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Heike Isenmann bei Matschke

Kunst in Potsdam Heike Isenmann bei Matschke

Die Ausstellung „Panorama“ mit Fotografien, Grafiken und Illustrationen von Heike Isenmann im Potsdamer Galeriecafé Matschke eröffnet dem Besucher wundersame Welten mit Feen, Hexen und Medusen.

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Heike Isenmann mit ihren Polizeifotos vor Mädchenporträts aus Gottsdorf.

Quelle: Volker Oelschläger

Potsdam. Es raunt und flüstert wunderbar geheimnisvoll an den Wänden des Galeriecafés Matschke in der Alleestraße. Engel, Feen und Drachenfrauen geben sich in schwerelosen Welten auf Büttenpapier ein Stelldichein. Ein zartes Hexlein in bläulich-türkisenem Kleid reitet auf dem Stiel eines vertrockneten Ahornblattes, begleitet von einer eifrigen Eule, die eine Schlange in den Klauen trägt. Der Tod, eine Frau mit Stöckelschuhen und einem roten Blütenblatt als Sonnenschirm, schaut versonnen aus dunklen Augenhöhlen auf ein Blümchen am Wegesrand, das Blümchen mit seinen zwei Blättern, die sich wie Flügel öffnen, schaut fragend zurück.

Märchenhaft und voller Geschichten sind die Grafiken und Collagen am Eingang zur Ausstellung „Panorama“ von Heike Isenmann, die am Freitag eröffnet wurde.

Der Titel erklärt sich zuerst mit einer zwei Meter messenden Panoramaaufnahme vom schattigen, holzgetäfelten Flur des Hotels „Haase“ im südchilenischen Puerto Octay, in dem die Zeit zu stehen scheint – einem sich fenstergleich öffnenden Blickfang am anderen Ende des kleinen Gastraums im Parterre. „Gebannt stehe ich in der mich ankriechenden Vergangenheit“, schrieb Heike Isenmann im Jahr 2000 nach der Begegnung mit Frida Haase, einer 89-Jährigen, die dieses Hotel am Ende der Welt noch immer so betrieb, wie es ihre 1870 aus Deutschland nach Chile ausgewanderten Großeltern errichtet hatten.

Doch der Titel „Panorama“ passt ebenso zur Ausstellung selbst, die mit ihrer Fülle von Fotografien, Grafiken und Illustrationen in immer wieder neue Welten entführt, die zum Träumen einladen und staunen lassen.

Medusen mit schönen Gesichtern inmitten von Ranken, Schlangen und Schmetterlingen auf fahnengroßen Rollbildern begleiten das Publikum an der Wand des Treppenhauses ins Obergeschoss, wo die fast einen Meter große Reproduktion eines Siebdrucks im Schatten ruht. „Helena“, ein beinahe bildfüllendes Medaillon mit einem Frauenakt, der Stummfilm und Jugendstil vereint, entstand Anfang der 1990er Jahre als Theaterplakat.

Heike Isenmann, Jahrgang 1966, gelernte Schneiderin, schloss 1992 ein Studium der Illusionsmalerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden ab, arbeitete von 1988 bis weit in die 1990er Jahre hinein als Theatermalerin – zuerst am Hans-Otto-Theater, später für freie Bühnen. Ab Mitte der 1990er Jahre experimentierte sie mit inszenierter Fotografie. Der Besuch des Hotels „Haase“ war Teil ihrer Arbeit zum Thema „Fremde Heimat“ für das Diplom als Grafik-Designerin an der Fachhochschule Potsdam. Spätestens mit der Gründung ihrer Kunst- und Zeichenschule „Kunstgriff 23“ im Jahr 2005 in der Brandenburger Vorstadt kam die Rückkehr zur Grafik.

Doch oben bei Matschke werden die 1990er Jahre wie in Sepia getaucht wieder lebendig. Auf den Fotografien aus einem temporären Atelier mit antik oder im Stil der 1950er Jahre kostümierten Gästen vor Kulissenwänden in der damaligen Kunstfabrik, mit den großformatig schwarz-weißen Mädchenporträts mit Seidenschirm und Hut, entstanden bei einer Sommerferienwerkstatt des Offenen Kunstvereins in Gottsdorf.

Und dann liegen da wie ein Zufallsfund drei Ordner mit Porträtfotografien. Vor diesem Fotoprojekt für ein Gästebuch des Kunsthauses Strodehne war Heike Isenmann im Polizeipräsidium und ließ sich zeigen, wie ordentliche Porträtfotografien für die Delinquentenkartei gemacht werden: Gesicht von rechts, Gesicht von vorne und von halb links. 1998 ging sie selbst ans Werk, die Aufnahmen der Gäste werden komplettiert mit steckbriefähnlichen Selbstauskünften. Nun blättert sich das durch wie ein Familienalbum.

Info Ausstellung „Panorama“ mit Fotografien, Grafiken und Illustrationen von Heike Isenmann im Galeriecafé Matschke, Alleestraße 10, bis 7. Oktober. In Heike Isenmanns „Kunstgriff 23“, Ossietztkystraße 23, gibt es am Sonnabend um 15 Uhr eine Präsentation der Arbeiten ihrer Kinder-Ferienwerkstätten.

Von Volker Oelschläger

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