verspüren Sie als gebürtige Schweizerin eine besondere Heidi-Kompetenz?

Petra Volpe: Nein - ich glaube, das hat nichts mit Nationalität zu tun. Ich habe bei der ersten Lektüre der Romane Verbindung mit dieser Figur, aber auch den anderen Figuren aufgenommen. Außerdem hab ich alles verschlungen, was ich über Johanna Spyri lesen konnte - ihre Lebensgeschichte hat mich sehr bewegt.

Warum übt Heidi auf uns auch heute noch eine Faszination aus?

Petra Volpe: Es gibt mehrere sehr universelle Themen in dieser Geschichte. Es geht zum Beispiel um die Sehnsucht danach angenommen zu werden, wie man ist. Heidi hat keine Vorurteile, sie ist ganz offen und das öffnet auch die Herzen der Menschen. Und es ist auch eine Geschichte darüber, ein zu Hause zu finden. Johanna Spyri hat das nicht unbedingt an das Land Schweiz gebunden - das wurde erst später so vereinfacht.

Wie ist das Filmprojekt zu Ihnen gekommen?

Petra Volpe: Zodiac Pictures und ich arbeiten schon lange zusammen und als die Produzenten Lukas Hobi und Reto Schärli die Ideen hatten, Heidi neu zu verfilmen, haben sie mich als Autorin angefragt. Ich war im ersten Moment alles andere als begeistert und habe mich gefragt, warum man erneut auf so einen alten Stoff zurückgreift. Aber als ich die Romane gelesen habe, fand ich darin einen Heidi-Film, den ich noch nicht gesehen hatte und den ich gerne erzählen wollte.

Heidi tobt in Jungsklamotten durch die Berge - eine sichtbare Änderung. Der Film bleibt recht dicht an den Büchern dran. Wie frei waren Sie in der Stoffentwicklung?

Petra Volpe: Ich war sehr frei und das war für mich auch eine Bedingung - ich bin keine klassische Auftragsautorin. Die Grundidee war, sehr nah an den Romanen zu bleiben. Heidi ist eigentlich überhaupt nicht kitschig und süß - das wurde erst später daraus gemacht. Aber Spyri schreibt mit großer Detailgenauigkeit über Armut, über seelische Grausamkeit, darüber wie die Erwachsenen mit ihrem Schmerz nicht klar kommen und die Kinder benutzen. Es gibt natürlich sehr rührende Momente, aber auch sehr harte. Das hat mich interessiert.

Sie arbeiten als Drehbuchautorin und als Regisseurin. Welche Aufgabe erfüllt Sie mehr?

Petra Volpe: Beide Berufe sind eine große Quelle von Glück für mich. Ich fühle mich in meiner Arbeit frei, geborgen und zu Hause. Der Übergang von einer Rolle in die andere ist manchmal etwas harzig, weil die Aufgaben so extrem unterschiedliche Qualitäten von einen fordern. Wenn ich lange an einem Buch gearbeitet habe und dann die Produktion anfängt, ärgere ich mich darüber, dass ich so viele Fragen beantworten muss, wo ich doch jetzt alles so mühevoll aufgeschrieben habe. Und wenn ich wieder zurück in meine Schreibstube gehe, dann fehlen mir all die wunderbaren, talentierten Menschen, die mir spannende Fragen stellen.

Entwickeln Sie momentan ein neues Regieprojekt? Welches?

Petra Volpe: Ich befinde mich in der Vorproduktionsphase für meinen nächsten Film „Die göttliche Ordnung“. Wir fangen am 22. Februar an zu drehen.

Auf welchen verschlungenen Pfaden führte Sie Ihr Weg von Zürich nach Babelsberg an die HFF „Konrad Wolf”?

Petra Volpe: Ich wollte mit 27 meinen ersten Kurzfilm in der Schweiz machen, aber die Finanzierung hat nicht geklappt. Das hat mich so wütend gemacht, dass ich beschlossen habe mich an einer Filmschule zu bewerben. Die HFF hat mich als Regisseurin nicht aufgenommen, aber als Autorin. Das Studium dort war toll - ich hab viel gedreht, geschrieben, diskutiert, mich auseinandergesetzt - und tolle Leute kennen gelernt.

Inzwischen wohnen Sie in den USA. Was hat Sie dorthin verschlagen?

Petra Volpe: L´amour…

Welche Unterschiede zwischen den Filmländern USA, Schweiz und Deutschland haben Sie bereits ausgemacht?

Petra Volpe: In Amerika gibt es keine Förderungen. Da regiert der Markt. Es hat beides seine Vor- und Nachteile. So oder so muss man viel Leidenschaft mitbringen, hart Arbeiten und auch ein bissel Glück haben, um kontinuierlich seine Filme machen zu können – gerade als Frau.


Regisseurin und Autorin

Petra Volpe wurde in Suhr (Schweiz) geboren. Von 1997 bis 2001 studierte sie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (heute Filmuni) Dramaturgie und Drehbuch. Bei „Traumland“ (2013), „Frühling im Herbst“ (2009) und „Kleine Fische“ (2007) führte Petra Volpe Regie und schrieb das Drehbuch.

Alain Gsponers „Heidi“-Verfilmung läuft in der UCI Kinowelt Potsdam (Di. & Mi., um 14 Uhr) sowie in einigen Berliner Kinos.

Erzählt wird die weltberühmte Geschichte des Waisenmädchens Heidi (Anuk Steffen), das mit seinem Großvater, dem Almöhi (Bruno Ganz), abgeschieden in einer Hütte in den Schweizer Bergen lebt. Sie und ihr Freund, der Geißenpeter (Quirin Agrippi), hüten die Ziegen und führen ein unbeschwertes Leben. Doch eines Tages wird Heidi von ihrer Tante Dete (Anna Schinz) aus der Almidylle herausgerissen und nach Frankfurt gebracht, wo sie in der Familie des wohlhabenden Herrn Sesemann (Maxim Mehmet) untergebracht wird. Heidi soll die Spielgefährtin für die im Rollstuhl sitzende Tochter Klara (Isabelle Ottmann) geben und unter der Aufsicht des strengen Kindermädchens Fräulein Rottenmeier (Katharina Schüttler) lesen und schreiben lernen. Zwar freundet sich Heidi schnell mit Klara an und entwickelt langsam eine Leidenschaft für Bücher – ihre Sehnsucht nach den geliebten Bergen und ihrem Großvater wird dadurch aber nicht geringer…

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